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Mit Schuheputzen, Straßenmusik oder dem Waschen von Autoscheiben verdienen die deutschen Kinder und Jugendlichen als "Straßenkinder auf Zeit" etwas Geld, das in Straßenkinderprojekte in der so genannten Dritten Welt fließt. Mit den symbolhaften Tätigkeiten sollen Passanten/innen auf die vielen Straßenkinder weltweit, denen ihre Rechte vorenthalten werden, aufmerksam gemacht werden.
Gerade mal fünf Grad zeigt das Thermometer an. Schon seit Stunden regnet es Bindfäden und es wird wohl so weitergehen. Für Anna-Maria und ihre Freundinnen ist das kein Grund, die Aktion ausfallen zu lassen – schließlich müssen sich Straßenkinder auch bei jedem Wetter über die Runden helfen. An ihrem Stand in der Osnabrücker Fußgängerzone verkaufen die Mädchen selbst gebackene Kekse und Freundschaftsbänder. Gerade die Freundschaftsbänder erfreuen sich bei den Passanten/innen großer Beliebtheit. Die bunten geknüpften Freundschaftssymbole haben einen weiten Weg hinter sich: Straßenkinder in Lateinamerika haben sie extra für den Aktionstag 2006 geknüpft.
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"Eine Chance für Straßenkinder" steht auf den Flyern, die die 16-jährige Julia in der Fußgängerzone verteilt. Zwei Kinder, die sich in einer Straßenecke zum Schlafen hingelegt haben, sind darauf zu sehen. Julia freut sich, persönlich helfen zu können, indem sie sich aktiv für die Rechte von Straßenkindern einsetzt. Während sie die Flyer an die Leute in der Straße verteilt und ihnen anbietet, ihnen mehr dazu zu erzählen, hören einige ihr zu und viele Menschen werfen etwas Geld in die Spendenbox. Aber Julia erlebt auch Enttäuschungen. "Viele Menschen gehen einfach kopfschüttelnd weiter, sagen, sie hätten kein Interesse oder keine Zeit, obwohl sie doch gar nicht wissen, worum es geht", sagt Julia verärgert. "Sie lassen mich noch nicht einmal erklären, warum ich hier bin." Dieses Verhalten kann Edith Buhnenstädt nicht verstehen. Die Seniorin findet es toll, wenn sich junge Menschen für solche Aktionen einsetzen. "Auch wenn ich als Witwe nicht viel spenden kann", sagt sie, "tue ich es gerne."
Anna-Maria hat am Aktionstag viele verschiedene Reaktionen von Passanten erlebt. "Nun kann ich mir ein wenig vorstellen, wie sich Straßenkinder tagtäglich fühlen", sagt sie. Genauso wie viele Passanten in der Fußgängerzone nichts von der Straßenkindaktion wissen wollten, würde es bestimmt auch viele Menschen geben, die den Straßenkindern nichts geben möchten, wenn sie zum Beispiel anbieten, ihre Schuhe zu putzen. Nur sei es für die Straßenkinder wesentlich schlimmer, in diesen Fällen nicht beachtet zu werden. "Schließlich versuchen sie durch diese Tätigkeiten zu überleben", sagt die Schülerin.
Das Thema "Kinderarbeit" und "Straßenkinder" lässt Anna-Maria schon seit drei Jahren nicht mehr los. "In der siebten Klasse habe ich zu den Themen mal Infostände für die Schule gestaltet", erzählt sie. Dabei habe sie viel über das Thema gelesen und noch heute besucht sie regelmäßig die Internetseite von terre des hommes – dadurch wurde sie auf die Straßenkindaktion aufmerksam. Für sie war sofort klar, dass sie dabei mitmachen wollte. Und sie und ihre Freundinnen würden es wieder tun. Auch wenn es ein kalter, nasser Tag war. Echte Straßenkinder können sich ihr Wetter schließlich auch nicht aussuchen.
Stefanie Hiekmann, 16 Jahre, kommt aus Wallenhorst und geht in die 11. Klasse. Ihre Hobbies sind Recherchieren und Schreiben, ihr Berufsziel: Redakteurin.
Fotos: Autorin
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