Fluter führte ein E-Mail-Interview mit Dr. Jürgen Barnstedt von der Abteilung Astronomie an der Uni Tübingen der die Zukunft ganz nüchtern sieht.
Herr Barnstedt, wie sieht der Tagesablauf eines Astronomen aus? Was machen Sie den ganzen Tag?
An der Universität sieht der Tagesablauf eines Astronomen so aus wie in den anderen Fächern auch: Verwaltungsarbeit, Vorlesungen sowie Seminare abhalten, Studenten betreuen und Daten am Computer auswerten. Das sind bei uns die Daten von Groß-Teleskopen oder von Satelliten. Dann gehört natürlich das Recherchieren in Fachpublikationen, die heute meist im Internet zur Verfügung stehen, und das Schreiben eigener Fachartikel zur Arbeit. Häufig trifft man sich auch noch regelmäßig mit seinen internationalen Kollegen in Arbeitsgruppen für die Satellitenprojekte und nimmt ein oder zwei mal im Jahr an wissenschaftlichen Tagungen teil.
Weshalb sind Sie Astronom geworden?
Ich selbst habe mich schon als Schüler für Astronomie interessiert. An der Universität bin ich aber eher durch Zufall bei der Astronomie gelandet, weil mir dort eine interessante Diplomarbeit angeboten wurde: die Entwicklung eines Detektors für Ultraviolett-Strahlung. Mit diesem Thema habe ich mich dann auch in meiner Doktorarbeit beschäftigt. Später ergab sich die Möglichkeit, diesen Detektor in einem Satellitenprojekt einzusetzen (ORFEUS), womit dann auch erfolgreiche Messungen im Weltall durchgeführt wurden.
Wie wird man eigentlich Astronom oder Astronomin?
Voraussetzung ist ein Physik-Studium. An der Eberhard-Karls-Universität Tübingen aber auch an den meisten anderen Universitäten ist das Institut für Astronomie und Astrophysik eines von mehreren Instituten der Fakultät für Physik. Physikstudenten können an unserem Institut ihre Diplom- und Doktorarbeit oder auch die Zulassungsarbeit für das Lehramt schreiben. Sie bekommen dann einen Abschluß in Physik.
Welche Berufschancen gibt es?
Für Astronomen gibt es nur eine sehr begrenzte Anzahl von Stellen an Universitäten, Max-Planck-Instituten und wenigen anderen astronomischen Einrichtungen. Man muss herausragende Leistungen bringen und sich häufig auch international um Stellen bemühen. Für die Physikstudenten, die an unserem Institut ihre Abschlussarbeit schreiben, sind die Berufsaussichten als Physiker jedoch sehr gut, weil sie meist Erfahrung in internationalen Weltraumprojekten mitbringen. Und wegen der guten Computerkenntnisse sind sie vor allem auch in der Software-Branche gefragt.
Die Zukunft steht in den Sternen geschrieben, heißt es. Können Astronomen die Zukunft voraussagen?
Astronomen können durchaus die Zukunft vorhersagen, z.B. wie sich die Sonne in den nächsten Milliarden Jahren weiterentwickelt und wann die nächsten Sonnen- und Mondfinsternisse stattfinden. Sie können natürlich keine nicht-astronomischen Ereignisse wie das Schicksal von Menschen vorhersagen. Mit diesem Thema beschäftigt sich die Astrologie, die sich zur Berechnung von Planetenpositionen zwar der Astronomie bedient, sonst aber nichts mit Astronomie zu tun hat. Häufig werden Astronomie und Astrologie verwechselt. Es ist aber festzuhalten, dass Astronomie eine Wissenschaft ist, die sich auf nachprüfbare Fakten stützt, während die Astrologie als Aberglaube anzusehen ist, auch wenn sich in früheren Zeiten berühmte Astronomen wie Kepler mit Astrologie befassten, um ihr Gehalt aufzubessern. Früher konnten eben nur die Astronomen die zur Erstellung eines Horoskops benötigten Berechnungen durchführen, während es heute dafür Computerprogramme gibt, die jeder kaufen kann.
Es gibt viele Probleme auf der Erde. Wie wichtig ist da Weltraumforschung?
Weltraumforschung ist im wesentlichen Grundlagenforschung und als solche Teil unserer Kultur. Für die Grundlagenforschung kann und darf man keine Kosten-Nutzen-Rechnung anstellen, sowenig wie für Kultur überhaupt. Die Frage ist, wieviel Kultur sich eine Gesellschaft leisten will und kann.
Es gibt ja viele Science-Fiction-Romane, die von Kometen, welche die Erde zerstören, oder von anderen Lebewesen, die auf die Erde kommen, erzählen. Ist die Erde aus dem Weltraum gefährdet?
Dass größere und kleinere Himmelsköper auf Planeten treffen, sieht man sehr gut am Mond, der von Einschlagkratern übersäht ist. Auch auf der Erde findet man solche Einschlagkrater, d.h. dass eine solche Gefahr prinzipiell besteht. Das Aussterben der Dinosaurier wird mit dem Einschlag eines Asteroiden in Verbindung gebracht. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass so etwas in den nächsten paar Tausend Jahren passiert, ist jedoch sehr, sehr gering. Es gibt sogar ein Beobachtungsprogramm, das versucht Himmelskörper, die der Erde eines Tages gefährlich werden könnten, zu entdecken und zu verfolgen.
Und was ist mit Außerirdischen?
Was die außerirdischen Lebewesen betrifft, so ist eine Begegnung oder gar Gefahr so gut wie ausgeschlossen. Es ist sehr umstritten, ob es überhaupt andere intelligente Lebewesen im Weltall gibt. Ich halte es für durchaus wahrscheinlich, wenn man sich die große Zahl von Galaxien und die noch größere Zahl von Sternen in den Galaxien vor Augen hält. Relativ unwahrscheinlich ist es jedoch, dass wir von intelligentem Leben bewohnte Planeten in absehbarer Zeit entdecken. Und noch wesentlich unwahrscheinlicher ist es, dass wir dann mit diesen Lebewesen in Funk-Kontakt treten, allein schon weil die Funksignale tausende von Jahren allein in unserer Milchstraße unterwegs wären (Milliarden von Jahren zu entfernten Galaxien). Und praktisch ausgeschlossen ist, dass wir Besuch von solchen intelligenten Lebewesen bekommen, weil die Reisedauer die Lebensdauer um ein Vielfaches übersteigen würde.
Wird die Raumfahrt irgendwann wirtschaftlich effektiv sein?
Das ist sie im Bereich der kommerziellen Satelliten bereits. Ob das
auch irgendwann für die bemannte Raumfahrt zutreffen wird, weiß ich nicht.
Wird es Weltraumtourismus geben?
Der erste Tourist war ja bereits auf der Mir. Ich denke, wenn die internationale Raumstation weit genug ausgebaut und im Routinebetrieb ist, wird auch zahlungskräftigen Touristen die Möglichkeit geboten werden, dort ein paar Tage zu verbringen. Bis sich das aber im großen Stil durchsetzt, müssen zunächst einmal kostengünstigere Transportmöglichkeiten geschaffen werden, vorzugsweise mit Transportern, die wie Flugzeuge starten und landen können (das Spaceshuttle landet nur wie ein Flugzeug, es startet als Rakete).
Die letzte Frage, was verdient denn ein Astronom?
Der Verdienst an Universitäten richtet sich nach dem Bundes-Angestellten-Tarif (BAT) bzw. nach der Beamtenbesoldung. Als Doktorand erhält man in der Regel eine halbe BAT IIa Stelle, als Wissenschaftlicher Angestellter z.B. eine BAT Ib Stelle. Professoren sind in der Regel verbeamtet. Der genaue Verdienst richtet sich nach Familienstand, Zahl der Kinder, Wohnort und Alter. Der Verdienst ist in der Regel deutlich niedriger als auf vergleichbaren Positionen in der freien Wirtschaft.
Dr. Jürgen Barnstedt ist eigentlich gar kein typischer Astronom, weil er hauptsächlich in der Detektor-Entwicklung arbeitet, also als anwendungsorientierter Physiker. Die beobachtenden Astronomen fahren gelegentlich zu den großen Teleskopen nach Spanien, Chile oder in andere Länder.
Beim Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen gibt es übrigens eine CD-ROM, die ihr bestellen könnt. Auf der findet ihr alle Infos rund ums Studium und den Beruf.
www.arbeitsamt.de Berufskundliche Kurzbeschreibung des Arbeitsamtes
www.astronews.com Der deutsche Online-Dienst für Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt
http://astro.uni-tübingen.de Hier kann man die CD-ROM mit den Informationen für Abiturienten/-innen bestellen