Die Energiewende kommt voran: Deutschland hat eine internationale Konferenz für Erneuerbare Energien ausgerichtet, Russland das Kyoto-Protokoll unterschrieben und Geothermie, Solarenergie, Wind- und Wasserkraft sowie Biomasse machen erstmalig mehr als zehn Prozent des deutschen Strommarktes aus. Und der Umstieg auf regenerative Energieträger ist noch lange nicht beendet, findet Carsten König vom Jugendbündnis Zukunftsenergie. Ein Plädoyer für eine andere Zukunft.
"Erneuerbare Energien sind klimafreundlich."
Bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern (Kohle, Erdöl, Erdgas) wird CO2 freigesetzt. Dieses ist zusammen mit anderen Klimagasen dafür verantwortlich, dass sich unser Planet in den nächsten Jahren deutlich aufheizen wird. Während die Wüsten sich ausbreiten, wird das Eis an den Polkappen völlig verschwinden. Über 17 Millionen Menschen leben in Küstenregionen, die nur 1 Meter über dem derzeitigen Meeresspiegel liegen und sind damit unmittelbar vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht. Gefährdet sind vor allem arme Regionen in Bangladesh und Indien, aber auch der US-Bundesstaat Florida.
Erneuerbare Energien dagegen verursachen keine Emissionen. Ein Umstieg auf Energie aus Sonne, Wasser, Wind und Erde könnte den Klimawandel somit schon bald stoppen.
"Erneuerbare Energien sind umweltfreundlich."
Atomkraftwerke erzeugen tonnenweise radioaktiven Müll, für den es keine Lagerstätte gibt. Denn kein Ort auf der Erde garantiert Sicherheit für die nächsten 100.000 Jahre, in denen dieser Abfall eine Gefahr für die Umwelt darstellen wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass es weltweit in den nächsten 100 Jahren zu einem GAU kommt, liegt bei rund 40 Prozent. Die Katastrophe in Tschernobyl hat gezeigt, dass ein solches Unglück verheerende Folgen für Mensch und Natur hat.
Auch Erdöl und Erdgas sind alles andere als umweltschonend. Besonders der Transport stellt ein Problem dar. Undichte Pipelines und havarierende Öltanker führen zur Vernichtung ganzer Ökosysteme. Bei der Verbrennung werden Schadstoffe frei, die unter anderem sauren Regen zur Folge haben, der zum Waldsterben beiträgt.
Erneuerbare Energien dagegen sind auf der ganzen Welt verfügbar und müssen deshalb nicht transportiert werden. Energie kann dort gewonnen werden, wo sie benötigt wird. Es gibt weder Abfallprodukte noch Schadstoffe.
"Erneuerbare Energien sind unerschöpflich."
Fossile Energieträger sind nur sehr begrenzt verfügbar: Der Weltenergierat schätzt, dass uns Erdöl und Ergas schon in den nächsten 50 Jahren ausgehen werden. Uran zum Betreiben von Atomkraftwerken haben wir nur noch ca. 60 Jahre, und auch die letzte Kohle wird in 120 Jahren verbraucht sein. In wenigen Jahrzehnten haben wir die Energie verbraucht, die über Jahrtausende in der Erde gespeichert wurde. Die drohende Ressourcenknappheit ist schon heute an steigenden Preisen auf dem Weltmarkt abzulesen und stellt eine Bedrohung für die Weltwirtschaft dar.
Die Potentiale der Erneuerbaren Energien scheinen dagegen geradezu unglaublich. Jeden Tag schickt die Sonne etwa 15.000 mal soviel Energie zur Erde, wie derzeit weltweit verbraucht wird. So würde es ausreichen, zehn Prozent der in der Bundesrepublik bebauten Fläche mit Solarzellen zu versehen, um Deutschlands Energiehunger vollständig zu stillen. Bei konsequentem technologischen Fortschritt ließe sich dieser Wert sogar noch deutlich senken.
"Erneuerbare Energien schaffen Arbeitsplätze."
In Deutschland sichert die Branche der erneuerbaren Energien schon mehr als 130.000 Arbeitsplätze. Mit einem vom Bundesverband für Erneuerbare Energien (BEE) prognostizierten Investitionsaufkommen von 40 Milliarden Euro in den nächsten 15 Jahren, wird diese Zahl voraussichtlich auf etwa 400.000 im Jahre 2020 ansteigen. Die Atomwirtschaft beschäftigt derzeit nur ca. 30.000, die Steinkohleindustrie ca. 50.000 Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Letzere sind allerdings im Jahr mit ca. 70.000 Euro pro Arbeitsplatz subventioniert - ungefähr dem 2½-fachen dessen, was ein Arbeiter im deutschen Steinkohlebergbau überhaupt durchschnittlich verdient.
"Erneuerbare Energien sind eine Chance für die Wirtschaft."
Erneuerbare Energien rechnen sich aber auch für Unternehmen, besonders der Mittelstand hat in den vergangenen Jahren profitiert. Forschung und Innovation im Bereich der erneuerbaren Energien machen sich besonders bezahlt: deutsche Technologien haben sich zu regelrechten Exportschlagern entwickelt.
Legt man der Berechnung von Energiekosten eine realistische Rechnung zu Grunde, sind erneuerbare Energien außerdem unschlagbar günstig: Denn fossile Energieträger verursache externe Kosten (Klimaschäden durch CO2-Emissionen, Lagerung und Sicherung von Atommüll), die eigentlich mitgerechnet werden müssten.
"Erneuerbare Energien fördern den Frieden."
Die ungleiche Verteilung von fossilen Energieträgern auf unserem Planeten führt allzu oft zu militärischen Konflikten. Der Irak zum Beispiel verfügt über die zweitgrößten Erdölvorkommen der Welt, was von vielen Beobachtern als ein Grund für die Invasion der USA ins Feld geführt wird. Die Kämpfe in Nigeria sind ein weiteres aktuelles Beispiel, das zeigt, dass Auseinandersetzungen um Ressourcen oft genug ein Kriegsgrund sind.
Erneuerbare Energien sind überall auf der Welt verfügbar und nicht an wenigen Orten zentriert, wie etwa Erdöl- oder Uranvorkommen. Militärische Konflikte, die eine Eroberung von Rohstoffen zum Ziel haben, werden damit überflüssig.
Die Energiewende ist somit eine der größten Herausforderungen der Weltpolitik. Wichtig ist, schnell zu handeln - denn in den nächsten Jahren werden die Weichen für viele weitere Generationen gestellt.
Carsten König ist Mitglied beim Jugendbündnis Zukunftsenergie. Er lebt in Berlin.
www.bund.net
Atomkonsens statt Ausstieg (BUND)
www.energiedepesche.de
Kernkraft rechnet sich nicht (Bund der Energieverbraucher)
www.wec-austria.at
Energieaufbringung (WEC Österreich)
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