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DJ Shadow

Mick Wall: John Peel

20.10.2006 | Christoph Braun | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Ich lese zurzeit "John Peel", eine Biografie des Radio-DJs von Mick Wall. Ein englischer Journalist gab mir den Tipp, als wir in einem Interview auf Peel kamen. Mit ihm beschäftige ich mich schon seit 20 Jahren. Durch ein ganz bestimmtes Zitat wurde ich damals auf ihn aufmerksam. Da sagte er: "Warum soll ich mich um die großen Rockgruppen aus den 70er- oder 80er-Jahren kümmern? Es gibt so viele gute Bands und Musiker heute. Und ich empfinde es als meinen Auftrag, diesen Bands ein Forum zu bieten." Das entspricht zwar nicht genau meinen Ideen. Ich sample ja auch viel Musik der Vergangenheit. Doch ich halte auch heute noch seine Aussage für angebracht. Jedesmal, wenn ich im Radio "Smells Like Teen Spirit" höre, denke ich: Diese Zeit könnte man doch einer Band geben, die heute so relevant ist, wie Nirvana es damals waren. Ich lese also das Buch, um jemanden kennen zu lernen, mit dem ich mich entfernt verwandt fühle. Wenn man an Musik interessiert ist, sollte man sich die Biografie von John Peel auf jeden Fall anschauen. Sie ist sehr gut geschrieben und ragt aus der Literatur über Musikgeschichte heraus.

DJ Shadow alias Josh Davis erhielt zu Beginn der 1990er-Jahre enorme Aufmerksamkeit für seine ergreifenden Instrumental-Landschaften. So schaffte er 1995 mit der EP "What Does Your Soul Look Like" die größtmöglich vorstellbare Verdichtung jenes Sounds, der wenig später als TripHop durch die Medien geistern sollte. Wie John Peel, den DJ Shadow als "Seelenverwandten" sieht, lehnt der Beatproduzent und Songschreiber aber jegliche Kategorisierung von Musik ab. So war er der musikalische Leiter des All-Star-Projekts U.N.K.L.E., an dem auch Thom Yorke von Radiohead und Richard Ashcroft von The Verve beteiligt waren. Mit Quannum Projects betreibt Shadow zudem ein HipHop-Label in der Bay Area um San Francisco. Sein neues Album "The Outsider" (Universal) ist soeben erschienen. Neben den von ihm bereits gewohnten Folk Songs, Rock-Instrumentals und Soul-Hymnen besteht das Album gut zur Hälfte aus Party-HipHop. Die bekanntesten MCs des "Hyphy", wie der Party-Sound in der Bay Area genannt wird, reichen sich hier das Mikro in die Hand. John Peel hätte es gemocht.

Mick Wall: John Peel
(Orion Verlag 2005, 12.50 €)



Foto: DJ Shadow / © Universal Music



www.djshadow.com
DJ Shadows Homepage

www.bbc.co.uk
BBC-Seite über John Peel mit viel Musik

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