“Dem Flohmarkt haftet etwas bewusst Solidarisches, geradezu Subversives an, nämlich zu konsumieren wie alle anderen auch, das Geld aber nicht den Warenhauskonzernen, sondern den Menschen auf dem Flohmarkt zu geben ...“ 
Sebastian Münz, selber seit über fünfzehn Jahren vor und hinter Marktständen anzutreffen, hat eine bis ins letzte Detail genau beobachtete Aufforderung geschrieben - an alle, die den Flohmarkt bisher nicht oder nicht genügend gewürdigt haben. Für regelmäßige Flohmarktgänger/innen bietet das Buch wenig Neues. Zwei Anliegen hat Münz: Der direkte Handel verlangt Solidarität und Respekt. Und der Markt bietet auch Abkehr vom Konsum “seelenloser Neuware“, hin zu einer individuellen Stilfindung. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert: Die erste Hälfte ist angereichert mit vielen Erfahrungen des Verfassers und veranschaulicht das Wochenendereignis Flohmarkt: Publikum, Warengruppen und Markttypen werden eingehend beschrieben und vorgestellt. In der zweiten Hälfte gibt Münz konkrete Tipps zur erfolgreichen Schnäppchenjagd und zum optimalen Verkauf.
Der Flohmarkt-Flow
Wer bisher noch nicht wusste, warum er oder sie sonntags morgens das gemütliche Bett für den Flohmarkt verlassen sollte, bekommt in Münz’ Buch praktische Argumente dafür: Der Typ “Sammler/in“ kann eine Zeitreise durch die Epochen machen, mit der materiellen Essenz der gekauften Dinge die eigene Kindheit oder die einer früheren Generation nacherleben. Der Typ “Jäger/in“ erwirbt auf dem Markt Kostbarkeiten weit unter Neupreis. Die “Flaneure“ - die Paradiesvögel unter den Flohmarktfans - genießen vor allem. Schon durch den Anblick der exotischen Waren, durch die Gerüche und Geräusche des Marktes kommen sie in den “Flow“.
Wichtig: “In der Art zu handeln bringt man den Respekt zum Ausdruck, den man sowohl der Ware als auch dem Verkäufer entgegenbringt.“ Erfolgreiches Handeln unterliegt je nach kulturellem Hintergrund unterschiedlichen rituellen Abläufen und erfordert vor allem Übung. Neben einigen gut gemeinten Tipps das Handeln zum Beispiel als zwischenmenschliches Kommunikationsritual zu begreifen und von einer Preisdrückung durch Schlechtmachen der Waren abzusehen, entgleist dem Verfasser manchmal der humorige bis ironische Unterton ins unfreiwillig Komische: etwa bei der Anweisung, sich für das Schrittmessen vor dem Kauf einer Jeans vom Besucherstrom abzuwenden. Auch die Empfehlungen, Wäsche und Schuhe einem Geruchstest zu unterziehen, und die Überlegungen zum ordentlichen Ablaufen der Flohmarktreihen inklusive dem wenig überraschenden Tipp, dass sich Ware auch unter und hinter den Ständen befinden kann, sind selbst für Flohmarktneulinge entbehrlich.
Ein Fest der Kommunikation Wenn auch der Schreibstil manchmal am gewollt Pfiffigen leidet, gelingt es Sebastian Münz, seine Freude am Flohmarkt auf die Leser/innen zu übertragen und Lust auf den nächsten Flohmarktbesuch zu machen: Am Ende kann man den Markt mit vielen Erinnerungen und Assoziationen verlassen. Über die abstrakte Ebene des Konsums hinaus hat man dann nachhaltig und recycelnd der überteuerten Massenware den Rücken gekehrt, vielleicht auch ein echtes Original statt eines gefilterten Ethnoproduktes oder einer auf alt getrimmten Neuware ohne jeden biographischen Bezug entdeckt. Oder sich einfach preiswert mit CDs, Büchern, Hanfprodukten, tibetischen Räucherstäbchen, afrikanischen Masken oder afghanischem Schmuck eingedeckt.
Sebastian Münz: Flohmarkt - Märkte Menschen Waren
(AG SPAK 2004, 9.50 €)
Heike Bruysten ist fluter.de-Mitarbeiterin.
Foto: © Stephanie Wurster
www.flohmarktbuch.de Eine Seite zum Buch mit Leseprobe
www.flohmarkt.de Hier kann man bundesweit die Termine der nächsten Flohmärkte abrufen
Virtuelle Flohmärkte: http://www.zum-flohmarkt.de http://www.sammlernet.de
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