„In Berlin spricht man jetzt Arabisch“, sagt der Mann mit dem Rauschebart auf der Leinwand. „Ja!“, ruft einer im Publikum und es gibt Gejohle. Es ist ein Berliner Heimspiel an diesem Mittwochabend und die Stimmung im Zoopalast ist aufgekratzt, als die ersten beiden Folgen der sechsteiligen TV-Serie „4 Blocks“ Premiere feiern. Eine deutsche Mafiaserie, die auf überhaupt gar keinen Fall aussehen will wie ein öffentlich-rechtlicher 20.15-Uhr-Krimi, sondern härter, echter – richtig street-wise eben. Produziert wurde sie vom Pay-TV-Sender TNT.

Schauplatz ist Berlin-Neukölln, wo sich Mafiaclans um Drogen, Schutzgeld, Menschenhandel kümmern. Die libanesische Hamady-Familie wird durch die Festnahme eines wichtigen Mitglieds durcheinandergewirbelt und Tino, der sich eigentlich schon von der Straße zurückgezogen hatte und Familienvater sein will, muss die Geschäfte ordnen – auch, weil sein jüngerer Bruder Abbas dafür zu hitzköpfig ist.

„Wir lassen keine Deutschen bei uns rein.“

Wirkt die erste halbe Stunde von „4 Blocks“ noch etwas plump, mit Aggro-Rap, Kanak-Romantik, Koks und Nutten im Club, entfalten sich mit der Zeit immer mehr Konflikt- und Handlungsebenen: Tino Hamady hofft nach 26 Jahren Warten auf das Ende der befristeten Aufenthaltsgenehmigung, auf den deutschen Pass. Eine durchgeknallte Biker-Gang (den Anführer spielt Ronald Zehrfeld) macht dem Hamady-Clan die Geschäfte streitig. Mit Vince (Frederick Lau) kommt ein alter Freund von Tino zurück in die Stadt, ein Kleinkrimineller, dem Abbas nicht vertraut: „Wir lassen keine Deutschen bei uns rein.“

Dazu spitzt sich der Konflikt der beiden ungleichen Brüder immer mehr zu – es ist viel drin in „4 Blocks“, es macht Spaß, diese aufwändig produzierte Serie zu gucken. Und noch ein wenig mehr, wenn man in Berlin lebt, vielleicht sogar in Neukölln, dessen Wandlung vom Migranten- zum Hipsterviertel ebenfalls thematisiert wird.

Die Busse zur HipHop-Afterparty warten schon

Neben den genannten deutschen Filmstars setzte der österreichische Regisseur Marvin Kren auch auf Laiendarsteller, „für den – entschuldigt das Wort – Street-Swag“, wie er nach der Premiere sagt. Mit dabei sind unter anderem die Rapper Veysel und Massiv, die, auch wenn sie gar nicht wirklich aus Berlin stammen, bei der Premiere sehr gefeiert werden. In Berlin aufgewachsen ist hingegen der wahre Star des Abends und der Serie: Kida Khodr Ramadan, der die Loyalitäts-Zerrissenheit von Hauptfigur Tino Hamady mit traurigen Augen spielt. Er kriegt den dicksten Applaus und draußen vor der Tür stehen schon die Shuttlebusse bereit, für die Afterparty im HipHop-Club.

Foto: Turner Broadcasting System Europe Limited & Wiedemann & Berg Television GmbH & Co