Animiertes GIF auf den die drei junge Männer hinter einem Smartphone vor einer Welle von Asiatischen Klischeeobjekten verstecken

„No Asians“

… schreiben manche User direkt in ihr Profil auf Dating-Apps. Inwiefern beeinflussen Vorurteile das Liebesleben von ost- bzw. südostasiatischen Männern in Deutschland? Drei von ihnen erzählen

Protokolle: Quang Paasch und Illustration: Ari Liloan
Thema: Identität
1. August 2025
„Schwul und asiatisch wird oft gleichgesetzt mit: klein, schlank, unterwürfig“

Viele Queers haben sehr eindeutige Vorlieben, was das Äußere betrifft – und gehen damit auch offen um: Auf Dating-Apps liest man dann zum Beispiel Dinge wie „No Asians“ in den Profilen. Das kratzt natürlich am Selbstwertgefühl. Früher hat das bei mir dazu geführt, dass ich beim Feiern viel zu schüchtern war, um Typen anzusprechen. Die Angst, abgewiesen zu werden, gibt es ja immer – bei mir hing sie aber immer auch mit meinem Asiatischsein zusammen.

Für mich ist das ganz klar ein strukturelles Problem. Ich finde es schade, wenn man sich so stark auf bestimmte Ethnien fixiert und anderen Menschen dadurch gar keine Chance gibt. Dieser oberflächliche Fokus aufs Aussehen in Dating-Apps nervt mich sowieso total. Es ist praktisch unmöglich, nicht sofort in eine Schublade gesteckt zu werden. „Schwul und asiatisch“ wird oft gleichgesetzt mit: klein, schlank, unterwürfig.

Ich hatte lange das Gefühl, genau diese Erwartungen erfüllen zu müssen. Heute versuche ich bewusst, diese Klischees zu durchbrechen – und einfach so zu sein, wie ich sein will. Mit mehr Erfahrung habe ich gelernt, nur noch Menschen zu daten, die mich in all meinen Facetten akzeptieren und mir den Raum geben, mich frei zu entfalten. Zum Glück habe ich da heute klare Grenzen.

Portrait von Bao

Bao, 27 Jahre, vietnamesisch-deutsch, Content Creator und Musiker aus Berlin

„Sobald die Kennenlernphase den Punkt erreicht, an dem ich sie mit nach Hause bringe, habe ich Angst vor ihrer Reaktion auf mein Indonesischsein“

Ich bin in einem wenig diversen Stadtteil in Ostberlin aufgewachsen und musste schon früh damit kämpfen, nicht so auszusehen wie alle anderen – groß, blond und weiß. Besonders wenn ich Interesse an Mädchen hatte, stellte sich mir sofort die Frage: Bin ich überhaupt gut genug? Egal mit wem ich sprach – das Idealbild war meist der typische weiße, große „Bio-Deutsche“.

Während in der Pubertät alle meine Freunde Wachstumsschübe und Körperbehaarung entwickelten, ließ das bei mir länger auf sich warten. Das Klischee vom „kleinen Asiaten“ schien sich für mein Umfeld zunächst zu bestätigen. Heute bin ich jedoch an einem Punkt, an dem ich meine körperlichen Eigenschaften nicht mehr als Defizite sehe, sondern als etwas völlig Normales.

Trotzdem kann meine kulturelle Identität beim Dating noch immer Schamgefühle auslösen. Sobald die Kennenlernphase den Punkt erreicht, an dem ich sie mit nach Hause bringe, habe ich Angst vor ihrer Reaktion auf mein Indonesischsein. Wie wirkt unser Essen auf sie? Unsere traditionelle Kleidung, unsere Feste? Findet sie das alles komisch?

Gleichzeitig spüre ich immer mehr Stolz auf diesen Teil meiner Identität – und ich wünsche mir jemanden an meiner Seite, der genau das wertschätzt. Das bedeutet für mich auch, dass diese Person versteht, wie ich von Rassismus betroffen bin. Ich habe zum Beispiel mal ein Mädchen gedatet, das sich eigentlich als progressiv verstand, aber nicht nachvollziehen konnte, warum mich rassistische Strukturen so aufregen. Da habe ich gemerkt: Es reicht nicht, sich selbst als Antirassistin zu bezeichnen – ich brauche jemanden, der auch solidarisch handelt.

Portrait von Refity

Refity, 24 Jahre, indonesisch-deutsch, Journalist aus Berlin

„Wo hört kulturelle Wertschätzung auf, und wo beginnt Fetischisierung? Konkrete Kriterien habe ich bis heute nicht wirklich gefunden“

Als Kind habe ich mich oft gefragt, ob Korea überhaupt ein reales Land ist. In meinem Umfeld gab es keinerlei Sichtbarkeit, und auch in den Medien, die ich konsumiert habe, kam Korea praktisch nicht vor. Die einzigen Länder, die alle kannten, waren China oder Japan. Als dann der Hype um K-Pop kam und sich plötzlich immer mehr Leute für Korea interessierten, habe ich mich schon gefreut. 

Doch beim Daten habe ich irgendwann gemerkt, dass ich oft auf mein Koreanischsein reduziert werde. Manche erwarten, dass ich genauso bin wie die Jungs aus den K-Pop-Bands oder den koreanischen Serien – ein großer, schlanker Gentleman, der für die Frau alles machen würde. Wer ich wirklich bin, spielt dann erst mal keine Rolle. Ich bin deswegen über die Jahre eindeutig achtsamer geworden und habe immer ein gewisses Misstrauen, wenn ich date oder neue Menschen kennenlerne. 

Was mir dabei schwerfällt, ist die Unterscheidung: Wo hört kulturelle Wertschätzung auf, und wo beginnt Fetischisierung? Konkrete Kriterien habe ich bis heute nicht wirklich gefunden. Aber für mich ist es eine klare red flag, wenn jemand zum Beispiel fast ausschließlich über Korea spricht – und dabei womöglich sogar andere Länder oder Kulturen runtermacht. 

Am Ende schaue ich immer auf die einzelne Person: Wie ist sie wirklich? Was interessiert sie an mir – als Mensch? Denn genauso möchte ich auch wahrgenommen werden: als individuelle Person, die mehr ist als nur ein Koreaner.

Portrait von Kevin

Kevin, 21 Jahre, koreanisch-deutsch, Sportmanagement-Student aus Lörrach

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