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Das Glänzen in den Augen der Kunden

Bücher und Geld (Teil 2)

27.1.2012 | Oliver Koehler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Warum kosten E-Books fast so viel wie gedruckte Bücher?

Ein Grund dafür ist die höhere Mehrwertsteuer. Für ein E-Book muss der volle Mehrwertsteuersatz in Höhe von 19 Prozent gezahlt werden. Bei regulär gedruckten Büchern sind es nur sieben Prozent.

Johannes Neufeld vom Börsenverein des deutschen Buchhandels erklärt: "Verlage gehen von einer Gesamtkalkulation aus, bei der die Kosten für die Herstellung eines E-Books zu allen anderen Kosten hinzugerechnet werden." Digitale Angebote bringen Zusatzkosten und zusätzlichen Aufwand, der hoch sein kann. Neufeld dazu: "Printbücher werden nicht einfach als PDF konvertiert und dann auf eine Homepage gestellt." Kosten, die dazugerechnet werden müssen, sind beispielsweise die Konvertierungskosten pro Titel und die jährlichen Lizenzkosten für die Einrichtung und Aufrechterhaltung einer Infrastruktur sowie die Distributionskosten.

Kann man mit einer Buchhandlung reich werden?

Eleni Efthimiou betreibt mit ihrer Partnerin in Berlin-Kreuzberg den Buchladen Leseglück. Sie sagt: "Es gibt sicher Menschen, die mit dem Verkauf von Büchern reich geworden sind. Aber mit unserer kleinen 40-qm-Kiez-Buchhandlung werden wir wahrscheinlich nicht reich im eigentlichen Sinne."

Dafür investieren die Inhaberinnen aber viel Zeit und Aufwand, um die Kundschaft bei Laune zu halten, mit Lesungen, Filmvorführungen, Abendessen in der Buchhandlung: alles, was Leute und Bücher zusammenbringen könnte. Gerade ein kleiner Buchladen braucht ein klares Profil, um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Daher ist das Sortiment von Leseglück sehr sorgfältig ausgewählt.

Der Erfolg eines Buchladens, findet Efthimiou, ist nicht nur an den Zahlen ablesbar: "Natürlich wollen wir auch Geld verdienen und nicht nur von der Hand in den Mund leben. Wenn ein Kunde mit glänzenden Augen in den Laden kommt und das letzte Buch genau der Volltreffer war, dann ist das mehr wert als alles Geld der Welt."

Letztlich hat man in einem Buchladen aber mit harten Fakten zu tun. Efthimiou: "Da wir im Buchhandel eine Preisbindung haben, ist die Gewinnspanne viel geringer als bei anderen Produkten. Der Einkaufspreis ist für alle Buchhandlungen der gleiche und alle müssen sich daran halten."

Lohnt es sich, einen Verlag zu gründen?

"Lohnt sich Glücksspiel?", antwortet Anna Stüler mit einer Gegenfrage. Stüler ist Inhaberin des kleinen Verlags Trojan Books, der vorwiegend Sachbücher aus dem Kunstbereich publiziert. "Ein eigener Verlag ist eine der vergnüglichsten Arten, sich mit geistreichen Stoffen zu beschäftigen, sich mit interessanten Menschen zu umgeben und sehr viel Geld auszugeben."

Kosten entstehen für die Herstellung – Nutzungsrechte, Lektorat, Übersetzung, Druck etc. – und die Verbreitung – Werbung, Pressearbeit, Marketing, Vertrieb – von Büchern. Das lohnt sich schnell, wenn man einen "Bestseller" hat. Aber auch ein kleiner Verlagsapparat kann rentabel sein. Bei niedrigen Herstellungs- und Verbreitungskosten müssen nicht so viele Bücher verkauft werden. Wie Stüler ergänzt, "investieren Vollblutverleger, die den nötigen Riecher für Verkaufsschlager haben, das Geld ihrer Erfolge allerdings in ihre nächsten Herzensprojekte". Daher: "Selten fällt viel in die eigene Tasche – wie beim Glücksspiel."

Was ist das meistverkaufte Buch der Welt?

Es gibt wohl keine eindeutige Antwort zu der Frage nach absoluten Verkaufszahlen im Buchhandel. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels gibt aber auf Nachfrage an, dass die Bibel wohl eines der meistverkauften Bücher weltweit sei. Wie auch die Bhagavad Gita und der Koran. Da es aber unzählige Raubkopien dieser religiös-spirituellen Werke gibt und viele Exemplare auch gratis abgegeben werden, gibt es keine Statistik, die das belegen kann.

Oliver Koehler (39) lebt in Berlin und arbeitet als freier Journalist, Texter und Übersetzer.

Foto: ©frau.L. / photocase.com

 







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