Stromsparen als Volkssport?

Nach der Katastrophe in Fukushima wird Stromsparen zu einem Volkssport in Japan

24.1.2012 | Nils Clauss | Artikel drucken

Tokyo ist ein gewaltiger Energie verbrauchender Ballungsraum, in dem circa 13 Millionen Menschen leben. Der 11. März 2011 und die Zerstörungen an dem Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, als Folge von Erdbeben und Tsunami, führten nicht nur zu einer der größten Umweltkatastrophen weltweit, sondern sorgten auch für einen fast kompletten Ausfall der Stromversorgung in der japanischen Hauptstadt. In den Tagen nach der Katastrophe lag das öffentliche Verkehrsnetz mehr oder weniger still und die Metropole eines Landes mit über 50 Kernkraftwerken, die bis dato repräsentativ für Fortschritt, billige, sichere und angeblich umweltfreundliche (sichere) Elektrizität standen, erstarrte in Dunkelheit.

In Anbetracht der Probleme in Fukushima forderten die japanische Regierung und die Betreibergesellschaft der Kernkraftanlage Tokyo Electric Power Company (Tepco) die Bevölkerung auf, ab sofort Strom zu sparen. Ziel des Umweltministeriums sei es, 25 Prozent der Energie einzusparen, der Anteil der Bevölkerung davon soll bei 15 Prozent liegen. Dies mag ein wenig verwundern, weil die Industrie der bei weitem größte Stromabnehmer im Land ist und damit auch dort die größtmöglichen Stromeinsparungen zu erzielen wären.

Energiesparen ist keine leichte Aufgabe für ein Land, welches die ganze Zeit unter Strom steht. Außerdem hatte bis zum Erdbeben der Großteil der Bevölkerung nicht allzu viel Interesse am Stromsparen und wie die meisten kein Umweltbewusstsein. Wie also können die Menschen in einem Land Strom sparen, in deren hyper-modernen Haushalten alles am Netz hängt?

Die vorliegenden Fotografien zeigen manchmal ernst, manchmal ironisch, welchen Beitrag der Ottonormalverbraucher in Japan zur Lösung der nationale Krise leistet. Stromsparen ist eine Art neuer Volkssport, dem sich niemand entziehen soll und kann. Durch kollektives Handeln soll die Strom-Krise mental bewältigt werden – denn jeder bekommt das Gefühl vermittelt mit anpacken zu können. An der nuklearen Umweltkatastrophe mit der Verstrahlung vieler tausender Menschen sowie den verheerenden langfristigen Folgen für die Gesundheit der Japaner ändert das allerdings nichts.

Text und Fotos: Nils Clauss/CC BY-NC-ND 2.0

Portfolio von Nils Clauss: www.nilsclauss.com



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