Fußball ist endgültig im Popjournalismus angekommen - zahlreiche Querverweise in den Feuilletons und nicht zuletzt das popkulturelle Fußballmagazin "11 Freunde" machen das deutlich. Für den Schriftsteller Klaus Theweleit ("Männerphantasien", "Buch der Könige"), selber Fußballfan, ist das "erweiterte Fußballberichterstattung". Theweleit hat gerade ein persönliches Buch über den Ballsport veröffentlicht. Am Anfang von "Tor zur Welt" stehen Erinnerungen an das Kicken mit Blechbüchsen und andere fußballverbundene Kindheitserinnerungen. Vereinsnamen wie "Alemania Aachen" geben Rätsel auf, funktionieren aber vor allem als geografische Orientierungssysteme, meistens jedenfalls: "Die 'Stadt Schalke' konnte ich nicht finden."
Fußball als "politisches Asyl"
Die breit gestreute Fußballkonjunktur der letzten Jahre ist aber nicht nur popkulturell begründet. Auch der Verlust der Utopien, den das Ende des Ostblocks mit sich brachte, nennt Theweleit als möglichen Impetus. Dazu passt, findet der Autor, das erste humorvolle Foto der deutschen Fußballnachkriegsgeschichte: Gerd Müller und Paul Breitner rauchen bei der WM 1974 Zigarren wie die Helden der kubanischen Revolution, Fidel Castro und Che Guevara. Fußball und Politik: Auch wenn der junge Theweleit seine liebste Freizeitbeschäftigung als "politisches Asyl" bezeichnet, weil er sich dadurch vom Mittagstisch und damit vom autoritären Vater fernhalten kann.
Klaus Theweleit: Tor zur Welt
(Kiepenheuer & Witsch 2004, ca. 9 €)
Weitere Bücher von Klaus Theweleit (Auswahl)
Der Knall (Stroemfeld / Roter Stern 2002, 24 €)
Pocaohontas (Stroemfeld / Roter Stern 1999, 4 Bände, pro Band ca. 24 €)
Das Land, das Ausland heißt (dtv 1995, gebraucht bei www.zvab.de)
Buch der Könige (Stroemfeld / Roter Stern 1990, 4 Bände, pro Band ca. 20 €)
Männerphantasien 1 2 (Piper 2000, ca. 23 €)
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