
Die eine pflastert ihr gesamtes Zimmer
mit Postern, der andere reist über den ganzen Globus, um seinem
Star so nah wie möglich zu sein. Fans, abgeleitet von dem
englischen Begriff Fanatics, schwärmen intensiv für einen
Menschen und geben womöglich Unsummen für Tickets und
Bahnfahrkarten aus. Dabei erfüllt das Fan-Sein unterschiedliche
Bedürfnisse. Für viele sind Stars Vorbilder, anderen
eröffnet die leidenschaftliche Begeisterung einen Fluchtweg aus
dem Alltag und wieder andere fühlen sich besonders durch den
manchmal rituellen Charakter einiger Fangruppen angezogen – und das
Gemeinschaftsgefühl.
Besonders Mädchen erwischt es im
Teeniealter. Sie bewundern meist das Unerreichbare, eine
wünschenswerte Lebenssituation, nicht den Menschen dahinter.
Dass sie ihren Star womöglich genauso wenig kennen lernen, wie
sie übermorgen zum Mars fliegen werden, interessiert sie
dabei nicht. Das hat auch einen guten Grund: "Würden Fans
mit ihrem Star zusammenleben und sich über das Putzen des Klos
streiten, spätestens dann würden sie ihren Star nicht mehr
mystisch verklären", so der Psychologe Dr. Martin Huppert,
der sich mit dem Thema Star-Fan-Beziehung beschäftigt. Distanz
ist Teil der Bindung.
So weit, so normal. Fragwürdiger
ist die extreme Stufe der Begeisterung: Stalking. "So
lange man als Fan weder sich noch andere gefährdet, ist Fan-Sein
normal. Aber bei Stalking liegt eine psychische Störung vor. Es
ist eine umgekehrte Liebesbeziehung, der eine Ablehnung
vorhergegangen ist", sagt Dr. Huppert. So weit kommt es
allerdings selten. "Jugendliche mögen vielleicht manchmal
ein extremes Fanverhalten zeigen, das ist aber in aller Regel völlig
normal", erklärt der Psychologe.
Doch
warum ist man überhaupt Fan? Diese vier sagen, warum:
Nadine
Kahl, 19 Jahre alt, Silbermond-Fan:
Alles fing 2004 an, als ich das Lied
"Durch die Nacht" im Radio hörte und dann kurze Zeit
später das Video dazu sah. Seitdem finde ich die Band einfach
total toll. Als ich dann noch gemerkt habe, dass sie so wie ich aus
Sachsen kommen, war ich vollkommen begeistert. Ganz besonders gut
finde ich, dass sie so super mit ihren Fans umgehen. Ich selbst habe
einen eigenen Fanclub für die Sängerin Stefanie gegründet.
Und mir hat sie sogar schon mal ein Interview für die Site
gegeben – und beantwortet auch Emails von Fans. Die ist einfach
total normal geblieben, ist ehrlich und direkt. Das finde ich gut.
Natürlich kann sie auch gut singen und setzt sich für
vieles ein, etwa gegen Nazis. Sie ist schon eine Art Vorbild. Dieses
Jahr werde ich auf das 16. Konzert von der Band gehen, auf jedes einzelne habe ich eisern gespart – und das wird auch sicher nicht
das letzte Konzert sein.
Katja Ittner, 25
Jahre, Fan von Formel-1-Fahrer Nick Heidfeld:
Ich schaue seit
mehr als zehn Jahren Formel eins. Anfangs war ich einfach nur
begeistert von den deutschen Fahrern, dann kam Nick dazu und seitdem
bin ich richtiger Fan von ihm. Er hat mich durch seine ganze Art
überzeugt, er ist auf dem Boden geblieben und einfach ein
sympathischer Typ, dem seine Fans noch etwas bedeuten. Er gehört
zu den Fahrern, die sich nicht einfach nur ins Auto setzen und
fahren, sondern er setzt sich mit dem Team zusammen, wertet Daten aus
und versucht alles, um den Rennwagen besser zu machen. Wenn es mal
nicht so gut für ihn läuft, stehe ich trotzdem hinter ihm.
Da verteidige ich ihn gerne mal im Forum des Heidfeld-Fanclubs. Ein
bis zwei Mal im Jahr besuche ich auch Veranstaltungen vom
Heidfeld-Fanclub, um Nick persönlich zu treffen. Zu den Formel-1-Testfahrten, etwa in Barcelona, bin ich auch schon gereist und habe
Rennen besucht. Einige Fotos von ihm und mir habe ich signieren
lassen. Poster hänge ich mir nicht auf. Dass ich aber zum Rennen
im Heidfeld-Outfit gehe, ist für mich selbstverständlich,
denn ich stehe zu Nick und jeder darf das wissen und sehen.
Mia-Sophie
Walschuss, 11 Jahre, Fan von der Sängerin Lady Gaga:
Lady Gaga ist
total durchgeknallt und nicht so wie die anderen Stars – das finde
ich großartig. Sie weiß, wie man immer wieder Leute
erschreckt, und ihre ganze Art und ihr Aussehen sind super. Ich mag
auch an ihr, dass sie mit ihren Fans so nett umgeht. Ich habe mal
gehört, dass ein Fan sie um ein Foto bat und sie extra mit ihm
vor die Tür gegangen ist, damit es eine schöne Aufnahme
wird. Nicht jeder Star geht so nett mit seinen Fans um! Ihre Outfits
finde ich auch klasse. Die traut sich eben mal etwas. Einmal ist sie
mit einem kompletten Lederoverall zu einem Interview im Fernsehen
gegangen, da guckte nur die Nase raus. Ich finde gut, dass sie so
anders ist, so etwas anziehen würde ich allerdings niemals. Vor
kurzem war ich auf einem Konzert in London, ein Geschenk meines
Vaters, das war gigantisch. Leider hat sie ein Lied nicht gespielt
und auch keine Zugaben. Ich würde trotzdem wieder aufs Konzert
gehen. Ihre Musik ist großartig, ich kenne jeden ihrer Songs.
Und auch sonst lese ich alles, was über sie geschrieben wird,
Zeitschriften, Fernsehsendungen. Einfach alles.
Susanne Groß,
23 Jahre, schwärmt für den verstorbenen Schauspieler Heath
Ledger:
"10 Dinge,
die ich an dir hasse", mit diesem Film fing es bei mir an. Diese
leicht verwegene, aber auch knuffige Art von Heath ist einfach toll,
dazu sieht er irre gut aus und erinnerte mich damals ein wenig an
meinen ersten Freund. Seitdem habe ich jeden Film mit ihm gesehen,
egal ob er eine Hauptrolle oder nur eine Minirolle spielte. Und
auch, ob mir der Film gefiel oder nicht. Batman ist zum Beispiel
nicht mein Fall gewesen, aber trotzdem fand ich ihn als Schauspieler
klasse. Eine Freundin hat mir mal ein riesiges Foto von ihm drucken
lassen, schwarz-weiß, das hing jahrelang in meinem Zimmer. Als
er letztes Jahr starb, war ich unglaublich traurig. Das war ein
Schock, damit hatte ja niemand gerechnet. Danach habe ich das Foto
abgemacht, es schien mir einfach seltsam, einen toten Star im Zimmer
hängen zu haben. Aber Fan bin ich nach wie vor, das wird wohl
auch so bleiben.
Die kurzen Statements hat Bianca Gerlach aufgeschrieben. Sie lebt in Hamburg und schreibt für Zeitungen und Magazine.
Foto, oben: ©photocase.com / froodmat
Foto, unten: privat
www.bpb.deVom Papst bis Lady Di, ein Heft über Idole und Kult
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