Wenn sie beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gewusst hätten, welch ikonografische Bedeutung einmal das Kaffeeservice bekommen würde, das der Dachverband jeder Fußballerin als Prämie für den Gewinn der Europameisterschaft 1989 überreichte, vielleicht hätten sie doch lieber ein paar hundert D-Mark in kleine Prämienbriefumschläge gesteckt. Das Porzellan lässt sich heute im Deutschen Fußballmuseum begutachten, sein Symbolwert bleibt: Frauenfußball – ein Kaffeekränzchen. Oder irgendetwas anderes Abseitiges, nur kein echter Sport, denn echter Sport ist das, was Männer machen.

Seit jenem Titelgewinn haben deutsche Fußballerinnen weitere sieben Europa- und zwei Weltmeisterschaften (WM) gewonnen. Längst bekommen sie dafür Geld. Und nicht mal wenig – außer man setzt es ins Verhältnis zu den Prämien der Männer. Für den WM-Titel 2014 in Brasilien erhielt jeder Spieler vom DFB 300.000 Euro. Wären die Frauen ein Jahr später in Kanada Weltmeisterinnen geworden, hätte jede Spielerin nur 65.000 Euro erhalten.

Diese Diskrepanzen gibt es in allen nationalen Fußballverbänden, nur in einem künftig nicht mehr: Im norwegischen Verband NFF werden die Frauen zukünftig in gleicher Höhe entlohnt, da das Männerteam den Kolleginnen entgegenkommt und ein paar hunderttausend Kronen an sie abtritt, die dem Nationalteam durch Werbeaktivitäten zur Verfügung stehen. Ein Akt, der den Verband zwar ein paar hunderttausend Euro kostet, imagetechnisch aber ein Gewinn ist. Zumal Norwegens Frauenfußball, wenngleich gerade in der Krise, traditionell zur Weltelite gehört. Die Männer sind eher erfolglos. Aber sie sind Männer, und das reichte offensichtlich bisher, um sie zu bevorzugen.

Der DFB bekam für den Titelgewinn der Männer 2014 das 17,5-Fache der Frauenprämie von der FIFA

Auch in den USA wird der viel erfolgreichere Frauenfußball viel schlechter entlohnt. Nachdem sie 2015 zum dritten Mal seit 1991 Weltmeisterinnen geworden waren, beschwerten sich einige Nationalspielerinnen. Torhüterin Hope Solo, eine der Wortführerinnen, sagte: „Wir sind das beste Team der Welt. Und doch bekommen die Männer allein für das Auflaufen bei einem Spiel mehr Geld als wir, wenn wir eine Meisterschaft gewinnen.“

Jeder nationale Verband kann an dieser Stelle die Verantwortung bequem auf den Weltverband abwälzen, der die WM-Prämien ausschüttet. Die FIFA überwies dem amerikanischen Verband USSF 2014 für die Männer neun Millionen Dollar, ein Jahr später für die Frauen zwei Millionen. Die Männer waren im WM-Achtelfinale ausgeschieden, die Frauen hatten ihr Turnier gewonnen. Und noch ein Vergleich: Der DFB bekam für den Titelgewinn der Männer 2014 mit 35 Millionen Dollar das 17,5-Fache der Frauenprämie.

Hope Solo, inzwischen 36 Jahre alt, will die Sache nun wenigstens im nationalen Verband von oben angehen, sie hat ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen der USSF im Februar angekündigt.

Karin Petzold (stehend, Wörrstadt) zieht Regine Keller (Neuenahr) im Zweikampf an den Haaren (Foto: ullstein bild - AP)
An den Haaren herbeigezogen, dass Profifußballerinnen genauso gut bezahlt werden sollten wie ihre männlichen Kollegen? Nö. Schließlich wird der Frauenfußball immer populärer. Das war zu Zeiten, als dieses Bild aufgenommen wurde, noch ganz anders (Foto: ullstein bild - AP)
 

Frauen, heißt es oft, bieten nicht so attraktiven Sport. Männerfußball sei technisch, taktisch und athletisch anspruchsvoller, also auch populärer. Letzteres stimmt. Und hat Gründe jenseits der unterschiedlichen Physis. Männer spielen seit rund 100 Jahren überall auf der Welt Fußball zum Vergnügen der Massen; Frauenfußball war in den meisten Ländern dagegen nur eine kurze Episode im öffentlichen Bewusstsein. Während des Ersten Weltkriegs füllten englische Frauenmannschaften die Stadien, 1921 wurde ihnen dann das Fußballspiel verboten – offiziell galt es als zu rau. Das Gründen von Frauenmannschaften oder die Benutzung der Stadien von diesen war in einigen Ländern zeitweise sogar offiziell verboten, in Westdeutschland von 1955 bis 1970.

Den Vorsprung „der“ Männer an wirkmächtiger Tradition, Mythen und Macht haben die Frauen bis jetzt nicht aufgeholt. Entweder galt das Spiel lange als „harter Sport für Männer“ wie beispielsweise in Westeuropa oder als „weich“ und „für Frauen“ geeignet, aber damit auch für die – häufig männerdominierte – Öffentlichkeit uninteressant, wie in den USA. Dort fristet Männerfußball bis heute ein Schattendasein hinter Eishockey oder Basketball.

Die dänischen Vize-Europameisterinnen haben gestreikt und damit sogar ihre WM-Qualifikation gefährdet – jetzt bekommen sie 60 Prozent mehr

Wenn aber die wichtigen Entscheidungen auch im Fußball nur von Männern getroffen werden, hat das der Sache der Frauen noch selten gutgetan. Aufsehen erregte in diesem Herbst der Streik der dänischen Vize-Europameisterinnen, die mehr Geld forderten und dafür sogar die WM-Qualifikation riskierten. Verband und Spielerinnen einigten sich im November, unter anderem auf die Erhöhung der Prämien um 60 Prozent.

Oft wird argumentiert, dass beim Männerfußball mehr Menschen zusehen und es mehr Sponsorengeld gibt – was sich gegenseitig befruchte. Laut „Wall Street Journal“ beliefen sich die Sponsoring-Einnahmen der Frauen-WM 2015 auf 17 Millionen Dollar, die des Männerturniers ein Jahr zuvor auf 529 Millionen Dollar. Gleichwohl ist das Monetäre ein verkürztes Argument, zumal wenn man konkrete Zuschauerzahlen betrachtet. Ein markantes Beispiel ist die WM 2011 in Deutschland. Mehr als 16 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten, wie die DFB-Elf der Frauen im Viertelfinale ausschied. Zum Vergleich: Bei der Männer-WM 2014 sahen 26 Millionen das Viertelfinale Deutschland gegen Frankreich. Das WM-Finale 2011 zwischen den Frauen der USA und Japan hatte in Deutschland immer noch mehr als 15 Millionen Fernsehzuschauer. Das muss etwas mit Interesse am Sport selbst zu tun gehabt haben, Patriotismus konnte ja kaum mehr im Spiel sein.

Im Tennis hat sich der Gender Pay Gap in den vergangenen Jahren fast geschlossen, zumindest bei den Eliteveranstaltungen

Anders als im Fußball hat sich der Gender Pay Gap im Tennis bei den Eliteveranstaltungen in den vergangenen Jahren fast geschlossen. Tennis ist ein individueller Sport, der weniger zur kollektiven, gar nationalen Identifikation taugt als der Mannschaftssport Fußball. In Wimbledon gibt es das Männerturnier seit 1877, schon sieben Jahre später kam das Frauenturnier hinzu. Und: Die Tennisspielerinnen sind seit 1973 in einem eigenen Verband, der Women’s Tennis Association (WTA), organisiert. Sie sind nicht Anhängsel eines Männerbundes, der sich angelegentlich herablässt, ihnen die Prämien zu erhöhen. Durch den Druck der WTA wurden bei den US Open die Siegprämien der Frauen 1973 denen der Männer gleichgestellt, Anfang dieses Jahrhunderts zogen French und Australien Open nach, als letztes Grand-Slam-Turnier folgte 2007 Wimbledon. Dennoch: Abseits der Grand-Slam-Turniere liegen die Siegprämien im Tennis bei den Frauen immer noch unter denen der Männer.

Es ist mit Serena Williams eine Tennisspielerin, die auf der jährlich vom Magazin „Forbes“ erstellten Liste der bestverdienenden Sportler die am höchsten positionierte Frau ist. Allerdings: auf Rang 51.

Und als einzige Frau in den Top 100.

Titelbild: picture alliance/Perenyi