Klaus Voormann in den 60er-Jahren
Vor gut 50 Jahren, 1960, irrte der Grafikstudent Klaus Voormann nach einem Streit mit seiner damaligen Freundin, der Fotografin Astrid Kirchherr, durch Hamburg und folgte dabei lauter Musik, die er aus einer Bar namens Kaiserkeller an der Reeperbahn hörte. Neugierig lauschte er der Livemusik der damals noch völlig unbekannten Beatles. Voormann war fasziniert von den wilden Jungs aus Liverpool. Sie sollten schon bald sein Leben verändern …
Er zog nach London in die Beatles-WG und zeichnete ein paar Jahre später für sie das Cover "Revolver", für das er als erster Deutscher einen Grammy erhielt. Was dann alles folgte, erzählt der sehr persönliche Dokumentarfilm "All You Need is Klaus" von Jörg Bundschuh. Über ein Jahr begleitete die Kamera Klaus Voormann auf seinen Wegen und traf mit ihm jede Menge alter Freunde wie etwa Paul McCartney, Ringo Starr, Carly Simon, Randy Newman, Twiggy, Olivia Harrison und viele andere. Leider endet der Film bereits mit dem Jahr 1985, warum, bleibt unverständlich, denn da hörte Voormann, heute 72 Jahre alt, noch lange nicht auf kreativ zu sein. In den 1980-Jahren produzierte Voormann mehrere LPs mit Trio. Voormann war an internationalen Ausstellungen beteiligt und neben Buchprojekten zeichnete er das Cover Artwork für viele Künstler, noch einmal für die Beatles, aber auch für Mando Diao, Wet Wet Wet, Turbonegro und anderen. Sein eigenes Albumprojekt "A Sideman's Journey" wurde 2011 für den Grammy nominiert.
Nana A. T. Rebhan: Herr Voormann, Sie haben so viele unterschiedliche Dinge in Ihrem Leben gemacht. Gibt es etwas, was Sie vermissen, was Sie auch gerne noch getan hätten?
Klaus Voormann: Ich hätte Songs schreiben sollen. Mit Ringo und George hätte es die Möglichkeit gegeben. Aber damals dachte ich: Es gibt so viele Leute, die so viele gute Lieder schreiben. Dann muss ich das nicht auch noch machen. Als Songschreiber hätte ich richtig viel Geld verdienen können. Aber ich habe mich immer sehr zurückgehalten, das ist nun mal meine Eigenschaft, so bin ich – da kann ich nichts gegen machen.
Haben Sie einen Ratschlag für junge Menschen, wie man das Leben angehen sollte, wie viele Dinge man gleichzeitig in Angriff nehmen sollte?
Was meinen Teil angeht, ich habe wahnsinnig viele verschiedene Sachen gemacht. Ich habe bereits als kleines Kind klassische Musik gespielt, bis ich so 13, 14 Jahre alt war. Mit 14, 15 kamen die Mädchen, da wurde die Musik dann erst mal nebensächlich (er lacht). Danach habe ich Grafik studiert und sehr viel Grafik gemacht. Für mich hat es bis zu einem gewissen Grad gut funktioniert, dass ich viele Dinge gemacht habe, die sehr unterschiedlich sind. Generell würde ich Menschen dies jedoch nicht raten. Man sollte sich auf eine Sache gut konzentrieren. Musikern würde ich raten, sie sollen wirklich Musik studieren. Wirklich lernen, Noten zu lesen. Das habe ich nie gelernt und das ist ein riesiges Manko.
Aber Sie selbst würden sich doch nie nur für eine Sache entscheiden wollen in Ihrem Leben, oder?
Ach, an sich schon. Es hat sich irgendwie so ergeben, dass diese Dinge so auf mich zukamen. Gerade mit der Musik ist es ja nur bis zu einem bestimmten Punkt gekommen, weil ich nie Musik studiert habe. Ok, ich habe bei vielen tollen Sessions mitgespielt, das ist ja auch alles wunderbar, aber an sich hätte ich wahnsinnig gern Musik studiert. Ich hätte heute lieber ein einziges Instrument mein Leben lang gespielt – etwa Klavier – und nicht so viele Facetten gelebt.
Welche Menschen in Ihrem Leben haben Sie am meisten geprägt?
George Harrison war ein starker Einfluss. Wir waren ja lange gut befreundet und ich habe sehr viel Zeit in seinem Haus verbracht. Mit George habe ich zusammen gefrühstückt und wir sind oft zusammen spazieren gegangen. Wir haben uns beide sehr gerne gemocht. Er hat mich glaube ich am meisten in meinem Leben beeinflusst.
Klaus Voormann
Wie kam das Dokumentarfilmprojekt "All You Need is Klaus" zustande?
Die Idee gab es schon lange Zeit. Da waren schon einige Leute dran, die das machen wollten, und wir haben uns auch schon mit dem Bayrischen Rundfunk getroffen und Ideen aufgetischt. Aber es hat dann doch erst mal nicht geklappt. Dann habe ich Dokumentationen über JJ Cale und John Lee Hooker gesehen. Diese beiden Dokumentationen haben mir sehr gut gefallen, der Regisseur war Jörg Bundschuh.
Dann sind Sie also auf Herrn Bundschuh zugekommen?
Ja, richtig. Wir haben uns getroffen, fanden uns sehr sympathisch und haben mit dem Drehen angefangen.
Wie lange haben Sie daran gearbeitet?
Das lief so über das ganze Jahr. Wir haben Interviews gemacht, auf der Wiese in meinem Garten gesessen. Dann haben wir meine Freundin Twiggy in London getroffen. Zu Carly Simon nach Amerika zu fahren, das war unsere erste größere Reise, das war eine separate Sache. Da sind wir direkt zu Carly gefahren auf die Insel. Das ist wunderwunderschön dort. Sie hat uns in ihr Haus eingeladen und wir haben dort ein wenig musiziert.
Die Dokumentation wirkt so angenehm privat. Das liegt auch an Ihnen.
Die meisten Leute, die ich während meines Lebens kennen gelernt habe, in den Studios und während meiner Arbeit, das waren Freunde. Das ist sehr schön und so ist es auch geblieben. Das sind alles sehr liebe Menschen, die ich gerne wiedersehe. Die waren auch alle positiv eingestellt, als ich ihnen von dem Filmprojekt erzählt habe: "Ja Klaus, natürlich, komm' vorbei." Sie haben alles möglich gemacht, damit der Film so schön wie möglich wird.
Sie drehen ja auch bei Olivia Harrison. Warum wollte sie nicht, dass im Haus gefilmt wird?
Weil sie selbst eine Doku, "Concert For George", 2003 gemacht hat und nicht wollte, dass das Haus ständig in Filmen auftaucht. Wir sind dann auch nicht so stark darauf eingegangen. Ich wäre aber schon sehr gerne in Georges Haus und in seinem Studio herumgegangen. Aber das war nicht angesagt und wir haben es dann auch nicht gemacht.
Wie wirkt der fertige Film auf Sie?
Also, erst mal ist es wahnsinnig schwer für einen selbst als Protagonisten darüber zu entscheiden. Man sieht sich ja selbst immer anders. In diesem Fall ist es so, dass alles so schön vor sich hinläuft. Ich komme ein wenig rüber wie so ein Schluffi, der durchs Leben torkelt. Außerdem hört die Doku 1985 auf. Danach ist angeblich nix mehr passiert in meinem Leben.
Warum hört sie denn schon so früh auf?
Das hat der Produzent so gesehen. Dabei habe ich danach noch sehr viele Dinge getan, zum Beispiel habe ich Trio produziert. Da gab es Anfang der 1980er-Jahre den Hit "Da, da, da" und ich habe auch eine LP mit ihnen produziert, bevor sie richtig bekannt wurden. Ich habe viele Sachen produziert, die Spaß gemacht haben, Cover gemacht und, und, und.
Wie haben Sie es eigentlich geschafft, so natürlich zu bleiben?
Ich finde es nicht wichtig bekannt zu sein. Ich habe immer gerne im Hintergrund gestanden und tue das auch immer noch gerne. Ich mag nicht ganz vorne sein, das ist nicht mein Temperament. Manche Menschen sind da anders.
Als Sie einmal mit den Beatles gespielt haben, haben Sie auch nicht mit ihnen auf der Bühne gestanden, sondern sich vor die Bühne gestellt. Haben Sie oft in Ihrem Leben Angebote abgesagt, die nicht Ihrem Charakter entsprechen?
Ja, ich bin sehr vorsichtig und behutsam. Carly Simon hat mir etwa gesagt, ich sollte ihr Album produzieren. Wir hatten auch schon alle Musiker in New York bestellt. Aber dann habe ich sie angerufen und habe ihr gesagt, dass ich das nicht tun kann. Das war mir irgendwie alles zu viel und es kam auch nicht voll aus meinem Herzen. Dann kann ich so was nicht machen.
Woran arbeiten Sie jetzt gerade?
Im Moment bin ich in einen Umbau an meinem Haus verwickelt. Wir erweitern das, und damit bin ich beschäftigt. Dann gibt es noch eine andere Sache, da darf ich aber noch nicht drüber reden. Ich habe zum Beispiel ein Poster gemacht für Paolo Nutini, das ist ein ganz toller Künstler. Und ich habe kürzlich für Woody Allen ein Plakat gemacht. Da habe ich mir überlegt, ich mach ihm mal 'ne Klarinette mit 'nem Knoten drin. Das sind die Dinge, die mich ein Leben lang verfolgt haben: dass ich immer so Jobs bekomme, bei denen Leute sagen: "Klaus, mach doch mal für Woody Allen ein Plakat … was fällt dir dazu ein?" Ich bin nicht der typische Illustrator, ich kann mir immer was ausdenken und es dann so umsetzen, wie ich meine, dass es für den Künstler richtig ist. Da redet mir keiner rein. Das war schon immer so und das schätze ich sehr.
Das Gespräch führte Nana A.T. Rebhan, die jetzt im Sommer ihren nächsten Film in Berlin drehen wird.
Fotos: ©All you need is Klaus
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