t

Warum ich Fan bin

Vier Mädchen erzählen von ihren Helden/innen

24.11.2009 | Bianca Gerlach | Kommentar schreiben | Artikel drucken


Die eine pflastert ihr gesamtes Zimmer mit Postern, der andere reist über den ganzen Globus, um seinem Star so nah wie möglich zu sein. Fans, abgeleitet von dem englischen Begriff Fanatics, schwärmen intensiv für einen Menschen und geben womöglich Unsummen für Tickets und Bahnfahrkarten aus. Dabei erfüllt das Fan-Sein unterschiedliche Bedürfnisse. Für viele sind Stars Vorbilder, anderen eröffnet die leidenschaftliche Begeisterung einen Fluchtweg aus dem Alltag und wieder andere fühlen sich besonders durch den manchmal rituellen Charakter einiger Fangruppen angezogen – und das Gemeinschaftsgefühl.

Besonders Mädchen erwischt es im Teeniealter. Sie bewundern meist das Unerreichbare, eine wünschenswerte Lebenssituation, nicht den Menschen dahinter. Dass sie ihren Star womöglich genauso wenig kennen lernen, wie sie übermorgen zum Mars fliegen werden, interessiert sie dabei nicht. Das hat auch einen guten Grund: "Würden Fans mit ihrem Star zusammenleben und sich über das Putzen des Klos streiten, spätestens dann würden sie ihren Star nicht mehr mystisch verklären", so der Psychologe Dr. Martin Huppert, der sich mit dem Thema Star-Fan-Beziehung beschäftigt. Distanz ist Teil der Bindung.

So weit, so normal. Fragwürdiger ist die extreme Stufe der Begeisterung: Stalking. "So lange man als Fan weder sich noch andere gefährdet, ist Fan-Sein normal. Aber bei Stalking liegt eine psychische Störung vor. Es ist eine umgekehrte Liebesbeziehung, der eine Ablehnung vorhergegangen ist", sagt Dr. Huppert. So weit kommt es allerdings selten. "Jugendliche mögen vielleicht manchmal ein extremes Fanverhalten zeigen, das ist aber in aller Regel völlig normal", erklärt der Psychologe.

Doch warum ist man überhaupt Fan? Diese vier sagen, warum:

Nadine Kahl, 19 Jahre alt, Silbermond-Fan:
Alles fing 2004 an, als ich das Lied "Durch die Nacht" im Radio hörte und dann kurze Zeit später das Video dazu sah. Seitdem finde ich die Band einfach total toll. Als ich dann noch gemerkt habe, dass sie so wie ich aus Sachsen kommen, war ich vollkommen begeistert. Ganz besonders gut finde ich, dass sie so super mit ihren Fans umgehen. Ich selbst habe einen eigenen Fanclub für die Sängerin Stefanie gegründet. Und mir hat sie sogar schon mal ein Interview für die Site gegeben – und beantwortet auch Emails von Fans. Die ist einfach total normal geblieben, ist ehrlich und direkt. Das finde ich gut. Natürlich kann sie auch gut singen und setzt sich für vieles ein, etwa gegen Nazis. Sie ist schon eine Art Vorbild. Dieses Jahr werde ich auf das 16. Konzert von der Band gehen, auf jedes einzelne habe ich eisern gespart – und das wird auch sicher nicht das letzte Konzert sein.

Katja Ittner, 25 Jahre, Fan von Formel-1-Fahrer Nick Heidfeld:
Ich schaue seit mehr als zehn Jahren Formel eins. Anfangs war ich einfach nur begeistert von den deutschen Fahrern, dann kam Nick dazu und seitdem bin ich richtiger Fan von ihm. Er hat mich durch seine ganze Art überzeugt, er ist auf dem Boden geblieben und einfach ein sympathischer Typ, dem seine Fans noch etwas bedeuten. Er gehört zu den Fahrern, die sich nicht einfach nur ins Auto setzen und fahren, sondern er setzt sich mit dem Team zusammen, wertet Daten aus und versucht alles, um den Rennwagen besser zu machen. Wenn es mal nicht so gut für ihn läuft, stehe ich trotzdem hinter ihm. Da verteidige ich ihn gerne mal im Forum des Heidfeld-Fanclubs. Ein bis zwei Mal im Jahr besuche ich auch Veranstaltungen vom Heidfeld-Fanclub, um Nick persönlich zu treffen. Zu den Formel-1-Testfahrten, etwa in Barcelona, bin ich auch schon gereist und habe Rennen besucht. Einige Fotos von ihm und mir habe ich signieren lassen. Poster hänge ich mir nicht auf. Dass ich aber zum Rennen im Heidfeld-Outfit gehe, ist für mich selbstverständlich, denn ich stehe zu Nick und jeder darf das wissen und sehen.

Mia-Sophie Walschuss, 11 Jahre, Fan von der Sängerin Lady Gaga:
Lady Gaga ist total durchgeknallt und nicht so wie die anderen Stars – das finde ich großartig. Sie weiß, wie man immer wieder Leute erschreckt, und ihre ganze Art und ihr Aussehen sind super. Ich mag auch an ihr, dass sie mit ihren Fans so nett umgeht. Ich habe mal gehört, dass ein Fan sie um ein Foto bat und sie extra mit ihm vor die Tür gegangen ist, damit es eine schöne Aufnahme wird. Nicht jeder Star geht so nett mit seinen Fans um! Ihre Outfits finde ich auch klasse. Die traut sich eben mal etwas. Einmal ist sie mit einem kompletten Lederoverall zu einem Interview im Fernsehen gegangen, da guckte nur die Nase raus. Ich finde gut, dass sie so anders ist, so etwas anziehen würde ich allerdings niemals. Vor kurzem war ich auf einem Konzert in London, ein Geschenk meines Vaters, das war gigantisch. Leider hat sie ein Lied nicht gespielt und auch keine Zugaben. Ich würde trotzdem wieder aufs Konzert gehen. Ihre Musik ist großartig, ich kenne jeden ihrer Songs. Und auch sonst lese ich alles, was über sie geschrieben wird, Zeitschriften, Fernsehsendungen. Einfach alles.

Susanne Groß, 23 Jahre, schwärmt für den verstorbenen Schauspieler Heath Ledger:
"10 Dinge, die ich an dir hasse", mit diesem Film fing es bei mir an. Diese leicht verwegene, aber auch knuffige Art von Heath ist einfach toll, dazu sieht er irre gut aus und erinnerte mich damals ein wenig an meinen ersten Freund. Seitdem habe ich jeden Film mit ihm gesehen, egal ob er eine Hauptrolle oder nur eine Minirolle spielte. Und auch, ob mir der Film gefiel oder nicht. Batman ist zum Beispiel nicht mein Fall gewesen, aber trotzdem fand ich ihn als Schauspieler klasse. Eine Freundin hat mir mal ein riesiges Foto von ihm drucken lassen, schwarz-weiß, das hing jahrelang in meinem Zimmer. Als er letztes Jahr starb, war ich unglaublich traurig. Das war ein Schock, damit hatte ja niemand gerechnet. Danach habe ich das Foto abgemacht, es schien mir einfach seltsam, einen toten Star im Zimmer hängen zu haben. Aber Fan bin ich nach wie vor, das wird wohl auch so bleiben.

Die kurzen Statements hat Bianca Gerlach aufgeschrieben. Sie lebt in Hamburg und schreibt für Zeitungen und Magazine.

Foto, oben: ©photocase.com / froodmat
Foto, unten: privat



www.bpb.de
Vom Papst bis Lady Di, ein Heft über Idole und Kult




Kommentare

Dein Kommentar