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Rache auf der Collegejacke

Footballspieler, Cheerleader, Nerds: „Knives and Skin“ ist ein düsterer feministischer Highschool-Thriller mit überraschenden Wendungen

Titelbild Knives and Skin

Worum geht’s?

„Knives and Skin“ ist ein Highschool-Thriller, der in einer Kleinstadt in Kentucky spielt. Der Film beginnt mit Carolyn. Die junge Frau fährt mit einem Mitschüler an einen See, er bedrängt sie, und sie wehrt sich – am nächsten Morgen ist Carolyn verschwunden. Der Film zeigt nun, welche Wirkung dieses Verschwinden auf Carolyns Umgebung hat, und rückt die Leben ihrer Mitschülerinnen Joanna, Charlotte und Laurel in den Mittelpunkt: Joanna kümmert sich um ihre depressive Mutter und wird von ihrem neuen Lehrer sexuell belästigt. Charlotte ist Sängerin und Gitarristin der Frauen-Rockband Brides of Blackness und nicht sicher, was sie vom Verliebtsein halten soll. Laurels Eltern können sich nicht mehr leiden. Ihr Freund ist Footballspieler, ein Arschloch, und nach der Schule knutscht die Cheerleaderin viel lieber mit Colleen rum.

Wie wird’s erzählt?

Erst mal denkt man an die 90er-Jahre-Serie „Twin Peaks“. Regisseurin Jennifer Reeder arbeitet in ihrem Film mit sphärischer Musik, Film-noir-Elementen, Horrorfilm-Einflüssen und absurden Szenen, in denen T-Shirts zu sprechen beginnen. Dabei taucht sie ihre Darstellerinnen immerzu in pinkfarbenes und grünes Licht. Sofort ist klar: Das hier ist kein typischer Highschool-Film. 

Was soll uns das zeigen?

„Knives and Skin“ zeigt zwar die bekannten Cliquenkonstellationen: die Footballspieler, die Cheerleader, die aus der Schulband und die Nerds. Doch statt eine platte Liebesgeschichte zu zeigen, macht die Regisseurin wichtige feministische Statements zu sexueller Selbstbestimmung, „Nein heißt Nein“ und Diversity. Sie lässt ihre Protagonistinnen langsam erstarken, sich solidarisieren und handeln – in einer Welt, in der ihnen selbstbezogene Eltern keinen Halt bieten und viele Männer immer noch Macht demonstrieren wollen.

Good Job

Wie der Film durch Musik eine emotionale Verbindung zwischen den einzelnen Protagonistinnen herstellt, die sich in der Schule eher aus dem Weg gehen. In mehreren Szenen singen Joanna, Charlotte, Laurel und Colleen im Schulchor zusammen alte Popsongs. Auch Carolyns Mutter ist da, sie leitet den Chor. Durch die Songtexte wird deutlich, welche Sorgen und Wünsche die Anwesenden teilen.

Beste Szene

Laurel überreicht ihrem Freund, von dem sie sich gerade getrennt hat, seine Footballjacke, die er unbedingt zurückhaben will. Sie lächelt. Er zieht sie an, geht weg, und auf seinem Rücken ist in großen, glitzernden Lettern zu lesen: „I treat girls like shit“. So viel sei verraten: Damit rächt sie nicht nur sich selbst.

Schwierig

Manchmal wirken die Dialoge und einige Szenen etwas aufgesetzt, was, in der Tradition von „Twin Peaks“, aber wohl Absicht ist. Das ist nicht unbedingt schlecht, aber darauf muss man sich einlassen.

Ideal für …

… alle, die sich im letzten Jahr über weitere Highschool-Filme mit feministischer Message und tollen weiblichen Hauptcharakteren gefreut haben. Darunter zum Beispiel „Sierra Burgess is a Loser“ oder „To all the boys I’ve loved before“.

Titelbild: Newcity Chicago Film Project

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

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