Es ist eigentlich nicht besonders erstaunlich: Sind wir einer besonderen Belastung ausgesetzt, reagiert unser Organismus darauf. Natürlich nicht immer und bei allen Menschen auf dieselbe Weise, aber: Ein Erdbeben, ein Terroranschlag oder die Erfahrung von Gewalt geht an niemandem spurlos vorüber. Bei manchen kommt die Reaktion sofort, bei anderen erst Wochen oder Monate später. Eine verzögerte Form ist die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

Die psychische Erkrankung ist gekennzeichnet durch Albträume und Flashbacks – die Erkrankten durchleben die traumatische Situation in ihrer Vorstellung wieder und wieder. Hinzu kommen laut der offiziellen Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation ein andauerndes Gefühl des Betäubtseins und emotionale Stumpfheit, Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit.

Betroffene versuchen so gut es geht, Aktivitäten und Situationen zu meiden, die traumatische Erinnerungen wachrufen könnten. Solche Auslöser, genannt „Trigger“, können Menschen, Fotos, Umgebungen, aber auch Geräusche und Gerüche sein. Die PTBS kann mit Angstzuständen, Depressionen und Suizidgedanken einhergehen. Viele Menschen haben nach einem Trauma große Schwierigkeiten, in ihr altes Leben zurückzukehren. Die Symptome ihrer Krankheit lassen es oft nicht zu, ihr Privat- und Berufsleben zu führen wie bisher. Überhaupt erfahren die Betroffenen oft einen massiven Verlust an Lebensqualität.

Anderthalb Jahre lang hat Jakob Ganslmeier sieben Bundeswehrsoldaten begleitet und fotografiert. Seine Arbeit hat er „Trigger“ genannt. Alle Porträtierten hatten einen Auslandseinsatz, alle leiden an einer PTBS. Sie suchen die Ruhe und scheuen große Menschenansammlungen, haben Albträume und Flashbacks. 

Holger Rossmeier, geboren 1971 in  Celle. Mit 22 Jahren zur Bundeswehr, Berufssoldat. Einsatz: Mitte 2009 - Anfang 2010 Kabul, Afghanistan. PTBS-Diagnose Juli 2010. Heute Hauptfeldwebel, stationiert in Münster, zuständig für Einsatzplanung von Hubschraubern.

2015 befanden sich 541 Soldaten der Bundeswehr wegen PTBS in Behandlung, 235 davon waren neu diagnostizierte Fälle. Damit ist die Gesamtzahl der an PTBS erkrankten Soldaten im Vergleich zu 2014 um rund ein Fünftel gestiegen.

PTBS tritt aber nicht nur bei Soldaten auf: Wie die Bundespsychotherapeutenkammer im September 2015 schätzt, leidet jeder zweite nach Deutschland eingereiste Flüchtling an einer Traumafolgestörung wie PTBS oder Depression. Anderen Schätzungen zufolge sind etwa zwei bis sieben von 100 Menschen einmal im Leben von PTBS betroffen. Wieder andere Quellen besagen, dass weltweit acht Prozent der von einem Trauma betroffenen Menschen im Laufe ihres Lebens eine PTBS entwickeln.

Auch wenn eine PTBS manchmal chronisch wird und in eine andauernde Persönlichkeitsänderung übergeht, ist sie in der Mehrzahl der Fälle heil- oder deutlich linderbar. Die Therapie gilt zwar als langwierig und kompliziert, kann den Erkrankten aber dabei helfen, das Trauma zu überwinden und zurück in ihr altes Leben zu finden. Es gibt Psychiater und Psychotherapeuten, sogenannte Psychotraumatologen, die sich auf die Behandlung von psychischen Traumata spezialisiert haben.

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N.N.(möchte anonym bleiben), geboren 1965 in Kunduz, Afghanistan. Mit 19 Jahren über ein Studienprogramm in die DDR. Mit 37 Jahren zur Bundeswehr, Zeitsoldat. Von 2004 bis 2011 insgesammt elf Einsätze in Afghanistan. PTBS- Diagnose 2013. Heute Hauptmann der Bundeswehr.

N.N. (möchte anonym bleiben), geboren 1987 in Gotha. Mit 23 Jahren zur Bundeswehr, Zeitsoldat. Einsatz: 2011 im Kosovo. PTBS- Diagnose Anfang 2013. Heute Stabsgefreiter, arbeitet bei der Bundeswehr als Bürokaufmann

Robert Sedlatzek-Müller, geboren 1977 in Rostock. Mit 20 Jahren zur Bundeswehr, Zeitsoldat. Einsätze 1999  Vorauskommando Kosovo; 2002 Vorauskommando Kabul, Afghanistan. PTBS-Diagnose Ende 2002. Weitere Einsätze: 2003 und 2005 Kabul, Afghanistan.  Heute Stabsunteroffizier, stationiert in Hamburg Ansprechpartner für geschädigte Soldaten und Leiter des Freizeitbüros. Ab November 2014 Berufssoldat.

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N.N.(möchte anonym bleiben), geboren 1981 in Landsberg. Mit 18 Jahren zur Bundeswehr, Zeitsoldatin. Einsätze: 2008 Kosovo; 2010 Kunduz, Afghanistan. PTBS-Diagnose November 2010. Heute Oberstabsärztin an einem Bundeswehrkrankenhaus.

Jonathan Göllner, geboren 1966 in Gau-Algesheim. Mit 25 Jahren Eintritt ins Kloster. Mit 38 Jahren Wechsel zur Miltärseelsorge. Einsätze: Ende 2006 - Anfang 2007 Masar-e Scharif, Afghanistan; 2009 Kunduz, Afghanistan. PTBS-Diagnose Anfang 2010.Heute Militärpfarrer in Koblenz.

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Soldaten auf dem Flug nach Afghanistan.