Gelbe Comicfigur, die eine Animateurin darstellt, mit mehreren Armen, Stoppschild, Pfeil und Bogen, lila Rock und Stiefeln, umgeben von Sternen und fliegenden Händen

Arbeiten, damit andere feiern können #4

Lea*, 18 Jahre, arbeitet als Animateurin in einem Hotel auf einer kanarischen Insel. Tanzen, Strandspiele und Bar-Besuche gehören zu ihrem Job – und ein dickes Fell

Protokoll: Mandoline Rutkowski
Thema: Arbeit
2. Oktober 2026

*Name geändert

Nach meinem Abi wollte ich nur eins: raus aus meiner Heimatstadt. Erst habe ich als Animateurin in Griechenland gearbeitet, jetzt bin ich auf einer kanarischen Insel. Hier arbeite ich 40 Stunden die Woche in einem Hotel, mit zwei freien Tagen pro Woche. Ich bekomme eine Wohnung in der Nähe der Hotelanlage gestellt, die ich mir mit einer anderen Hotel-Animateurin teile, und verdiene etwas weniger als 2.000 Euro netto im Monat, wovon ich noch ein bisschen was sparen kann.

Die meisten Gäste im Hotel kommen aus Deutschland, einige auch aus den Niederlanden, England und Spanien. Mein Tag sieht so aus: vormittags Strandspiele, Dart oder Bogenschießen, nachmittags Aqua-Dance. Abends geht es dann weiter mit Quiz oder Tanzen, einmal die Woche besuche ich mit den Gästen ein paar Bars. Danach ziehe ich oft noch privat mit ihnen weiter. Solange wir nicht auf dem Hotelgelände feiern oder trinken, ist das erlaubt. Einmal war ich bis halb sechs Uhr morgens unterwegs.

Es kommt vor, dass Gäste flirty werden. Die Jüngeren sind meistens respektvoll. Ältere Männer machen manchmal anzügliche Sprüche. Ein Anfang-60-Jähriger hat mich mal gefragt, ob er mich „da unten” befriedigen dürfe, ein anderer, ob ich nicht einen noch kürzeren Rock anziehen könne. Ich habe gelernt, eine gewisse körperliche Distanz zu den Gästen zu wahren und Gespräche oberflächlich zu halten. Wenn ich mich unwohl fühle, holen mich Kolleginnen und Kollegen aus der Situation. Einmal habe ich einen Gast an der Rezeption gemeldet. Dann greift das Hotel ein, verhängt zum Beispiel ein Alkoholverbot; im schlimmsten Fall fliegt er raus.

„Gute Laune ist Pflicht. Aber an manchen Tagen fällt es mir schwer, weiterzulächeln“

Für den Job sollte man offen, optimistisch, voller Energie sein. Gute Laune ist Pflicht. Ich bin ein positiver Mensch, aber auch ich wache manchmal gestresst auf. Wenn ich an solchen Tagen um 8.30 Uhr Aquafitness geben muss oder einen Tag frei habe, an dem ich niemanden zum Rumhängen habe, will ich nur noch nach Hause.

Manchmal nervt mich auch die Eintönigkeit an der Arbeit: jeden Tag dieselben Spiele, nur die Gesichter wechseln. Und manchmal schreiben Gäste schlechte Bewertungen, obwohl ich mir viel Mühe mit dem Programm gegeben habe, oder ich versuche, Gäste zum Tanzen zu animieren, und niemand macht mit. Dann komme ich mir verarscht vor. An solchen Tagen fällt es mir schwer, weiterzulächeln.

Es gibt aber auch ganz viele tolle Momente. Eine 13-Jährige, die Streit mit ihrer Familie hatte, hat sich mir kürzlich anvertraut und mich dabei einfach so umarmt. Manche Gäste, die zwei oder drei Wochen da waren, fühlen sich fast wie Familie an. Eine ältere Dame umarmte mich zum Abschied und meinte, ich sei für sie wie ein Enkelkind. Wenn solche Menschen abreisen, bin ich traurig. 

Es ist mir wichtig, nicht nur für die Arbeit hier zu leben. Ich habe Hobbys, mache zum Beispiel gerade einen Bachata-Tanzkurs, und treffe mich mit Freundinnen und Freunden, die ich beim Feiern kennengelernt habe.

Der Job hat mich verändert: Ich bin selbstbewusster und selbstständiger geworden. Früher hätte ich nie etwas allein unternommen, jetzt gehe ich allein an den Strand oder feiern. Ich würde gerne langfristig hier leben, aber dann in einem anderen Job. 

Titelbild des fluter 100, Thema: Feiern, er zeigt eine Person beim Tanzen vor orangem Hintergrund
Dieser Artikel ist aus dem fluter „Feiern“.
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Illustration: Alex Mages