Christiane Lokar (Kittihawk) // Cartoon von Tom Hachtman (Trump Tower)

Das ist eine alte Karikatur vom New Yorker aus einer Zeit, bevor Trump Präsident geworden ist, aber ich finde, das passt immer noch total gut. Sie drückt alles aus, was diese Person ausmacht. Er zeigt halt allen den Mittelfinger. Die Karikatur gefällt mir, weil sie sehr schnell auf den Punkt kommt. Ich finde es wichtig, dass man bei Karikaturen nicht zu lange braucht, bis man den Witz erkannt hat. Außerdem sollte eine Karikatur nicht vorhersehbar, sondern überraschend sein.

Gezeichnete Cartoons über Trump finde ich oft nicht treffend und nicht besonders gelungen. Ich habe keinen Cartoon gefunden, bei dem ich gedacht habe, das kann man doch nicht machen. Eher umgekehrt: Ja, kann man machen, aber so richtig gut ist es auch nicht. Bei Trump ist es so eindeutig, dass er als ein Monster oder ein Durchgedrehter in Zwangsjacke dargestellt wird. Man versucht das, so wahnsinnig in die Höhe zu treiben, aber es funktioniert nicht. Der Witz ist oft zu durchsichtig. Karikaturen arbeiten mit einem Mittel der Übertreibung und es ist schwer, das noch zu übertreiben, weil Trump selber ja schon so eine übertriebene Figur ist. Das funktioniert ganz oft nicht.

Ich finde, es gibt erst mal keine Grenzen der Satire. Bei Trump fällt es einem sehr leicht, weil man denkt, das ist wie so eine Zeichentrickfigur, da kann man den Kopf abschlagen und es wächst wieder einer nach. Aber ich glaube, Mitleid muss man da nicht haben.

Christiane Lokar ist Grafik-Designerin und Cartoonistin. Sie zeichnet unter ihrem Pseudonym Kittihawk veröffentlichte sie für die Sächsische Zeitung, den Spiegel, Titanic und zitty. 2009 erschien ihr Buch Lebenslanges Lernen (Lappan)




 

 

Klaus Staeck // Illustration von Edel Rodriguez (America first)

Von Heinrich Böll stammt der Satz: "Satire ist kein Himbeerwasser." Sie soll scharf sein im Sinne der Aufklärung, einen Sachverhalt offen legen. Ein gutes Beispiel für diese Maßstäbe ist das Donald Trump gewidmete Titelbild des SPIEGEL vom 4. Februar 2017. Trump der Rächer, der die Freiheitsstatue – das Symbol des freien Amerika schlechthin – enthauptet, zeigt die Aufkündigung des friedlichen Meinungsstreits mit der Waffe. Es ruft Assoziationen zu den im Internet kursierenden Schreckensfotos von Hinrichtungen durch die Jihadisten des IS hervor. Die Karikatur beschreibt eine Kriegserklärung an den Rest der Welt im Namen von 'America First'.

Die Grenzen der Satire bestimmt unser Grundgesetz im Artikel Eins: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Kurt Tucholskys Satz "Die Satire darf alles" füge ich hinzu: In Verantwortung. Deshalb kein scharfer Angriff ohne Erkenntnisgewinn. Meine Definition von Satire: Die Verteidigung der unverschuldet Schwachen gegen den Übermut der Starken mit den Möglichkeiten des Humors, der nicht mit Spaß verwechselt werden darf. Wer also mit scharfer Klinge angreift, muss gute Gründe haben. ( Cover: DER SPIEGEL 4/2017

Klaus Staeck ist Grafikdesigner, Karikaturist und Jurist. Er war drei mal auf der Documenta vertreten, veröffentlichte zahlreiche politische Plakate und war von April 2006 bis Mai 2015 Präsident der Akademie der Künste in Berlin.