Eigentlich soll Youtubes eingeschränkter Modus Nackedeis, Gewaltszenen und sonstige „potenziell unangemessene“ Inhalte herausfiltern. Eine Art Kindersicherung, die optional aktiviert werden kann und die laut Youtube auf öffentlichen Computern in Schulen oder Bibliotheken teilweise voreingestellt ist. 

Doch der Algorithmus hinter dem Modus blockiert auch reihenweise LGBT-Videos, wie Nutzer in den vergangenen Tagen bemerkten: das Musikvideo „BWU“ der lesbischen Schwestern Tegan and Sara zum Beispiel oder den Beitrag „Mein Coming Out: So war es wirklich“, in dem der österreichische Youtuber Michael Buchinger einen seiner Meinung nach komplett unspektakulären Tagebucheintrag vorliest. Anstoßende Bilder oder explizite Sprache? Finden sich darin keine.

„Die LGBT-Community wird immer noch sexualisiert“, kritisiert Rowan Ellison in diesem Video. Über 40 Beiträge der britischen Youtuberin wurden als unangemessen markiert – auch der, in dem sie die Markierung selbst thematisiert. Youtube, so Ellison, sei einer der wenigen Orte, an denen LGBT-Jugendliche einen Weg in die Community finden, sich über einschlägige Themen informieren und das Gefühl haben können, nicht alleine zu sein.

Nachdem sich zeigte, wie viele LGBT-Videos als „nicht familienfreundlich“ eingestuft wurden, riefen User auf Twitter eine #YouTubeIsOverParty aus:

Youtube entschuldigte sich mittlerweile und beteuert, dass es sich bei der Markierung um einen Fehler handle:


Während die Plattform einzelne Videos manuell wieder freigeschaltet hat (zum Beispiel das Musikvideo von Tegan und Sara), sind andere im eingeschränkten Modus noch immer nicht sichtbar (zum Beispiel das Coming-out-Video von Michael Buchinger).

Auch einige Filme von fluter.de sind betroffen, etwa das Porträt über Ibrahim, der aus dem Libanon floh, weil er schwul ist, die neue Doku über Kolumbiens FARC-Rebellen oder die Umfrage zum Nagellack, der vor K.-o.-Tropfen schützen soll.

Nach welchen Kriterien Youtubes Algorithmen und Mitarbeiter Inhalte als unangemessen markieren, verrät Youtube nicht. Auch bleibt in der Youtube-Hilfe unklar, was man tun kann, wenn eigene Inhalte gesperrt werden.