Eindeutig zweideutig: „Gegen Ende“ heißt Denis Sennefelders Fotoarbeit. Sie zeigt Szenen aus Berliner Sanierungshäusern, Gebäuden, die von ihren Bewohnern zwecks Erneuerung geräumt werden sollen. Müssen. Sennefelder macht diese Verdrängung sichtbar, porträtiert Orte und ihre Gestalter kurz vor dem Moment ihres Verschwindens – gegen Ende also.

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Alles rausholen aus dem Gebäude: Die ehemaligen Bewohner müssen gehen, weil die Investoren mehr verdienen wollen (Denis Sennefelder)
Alles rausholen aus dem Gebäude: Die ehemaligen Bewohner müssen gehen, weil die Investoren mehr verdienen wollen (Denis Sennefelder)

Fotograf Denis Sennefelder, 1979 im Ruhrgebiet geboren, hegte schon lange eine Faszination für Orte, die nicht so recht ins Stadtbild passen und meist einen ganz bestimmten Menschenschlag anziehen. Alte, oft leer stehende Häuser, die wie Trutzburgen inmitten der aufpolierten Nachbarschaft stehen. Bis es so weit ist: Sanierungsbescheid, Mieterhöhung, Verwertungsklage, Räumung, Luxussanierung. Mit den Bewohnern verschwänden dann auch die illegalen Partys, die kreative Wandbemalung und die nicht genehmigte Schaukel, sagt Sennefelder. So ist es auch einigen seiner Freunde und Bekannten ergangen. Schade drum.

Dennoch will der Fotograf seine Arbeit nicht als Abgesang verstanden wissen, denn er sieht – trotz aller Wehmut – auch einen wachsenden Widerstand in Form von Mieterbündnissen, Kiezspaziergängen und Hausbesetzungen. Menschen, die nicht kampflos aufgeben und bewahren wollen, was den Mythos Berlins ausmacht. So gesehen könnte man den Namen von Sennefelders Arbeit genauso gut anders aussprechen:„Gegen Ende“.

Denis Sennefelder studierte Jura, bevor er Fotograf wurde. Er besuchte die Berliner Ostkreuzschule (Abschlussklasse 2012). Seinen Fotoessay kann man auch kaufen – einen Vorgeschmack gibt es hier.