Berlin, Frontstadt der harten elektronischen Klänge, Anfang der 1990er-Jahre. Die kanadische Musiklehrerin und Theaterregisseurin Merrill Nisker landet wie eine Außerirdische mit extraterrestrischer Mission im Experimentierfeld der nachmitternächtlichen Livegigs. Mit ihrer Band The Shits, zusammen mit den Exilkanadiern Gonzales, Sticky und Mocky, wurde sie berühmt-berüchtigt mit Shows zwischen Punk und Peepshow. Als Merrill Nisker veröffentlichte sie 1995 "Fancypants Hoodlum", 2000 kam dann der internationale Durchbruch mit der Kunstfigur Peaches und dem Album "The Teaches of Peaches". Geschlechterrollen und -festschreibungen gelten für Peaches nicht, sie sind eher ein gefundenes Fressen für die Künstlerin, um sich lustig zu machen und sich und das Publikum zu amüsieren.
International Playgirl
Mit Beginn des neuen Jahrtausends erstellt Peaches Remixe für Daft Punk, The B52's, Le Tigre und Basement Jaxx und singt zusammen mit Künstlern wie Iggy Pop, Gonzales oder Pink. Neben Pink ist angeblich Madonna ein großer Peaches-Fan, Karl Lagerfeld schießt eine Fotoserie mit ihr, Schauspieler und
Regisseur John Malkovich engagiert sie für sein Filmprojekt "The
Hideous Man". Mit "Fuck the Pain away" liefert Peaches einen Soundtrack für "Lost in Translation" sowie für "Jackass 2". Und Björk, die Queens Of The Stone Age und Gruftiepapa Marilyn Manson verpflichten Peaches als Support ins Vorprogramm.
Ob Peaches nun mit dem Wechsel vom einstigen Berliner Pionierlabel Kitty-yo zu Sony – bei Kitty-yo regierte der Pleitegeier – sich am kommerzielleren Publikumsgeschmack orientiert, mag dahingestellt bleiben. GAP, der Bekleidungsladen für die ganze Familie, verwendete ihr "Do ya" für eine Werbekampagne im Herbst 2006. Mit ihrem diesjährigen Album "I feel cream" geht Peaches in Richtung Dancefloor zusammen mit Produzententeams wie Simian
Mobile Disco und Digitalism. Dieser Dancefloor ist und bleibt ein dreckiger, abgerockter in einem Club, in den nur richtig böse Jungs und Mädchen Einlass haben.
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