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Straßenkind für einen Tag

Deutschlandweite Aktion zum Tag der Kinderrechte

25.11.2006 | Stefanie Hiekmann | Kommentar schreiben | Artikel drucken
"Leider konnten wir uns das Wetter nicht aussuchen, aber das können die Straßenkinder ja auch nicht", sagt Anna-Maria, während sie einer Passantin im Regen die Schuhe putzt. Zusammen mit einigen Klassenkameradinnen ist die 16-Jährige dem bundesweiten Aufruf der Hilfsorganisation terre des hommes gefolgt, für einen Tag in die Haut eines Straßenkindes zu schlüpfen.

Auf der ganzen Welt kämpfen täglich Millionen von Kindern auf der Straße um ihr Überleben. Sie sammeln Müll oder sie verkaufen Süßigkeiten, Zeitungen, Freundschaftsbänder. Aber auch sie haben das Recht auf ein Dach über dem Kopf, auf gesunde Ernährung und Zugang zu Bildung. Außerdem haben sie das Recht, ihre Meinung frei zu äußern und in ihren Angelegenheiten mitzureden. So steht es in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, die am 20. November 1989 verabschiedet wurde. Deshalb erinnert terre des hommes schon seit mehreren Jahren am 20. November an die weltweit geltenden Kinderrechte.

Freundschaftsbänder aus Lateinamerika


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Mit Schuheputzen, Straßenmusik oder dem Waschen von Autoscheiben verdienen die deutschen Kinder und Jugendlichen als "Straßenkinder auf Zeit" etwas Geld, das in Straßenkinderprojekte in der so genannten Dritten Welt fließt. Mit den symbolhaften Tätigkeiten sollen Passanten/innen auf die vielen Straßenkinder weltweit, denen ihre Rechte vorenthalten werden, aufmerksam gemacht werden.

Gerade mal fünf Grad zeigt das Thermometer an. Schon seit Stunden regnet es Bindfäden und es wird wohl so weitergehen. Für Anna-Maria und ihre Freundinnen ist das kein Grund, die Aktion ausfallen zu lassen – schließlich müssen sich Straßenkinder auch bei jedem Wetter über die Runden helfen. An ihrem Stand in der Osnabrücker Fußgängerzone verkaufen die Mädchen selbst gebackene Kekse und Freundschaftsbänder. Gerade die Freundschaftsbänder erfreuen sich bei den Passanten/innen großer Beliebtheit. Die bunten geknüpften Freundschaftssymbole haben einen weiten Weg hinter sich: Straßenkinder in Lateinamerika haben sie extra für den Aktionstag 2006 geknüpft.

Gegen eine selbst gewählte Spende kann man sich auch bei den deutschen "Straßenkindern" die Schuhe putzen lassen. Linda Rose, eine junge Mutter aus Osnabrück, nimmt das Angebot gerne an. "Ich war selbst schon in Afrika und Indien und weiß, wie schlecht es den Kindern dort geht", erzählt die 27-Jährige. Daher spende sie auch für die Partnerprojekte von terre des hommes. "Wenn man die Situation dort einmal gesehen hat, muss man einfach spenden", sagt Linda, "viele Menschen müssen aus dem Wohlstand wachgerüttelt werden." Sie findet es toll, dass sich die Jugendlichen in ihrer Freizeit für die Rechte der Straßenkinder einsetzen und über deren Situation informieren.

Arbeiten, um zu überleben


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"Eine Chance für Straßenkinder" steht auf den Flyern, die die 16-jährige Julia in der Fußgängerzone verteilt. Zwei Kinder, die sich in einer Straßenecke zum Schlafen hingelegt haben, sind darauf zu sehen. Julia freut sich, persönlich helfen zu können, indem sie sich aktiv für die Rechte von Straßenkindern einsetzt. Während sie die Flyer an die Leute in der Straße verteilt und ihnen anbietet, ihnen mehr dazu zu erzählen, hören einige ihr zu und viele Menschen werfen etwas Geld in die Spendenbox. Aber Julia erlebt auch Enttäuschungen. "Viele Menschen gehen einfach kopfschüttelnd weiter, sagen, sie hätten kein Interesse oder keine Zeit, obwohl sie doch gar nicht wissen, worum es geht", sagt Julia verärgert. "Sie lassen mich noch nicht einmal erklären, warum ich hier bin." Dieses Verhalten kann Edith Buhnenstädt nicht verstehen. Die Seniorin findet es toll, wenn sich junge Menschen für solche Aktionen einsetzen. "Auch wenn ich als Witwe nicht viel spenden kann", sagt sie, "tue ich es gerne."

Anna-Maria hat am Aktionstag viele verschiedene Reaktionen von Passanten erlebt. "Nun kann ich mir ein wenig vorstellen, wie sich Straßenkinder tagtäglich fühlen", sagt sie. Genauso wie viele Passanten in der Fußgängerzone nichts von der Straßenkindaktion wissen wollten, würde es bestimmt auch viele Menschen geben, die den Straßenkindern nichts geben möchten, wenn sie zum Beispiel anbieten, ihre Schuhe zu putzen. Nur sei es für die Straßenkinder wesentlich schlimmer, in diesen Fällen nicht beachtet zu werden. "Schließlich versuchen sie durch diese Tätigkeiten zu überleben", sagt die Schülerin.

Das Thema "Kinderarbeit" und "Straßenkinder" lässt Anna-Maria schon seit drei Jahren nicht mehr los. "In der siebten Klasse habe ich zu den Themen mal Infostände für die Schule gestaltet", erzählt sie. Dabei habe sie viel über das Thema gelesen und noch heute besucht sie regelmäßig die Internetseite von terre des hommes – dadurch wurde sie auf die Straßenkindaktion aufmerksam. Für sie war sofort klar, dass sie dabei mitmachen wollte. Und sie und ihre Freundinnen würden es wieder tun. Auch wenn es ein kalter, nasser Tag war. Echte Straßenkinder können sich ihr Wetter schließlich auch nicht aussuchen.

Stefanie Hiekmann, 16 Jahre, kommt aus Wallenhorst und geht in die 11. Klasse. Ihre Hobbies sind Recherchieren und Schreiben, ihr Berufsziel: Redakteurin.

Fotos: Autorin



www.tdh.de
Infos zur terre-des-hommes-Aktion "Straßenkind für einen Tag"

www.tdh.de
Straßenkinder sind ein Schwerpunkt in der Arbeit von terre des hommes – hier gibt es verschiedene Artikel und Infos dazu.

www.unicef.de
Infos zu Straßenkindern auf der unicef-Seite

www.strassenkinder-archiv.de
Forschungs- und Beratungszentrum Internationales Straßenkinder-Archiv

www.strassenkinder-ev.de
Der Verein Straßenkinder e.V. kümmert sich um Straßenkinder v.a. in Berlin und ist auf Spenden angewiesen.




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