Die Zentrale von Giesecke & Devrient (G&D) in München gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Ein hoher Zaun umgibt das Gebäude. Kameras überwachen den Außenbereich. Wer rein möchte, muss angemeldet sein, seinen Pass vorzeigen und sich einen Passierschein ausstellen lassen. Die Druckerei selbst ist ebenfalls streng abgeriegelt und nur durch vier Sicherheitsschleusen zu erreichen – kein Wunder, denn das in der fünften Generation bestehende Familienunternehmen stellt unter anderem Banknotenpapier für 100 Länder her. Außerdem druckt G&D jährlich Milliarden Geldscheine für 60 Länder. "Creating confidence" ("Vertrauen schaffen") lautet der Slogan der 1852 gegründeten Firma. Walter Schlebusch, Chef des Geschäftsbereichs Banknote, entspricht auch optisch diesem Motto: grauer Anzug, blütenweißes Hemd, rote Krawatte, grau meliertes Haar.
Seit 2000 ist der Manager aus Aachen Mitglied der Geschäftsleitung. Der 62-Jährige nimmt einen Zehneuroschein in die Hand, streicht fast schon liebevoll über das Papier und bewegt den Schein hin und her. "Das Papier von Banknoten klingt anders als normales Papier", sagt der studierte Maschinenbauer. Und es fühlt sich auch anders an: griffig und fest; es besteht nämlich aus Baumwolle. Jeden Tag empfängt Schlebusch Kunden aus 10 bis 15 Ländern, die sich ihr Geld von G&D drucken lassen wollen. Dann holt er ein braunes Ledermäppchen heraus, zeigt Scheine aus Guatemala, Lettland, Mauretanien, Oman … Währungen, die man eher selten zu Gesicht bekommt. Schlebusch zeigt außerdem G&D-Musterbanknoten. Auf einer dieser Fantasiebanknoten ist zum Beispiel "Yvonne" zu sehen, eine hübsche, junge Frau mit einem frechen Kurzhaarschnitt. Mit diesen Mustern zeigt Schlebusch potentiellen Kunden, welche Sicherheitsmerkmale G&D in die Scheine einarbeiten kann.
Mit dem Stichtiefdruck werden fühlbare Elemente auf die Banknote gedruckt. Außerdem können zum Beispiel Sicherheitsfäden, Folienelemente, Wasserzeichen oder auch mittels Laser versteckte Codes die Scheine sicherer machen. Für das menschliche Auge sind diese Codes unsichtbar, sie sind nur unter Infrarotlicht von Sensoren zu lesen. "Dienstlich habe ich natürlich schon viele Fälschungen gesehen, aber in der freien Wildbahn ist mir noch nie eine Fälschung begegnet", erzählt Schlebusch und lacht. Angesichts der riesigen Menge von Banknoten, die im Umlauf sind (schätzungsweise 2,5 Milliarden in Deutschland), gibt es nämlich gar nicht so viele "Blüten": Im 1. Halbjahr 2011 hat die Bundesbank "nur" 18.852 falsche Euro-Banknoten registriert. Am häufigsten werden übrigens 50-Euro-Scheine gefälscht.
"Clean money policy" ist ein weiteres wichtiges Thema für Schlebusch: Immer mehr Länder bemühen sich, saubere Banknoten zu haben und lappige, zerknüllte, rissige oder schmutzige Scheine aus dem Verkehr zu ziehen. "Banknoten sind wie die Visitenkarte eines Landes. Geld soll nicht minderwertig, sondern wertig aussehen." G&D druckt nicht nur Geld, sondern baut auch Sortiermaschinen, die in Sekundenbruchteilen alte Scheine, die beispielsweise Löcher haben, aus Bündeln mit guten Scheinen aussortieren und das kaputte Geld sofort schreddern. Die Scheine fliegen dabei so schnell über die Laufbänder, dass sie mit bloßem Auge gar nicht mehr als Einzelschein zu erkennen sind. Schlebusch mag auch das geschredderte Geld: In seinem Büro über der schicken Münchner Prinzregentenstraße steht ein Sessel aus Plexiglas, der mit geschredderten Scheinen gefüllt ist. Wer darauf sitzt, sitzt auf einer halben Million Euro in kleinen Schnipseln.
Banknoten sind ein Massenprodukt, auf der ganzen Welt. Die Einstellung zu Geld ist dagegen unterschiedlich. Schlebusch: "Geld ist in einigen Ländern mehr, in anderen weniger wert, das hängt ganz stark mit der Beständigkeit des Geldes zusammen. Wenn man weiß, dass ein Schein in fünf Monaten nur noch die Hälfte wert ist, geht man natürlich anders damit um." Auch er selbst hat inzwischen ein besonderes Verhältnis zu Geld: "Ich schaue Geld inzwischen ganz anders an, weil ich weiß, wie viele Details in einer Banknote stecken." Und so zahlt er auch in Zeiten des Plastikgeldes kleine und mittlere Beträge am liebsten noch immer in bar. "Geld ist die einfachste Art, zu bezahlen."
Vor einigen Jahren hatte er auf einer Reise einmal kein Bargeld bei sich und prompt ein Problem. "Damals gab es am Flughafen von Tobago noch keinen Geldautomaten, keine Bank. Es war nicht so leicht, ins Hotel zu kommen, denn der Taxifahrer wollte Cash sehen", erzählt der Manager. "Seitdem habe ich auf Reisen immer Dollar- und Euronoten bei mir. Man ist einfach unabhängiger."
Claudia Steiner schreibt für Zeitungen und Magazine. Sie lebt in München.
- In Deutschland stammen etwa 30 Prozent der Banknoten von G&D.
- Insgesamt erzielt G&D mit seinen weltweit rund 10.400 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 1,7 Milliarden Euro.
- Das Unternehmen stellt u.a. auch Briefmarken, Pässe und Kreditkarten her.
Fotos: Privat
Die Münz- und Geldscheinsammlung der Deutschen Bundesbank gibt einen Überblick über die Entwicklung des Geldes.
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