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Der linke Liebling

Bernie Sanders macht seit 40 Jahren Politik – mit den immergleichen Forderungen. Jetzt bekommt er dafür breite Unterstützung

  • 3 Min.
Foto: Kevin Dietsch/UPI/laif

Im November 2020 will Donald Trump zum US-Präsidenten wiedergewählt werden. Der Wahlkampf läuft bereits: Über 20 Kandidat*innen der Demokratischen Partei haben sich in Stellung gebracht, um gegen ihn anzutreten. Doch nur eine*r darf. Fluter.de stellt die fünf aussichtsreichsten vor – plus einen weniger aussichtsreichen Republikaner.

Sollte Bernie Sanders die Vorwahlen der Demokraten im nächsten Jahr gewinnen und anschließend auch Donald Trump schlagen, wäre er zum Amtsantritt 79 Jahre alt. Ein weißer und sehr alter Mann also. Dass das nicht optimal ist, geben selbst seine Fans zu. Abgesehen davon hat wohl kein anderer Kandidat eine solch leidenschaftlich involvierte Anhängerschaft wie der gebürtige New Yorker.

Sanders ist in den vergangenen Jahren zum Liebling der US-Linken avanciert, er hat die meisten Follower bei Twitter und Facebook unter den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, sammelt mehr Spenden als die Konkurrenten, und seine Graswurzelorganisation „Our Revolution“ hat sich mittlerweile im ganzen Land verbreitet. Sanders möchte bei der kommenden Wahl das nachholen, was ihm 2016 misslang: erster US-Präsident in der Geschichte werden, der sich selbst als „demokratischer Sozialist“ bezeichnet. Und genau davor warnen seine Gegner panisch.

Alter: 77

Position: Senator aus Vermont

Wahlkampfthemen: Staatliche Krankenversicherung für alle, kostenloser Zugang zu Universitäten, höhere Besteuerung der Reichen, landesweiter Mindestlohn, Vollbeschäftigung

Basis: Linke, Stadtbewohner*innen, Student*innen, Arbeiter*innen, Geringverdiener, People of Color

Wahlkampfspenden: 21 Millionen Dollar

Seine politische Karriere startete Sanders vor fast 40 Jahren als Bürgermeister von Burlington, der größten Stadt Vermonts. 1990 wurde er ins US-Repräsentantenhaus gewählt, 2006 in den Senat, und zwar jeweils als independent, als unabhängiger Abgeordneter. Sanders tritt nun für die Demokraten an, weil Kandidaten, die keiner der zwei großen Parteien zugehören, bei großen Wahlen keine Chance haben. 

Wenn er Reden hält, zieht er regelmäßig Tausende Zuschauer an. „Feel the Bern“ steht auf ihren Plakaten und Klamotten – oder schlicht „Bernie“, so nennen ihn seine Fans. Als er Anfang März den Wahlkampfauftakt in seiner New Yorker Heimat Brooklyn bestritt, standen die Besucher stundenlang im Schnee Schlange. In der Rede wurde Sanders ungewohnt persönlich. Er erzählte von den finanziellen Problemen seiner Familie, von seinem jüdischen Vater, der Anfang der 1920er-Jahre aus Polen in die USA emigriert war, und von seiner Mutter, die starb, als Sanders gerade frisch auf dem College war. „Ich weiß, wo ich herkomme“, rief er den 13.000 Zuschauern zu. 

Sanders hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nicht nur mit dem „Establishment“ von Washington, den Republikanern und Donald Trump angelegt, sondern auch mit dem Zentrum der Demokratischen Partei. In den Augen vieler Parteifunktionäre ist Sanders zu radikal und verbissen. Obwohl ihm Unterstützung aus der Mitte der Partei fehlte, unterlag er Hillary Clinton im Vorwahlkampf 2016 überraschend knapp. Viele moderate Demokraten befürchten, dass Sanders’ linke Politik in großen (und konservativen) Teilen des Landes nicht angenommen werde. Wer in den Südstaaten unterwegs ist und gewisse Radiosender einschaltet, könnte jedenfalls den Eindruck bekommen, die USA stünden kurz vor der kommunistischen Revolution, angeführt natürlich von Bernie Sanders. 

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Sanders, der in Umfragen derzeit auf Platz vier steht, trommelt verlässlich für die immer gleichen Themen: kostenlose Bildung, weniger Macht für die Wall Street, eine Reform des Strafjustizsystems, mehr Arbeitnehmerrechte. Einige seiner Gesetzesinitiativen wurden vor Jahren noch als Spinnereien abgetan; heute erhalten sie breitere Unterstützung. Bestes Beispiel ist „Medicare for All“, Sanders’ Idee einer steuerfinanzierten staatlichen Krankenversicherung, die mittlerweile laut Umfragen sogar von einigen Republikanern befürwortet wird. 

In der Kritik stand Sanders zuletzt, als er Mitte April seine Steuerunterlagen der letzten zehn Jahre veröffentlichte und dadurch publik wurde, dass er es mit seinen Büchern und Events zum Millionär gebracht hat. „Bernie gehört zum einen Prozent“, schrieb die „New York Times“, gemeint war die Einkommensspitze der USA, gegen deren Einfluss in der Politik Sanders ja seit langem kämpft. „Falls irgendjemand denkt, dass ich mich dafür entschuldigen sollte, dass ich ein Buch geschrieben habe, das sich gut verkauft, tut mir leid, das werde ich nicht tun!“, sagte Sanders kurz darauf im Fernsehen. Man könnte das als stur bezeichnen. Oder als konsequent, schließlich fordert kein anderer Kandidat so vehement eine stärkere Besteuerung Reicher. 

Titelbild: Kevin Dietsch/UPI/laif

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

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