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Darius James: Voodoo Stew

Afrokulturelles Kochseminar

27.1.2003 | Kito Nedo | Kommentar schreiben | Artikel drucken
In der wegweisenden Low-Brow-Anthologie "Bubizin / Mädizin" (1994) findet sich im Anhang unter "Darius James" folgender Eintrag: "Geboren in New England, lebt in Brooklyn, N.Y. Bezeichnet sich selbst als 'Performer', reading performer." Darius James ist noch immer ein großartiger Vorleser, doch New York hat mittlerweile einen seiner besten Schreiber an Berlin verloren. Denn James lebt und arbeitet seit Ende der 90er-Jahre ebenda.

Viel merkt man nicht von diesem Ortswechsel. Jedenfalls nicht in den Erzählungen und Reportagen, die soeben gesammelt als "Voodoo Stew" in einer zweisprachigen Ausgabe im kleinen Verbrecher Verlag erschienen sind. Wie schon in seinen vorigen Büchern "Negrophobia" (1992) und "That's Blaxploitation!" (1995) bleibt James' Thema die US-amerikanische Populärkultur und insbesondere die Rollen, die Afroamerikaner in ihr spielen.

Kollektiver Hintern

James besitzt die seltene Gabe, Kritik, Alltagsgeschichte, Fiktion und Diaspora-Mythen angenehm undidaktisch zu verknüpfen, um den Stoff für seine Geschichten zu gewinnen. In der Science-Fiction-Groteske "The last American Nigger" beispielsweise verlassen die entnervten Afroamerikaner per Ufo die Erde, nicht ohne jedoch den zurückgebliebenen Rassisten ein paar Tafeln Schokolade zu hinterlassen und die unmissverständliche Nachricht: "Kiss our collective black ass!" Die Schokolade ziert das Relief des "Cream of Wheat"-Kochs, einer US-amerikanischen Frühstücksflocken-Werbefigur, so rassistisch wie hierzulande der "Sarotti-Mohr". Das sitzt.
Auch die Reportagen: James schreibt sie, als wenn er kleine Häuser bauen wollte. Diese Gebäude haben viele miteinander verbundene Zimmer, und jedes Zimmer ist eine Geschichte. So nutzt er die Beschreibung einer mehrtägigen Interviewsession mit Ahmet Ertegun, dem Mitbegründer des Schallplattenlabels "Atlantic" (das war in den 50er- und 60er-Jahren das Label für Jazz und R&B), nicht nur für eine kurze Kulturgeschichte der Black Music, sondern auch zur Rückschau auf seine eigene musikalische Sozialisation in einem jazzbegeisterten Elternhaus. Das liest sich gut weg, James lässt keine Fragen offen. Man erfährt nicht nur, dass der Autor der besoffenen Jazz-Legende Charles Mingus einmal ein "Chopped Barbecue Pork Sandwich" besorgen durfte. James erzählt auch gleich, wie man ein solches Sandwich macht. Deshalb geht "Voodoo-Stew" auch als Rezeptbuch durch. Und als Text über die Magie des Erzählens.

Kito Nedo ist 27 und ein sorbischer Name. Im November 2001 traf er sich mit Darius James auf einen Kaffee: für ein Interview in der ersten Ausgabe von fluter.de.

Darius James: Voodoo Stew. Stories und Essays (Verbrecher Verlag 2002, dt./engl., 14 €)






Glossar

Diaspora: eine konfessionelle und / oder nationale Minderheit. Oder: Gebiet, in dem die Anhänger einer Konfession oder Nation gegenüber einer anderen in der Minderheit sind.
undidaktisch: nicht belehrend

Darius James Lesereise im Februar 2003

14. Februar: München / Blumenbar
15. Februar: Linz / Kapu
16. Februar: Wien / Chelsea
18. Februar: Neu-Ulm / Bahnhofscafe
19. Februar: Köln / Studio 672 (pop & poets)
20. Februar: Zürich / Rote Fabrik
21. Februar: Bern / Cafe Kairo
23. Februar: Basel / Parterre
24. Februar: Konstanz / Rheinterrasse



www.verbrecherei.de/Leseprobe%20Voodoo%20Stew.htm
Leseprobe aus "Voodoo Stew"




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