fluter Glossar zur Bildung

Bildung - Allgemeinbildung - Ausbildung - Bildungsbürger - Bildungsgefälle - Bildungslücke - Bildungsurlaub - Bildungspolitik - Bildungsreform - Bildungsroman - Herzensbildung - Bildungsnotstand - Zweiter Bildungsweg


Bildung
Der Weg oder auch Prozess, in dem der Mensch seine geistig-seelische Gestalt gewinnt. Heute versteht man unter Bildung vor allem auch das Allgemeinwissen, über das ein Mensch verfügt.

Historisch beginnt die Beschäftigung des Menschen mit seiner geistigen Bildung bereits in der griechischen Antike. Nach Platon findet der Mensch seine wahre eigene Ordnung durch die Erkenntnis der wahren Ordnung, d.h. in der Harmonie der Welt. In diesem Sinne ist die Bildung nach Platon universal. Die Lehre, dass das wahre Wesen des Menschen (humanitas) sich in der Harmonie seiner Person manifestiert, geht auf Ciceros Werk "Über die Pflichten" zurück. Dies hat insbesondere in der deutschen Klassik Goethe und Schiller( Schiller: "Über die ästhetische Erziehung des Menschen") beeinflusst. Sie sahen Bildung von nun als Humanismus an. Goethe forderte aber neben einer harmonisch ausgestalteten Persönlichkeit auch eine berufliche Spezialisierung, weil dies die bürgerliche Gesellschaft verlange.

Ein weiterer wesentlicher Faktor der Bildung ist ein Erziehungsprogramm, das den Kanon der "freien Künste", also jener Wissenschaften und Fertigkeiten, durch die sich ein Mann der politischen Freiheit als würdig erweist, umfasst. Die Künste sind "frei" im Gegensatz zu den Spezialkenntnissen des Handwerkers. Der römische Gelehrte M.T. Varro hat diese Künste unter den Begriff der "artes liberales" gefasst, in deren Mittelpunkt die Rhetorik stand. Die neu aufsteigenden Naturwissenschaften und Technik fanden in diesem System keinen Platz. Es entstand der bis heute andauernde Bruch zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft und Technik, der in den Unterschied zwischen Allgemeinbildung und beruflicher Bildung mündet. Durch die Realität der bürgerlichen Klassengesellschaft wird Bildung ein Privileg der höheren Schichten und wird damit zum Qualifikationsmedium und zum sozialen Aufstiegsgarant. 1717 wird zumindest in Preußen die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Damit hat jeder Mensch ein Recht auf eine allgemeine Volksbildung.
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Allgemeinbildung
Mit Allgemeinbildung bezeichnet man heute vor allem das Wissen, das sich vorwiegend auf geisteswissenschaftliches Wissen bezieht.
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Ausbildung
Das Erlernen bestimmter Fähigkeiten und Fertigkeiten, die auf die Ausübung eines Berufes hinführen, also vorwiegend eine Aufgabe der beruflichen Bildung. Nach dem Berufsbildungsgesetz von 1969 muss eine berufliche Ausbildung, die auf einen staatlich anerkannten Beruf hinführt, folgende Punkte umfassen: 1. die Bezeichnung des Ausbildungsberufes , 2. die Ausbildungsdauer, 3. Fertigkeiten und Kenntnisse, 4. Ausbildungsrahmenplan, 5. Prüfungsanforderungen.
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Bildungsbürger
Heute eher negativ besetzter Begriff, der Kulturgenießer mein, die sich häufig bei kulturellen Veranstaltungen einfinden, ohne wirklich viel von Kunst, Musik oder Literatur verstehen. Bildungsbürger sehen ihre Anwesenheit eher als soziales Muss an.
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Bildungsgefälle
An der Schulbildung gemessene Unterschiede im Bildungsstand der verschiedenen Bevölkerungsschichten. Die Gründe liegen in den traditionellen Vorstellungen, was für eine bestimmte Gruppe an Schulbildung nötig sei, neben den sozialen und umweltbedingten Faktoren.
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Bildungslücke
Als Bildungslücke bezeichnet man das Fehlen von elementaren Kenntnissen in einem bestimmten, allgemein anerkannten Bereich. So wäre es beispielsweise eine Bildungslücke, nicht zu wissen, dass Deutschland einmal in zwei politisch unterschiedliche Staaten geteilt war.
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Bildungsurlaub
Neben dem rechtlichen Jahresurlaub, in dem sich eher erholt wird, ein der Weiterbildung dienender Urlaub. Bildungsurlaub kann zum einen auf die politische Weiterbildung oder auch der beruflichen und allgemeinen Weiterbildung ausgerichtet sein. Beispielsweise kann der Besuch eines Sprachintensivkurses unter Bildungsurlaub laufen. Der Bildungsurlaub ist bundeseinheitlich bisher nur für Betriebsratsmitglieder geregelt. Daneben besteht in den Bundesländern Berlin, Hamburg, Hessen und Niedersachsen ein einheitlicher Anspruch aller Arbeitnehmer auf bezahlten Bildungsurlaub.
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Bildungspolitik
Ein Teil der staatlichen Kultur-, Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik. Die Bildungspolitik richtet ihr Interesse auf die Erhaltung und Weiterentwicklung des Bildungswesens, v.a. durch Gesetzgebung, Verwaltung und Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel. Besonders nach der PISA-Studie ist die deutsche Bildungspolitik stark gefragt, um neue Konzepte vorzulegen und die nötigen Gelder zur Verfügung zu stellen, um die geforderten Neuerungen durchzusetzen.
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Bildungsreform
In den 60er Jahren war eine Reform des bis dato bestehenden Bildungssystem notwendig. Dahinter stand die Erkenntnis, dass eine Reform von Bildungszielen an eine Reform der Bildungsprozesse gebunden ist. Zu den wesentlichen Neuerungen der Bildungsreform gehören: die Verlängerung der Vollzeitschulpflicht von 9 auf 10 Jahre, die Einführung der Orientierungsstufe für die Klassen 5 und 6. Ebenfalls wurde die Einführung der Gesamtschule und die Reform der gymnasialen Oberstufe beschlossen. Hier wurden erstmals Leistungs- und Grundkurse eingeführt.
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Im Zuge der Bildungsreform wurden auch Ideen zum fächerübergreifenden Unterricht entwickelt. Heute werden im Zuge des PISA-Ergebnisses wieder Stimmen laut, die eine erneute grundlegende Bildungsreform fordern.
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Bildungsroman
Bezeichnung für einen in der Klassik entstandenen Romantypus, in dem die innere Entwicklung oder auch Bildung eines Menschen erzählt wird. Als typische Bildungsromane gelten unter anderem: "Wilhelm Meister" (Johann Wolfgang von Goethe), "Heinrich von Ofterdingen" (Novalis), Hyperion (Friedrich Hölderlin), "Der grüne Heinrich" (Gottfried Keller) oder auch "Das Glasperlenspiel" (Hermann Hesse)
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Herzensbildung
Die deutsche Sprache hat zahlreiche Wörter und Verbindungen mit "Herz". So kann man jemanden "herzlich begrüßen", oder jemandem "von Herzen" etwas Gutes wünschen. Auch macht man manchmal eine Sache "halbherzig". Allen Verknüpfungen gemeinsam ist das tiefe, innere Empfinden.

Auch der Begriff der "Herzensbildung" weist das Wort Herz auf. Doch meint man allgemein mit Herzensbildung nichts anderes als Sozialkompetenz. Herzensbildung meint das Erlernen und Kennenlernen der innerste Kräfte, die man einsetzt, um das soziale und menschliche Miteinander angenehm zu regeln. Dabei kommt es auch darauf an, beispielsweise hilfsbereit oder uneigennützig zu handeln. Je mehr diese Kräfte unser Denken und Handeln durchdingen, umso mehr kann man von Herzensbildung sprechen. Die Fundamente dazu werden durch Erziehung in der Kindheit erlernt.
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Bildungsnotstand
Schlagwort ab Mitte der 60er Jahre zur Signalisierung einer Krise im deutschen Bildungswesen der Bundesrepublik Deutschland. Es schien die Ausbildung für Wirtschaft und Schulwesen nicht mehr gewährleistet. Im Vordergrund standen die Bemühungen, zunächst die Abiturientenzahlen zu erhöhen. Dazu kamen der Auf-und Ausbau weiterer Bildungsmöglichkeiten, wie z.B. die Einführung des zweiten Bildungsweges. Ebenso wurde eine wirkungsvollere Studienförderung und die Schaffung neuer Studienplätze eingerichtet.

Bereits Mitte der 70er Jahre änderte sich die Situation wieder völlig, denn nun gab es genügend Abiturienten und Studienplätze. In den 80er Jahren gab es eine regelrechte Abiturientenschwemme, die nicht mehr alle einen Studienplatz wahrnehmen konnten. Es wurde für besonders beliebte Studienfächer der Nummerus clausus eingerichtet. Zudem drängten zunehmend Abiturienten in Ausbildungsberufe, die bis dato das Abitur nicht zwingend als Abschluss erforderten.
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Zweiter Bildungsweg
Bildungseinrichtung, in denen Berufstätige, Bildungsabschlüsse bis zum Abitur nachholen können. Der Unterricht erfolgt entweder zusätzlich zur Berufstätigkeit auf Abendschulen oder auch auf Tagesschulen. Voraussetzung zum Besuch einer der Einrichtungen ist der Haupt- und Berufsabschluss. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat auf dem zweiten Bildungsweg Abitur gemacht und anschließend studiert.
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(zusammengestellt von Antje Wingender)