Saltlake Saviors
Seit drei Jahren stehen die vier Jungs Ake (20), Malo (20), Kalle (22) und Knesi (21) auf der Bühne. Vor allem ist ihnen wichtig: Spaß an der Musik!
2007 gründeten die damals 16-Jährigen die Band und machten sich schnell in der regionalen Szene einen Namen. Noch im selben Jahr präsentierten sie das Album "Listen To My Feelings", das bei Radiosendern wie Antenne Thüringen auf gute Kritik stieß. Ake: "Mehrere Auftritte in Mitteldeutschland folgten, schweißten die Band zusammen und entwickelten den Musikstil enorm."
In ihrer noch recht kurzen Bandgeschichte überzeugten sie bei Bandcontests, betraten die Bühnen großer Festivals und performten mit Musikgrößen wie Sunrise Avenue, Queensberry, Stan Four und der BundesVisionSongContest-Band Down Below.
2009 gewannen sie den REWE-Bandcontest in Berlin und standen im Finale des Thüringen Grammys. 2010 verteidigten sie ihren Titel beim REWE-Bandcontest erfolgreich. Angetrieben vom positiven Feedback beschlossen The Saltlake Saviors ein zweites Album, "For passion and the end", zu produzieren, das Anfang 2011 erschien. Mit dem Gewinn des Vita-Cola-Bandcontests 2011 sicherten sie sich einen Auftritt beim "mega-ROCK in die Ferien"-Festival, wo sie mit Musikgrößen wie Die Happy, Patrick Nuo und The Black Pony performen werden. Neben einer Promotour durch Thüringens Einkaufszentren konzentriert sich die Band momentan auf das Komponieren neuer Songs.
Silke Kettelhake: Wie kommt ihr zu eurem Bandnamen?
Saltlake Saviours: Unser Bandname hat etwas mit unserer Heimat und unserer Einstellung zum Musikmachen zu tun. In unserer Region, dem Altenburger Land, wie eigentlich in weiten Teilen Deutschlands, liegt leider einiges im Argen: Es wird wenig bis gar nichts für die Jugend getan, die Arbeitslosenzahlen steigen, Kulturmittel werden ständig gekürzt, Rechtsradikalismus und Neonazismus sind gerade unter Jugendlichen ein ernst zu nehmendes Problem.
Dennoch finden wir viel Gutes an unserer Heimat. Als wir 2007 unsere Band gründeten, taten wir das vor allem am Spaß an der Musik und aus dem Willen, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Unseren Namen verstehen wir daher so: Mit Spaß am gemeinsamen Musikmachen wollen wir dem trübem Salzsee ("The Saltlake") unserer Heimat ein Stück Farbe wiedergeben, sie also, zugegebenermaßen ein wenig pathetisch gesprochen, retten ("Saviors"). Und wie kann man einer trägen grauen Masse besser einen kräftigen Schubs versetzen als mit Musik?
Wie entstehen eure Songs?
Die meisten Songs zu unserem neuen Album "For Passion & The End" entstanden so, dass einer von uns mit einer Idee, einem Riff, einer Melodie, einer Strophe kam und wir dann zusammen geschaut haben, was sich daraus machen lässt. So entstanden Songs wie zum Beispiel "Forget About Me", "F.P.A.T.E." und andere. Es gab aber auch Tracks, die schon fast fertig in die Runde gebracht wurden wie zum Beispiel "Forever & Ever" oder "He & She", wobei andere Stücke einfach beim Jammen entstanden sind, so zum Beispiel "Excusez-Moi" und große Teile von "Pandemonium's Son". Generell schreiben wir alle Titel gemeinsam, weil es uns sehr wichtig ist, dass wir alle mit dem Ergebnis zufrieden sind. Dadurch hat auch jeder die Möglichkeit zu sagen, was ihm nicht passt. Wir sind da sehr demokratisch.
Wie wichtig sind euch die Texte?
Es geht darum, dass die Songs eine Stimmung ausdrücken, die uns im Entstehungsmoment wichtig scheint. Um das zu schaffen, muss das Ganze für uns ineinander greifen und in sich schlüssig sein, wobei Text und Musik gleich wichtig sind.
Wie steht ihr zu Phänomenen wie "Popstars" oder "DSDS"?
Davon halten wir nicht viel, da sie nichts mit Musikmachen aus unserem Verständnis zu tun haben. Aus unserer Sicht sollte man Musik machen und Songs schreiben, weil es einem ein inneres Bedürfnis ist. Musikmachen ist für uns also eine idealistische Sache, die um ihrer selbst entsteht. Sonst kann Musik nicht ehrlich sein.
Bei DSDS oder anderen Castings geht es lediglich darum, für eine kurze Zeit einen Goldesel zu finden, der der Industrie, die hinter der ganzen Sache steht, möglichst viel Geld einbringen soll. Es geht dort nicht darum, kreative Talente zu fördern, sondern ein Allerweltsgesicht zu finden, das einen gewissen merkwürdigen Hunger nach Beliebigkeit am Musikmarkt befriedigt. Sonst würden die Produkte, die den Gewinnern solcher Castings geschrieben werden, sich letzten Endes nicht alle in ihrer Irrelevanz so ähneln. Es wird den Zuschauern vielleicht etwas von Talentförderung etc. erzählt, aber letzten Endes geht es ja nur darum, die Geldbeutel diverser Produzenten noch ein wenig dicker zu machen mit dem Köder für die Kandidaten, richtig berühmt zu werden. Die Musik wird hierbei lediglich zum beliebigen Industrieprodukt. Das hat nichts mehr mit ehrlichem Musikmachen zu tun. Von uns gibt's daher das Prädikat "besonders wertlos"!
Was haltet ihr generell von Wettbewerben?
Darüber können wir uns kein allumfassendes Urteil erlauben. Wettbewerbe und Musik sind eine Sache für sich. Es kann großen Spaß machen, sich bei Bandcontests mit anderen einem Publikum zu präsentieren. Wenn allerdings, wie wir es schon oft zu solchen Veranstaltungen nicht zuletzt auch an uns selbst festgestellt haben, das Ganze zu einem verbissenen Gerangel um Platzierungen, also zu einem Kampf der Egos wird, dann verliert man schnell den Spaß an der Sache. Dann geht das Ganze in die Hose.
Wir haben gelernt, solche Wettbewerbe so zu sehen, dass es in erster Linie darum geht, zusammen zu spielen und eine gute Zeit zu haben. Das ist dann natürlich sehr schön, denn dafür stellen wir uns ja auf eine Bühne. Dadurch können wir uns am Ende des Abends einfach darüber freuen, dass diejenigen, die sich am besten angestellt haben, dafür noch zusätzlich belohnt werden. Dann muss sich auch keiner als Verlierer fühlen. Denn beim Musikmachen geht es ja gerade nicht darum, der Beste zu sein, sondern darum, sein Bestes von sich und für sich zu geben!
Wie professionell seid ihr und wollt ihr einmal vom Musikmachen leben?
Wir sind nicht sonderlich professionell. Wir beherrschen unsere Instrumente ganz passabel und denken, dass unsere Songs auch nicht die schlechtesten sind, aber als Profis würden wir uns nicht bezeichnen. Was aber viel wichtiger ist: Wir lieben, was wir machen. Das ist für uns am entscheidendsten.
Ob wir von unserer Musik einmal leben können, wissen wir nicht. Aber mit so einer Einstellung von vornherein eine Band zu starten, das finden wir heutzutage sehr illusorisch. Wir machen einfach, was wir machen. Wenn dabei mal ein wenig Geld rumkommt, ist das cool, aber nicht ausschlaggebend, da wir alle eine Ausbildung oder ein Studium für einen Beruf haben, der uns auch total Spaß machen wird! Daher wird das mit dem Musikmachen so, wie es wird, und wir machen uns da nicht den geringsten Druck und hegen auch keinen besonderen Ehrgeiz in Richtung großer Erfolg. Wir machen das nur, weil es uns Spaß macht, und wenn jemand anderes damit auch Spaß hat, ist das dann noch umso schöner, aber kein Muss.
Wie ist es für euch, auf der Bühne zu stehen?
Das ist jedes Mal ein großer Spaß! Weil wir mittlerweile recht gut aufeinander eingespielt sind, können wir die Gigs total genießen und haben da meist eine wirklich gute Zeit miteinander. Da wir vier auch total gut befreundet sind, ist jeder Gig für uns eine tolle Gelegenheit, etwas mit unseren besten Freunden zu unternehmen. Das ist wirklich was Besonderes!
Absolutes No-Go auf der Bühne?
Nazis auf der Bühne, die versuchen, unseren Gig zu sabotieren, hatten wir schon mal – das ist echt ungut. Wir machen immer einigen Quatsch bei unseren Shows, weswegen ich da so spontan nichts weiter weiß, außer eben irgendwelchen Idioten, die uns ins Handwerk pfuschen wollen.
Was muss mit auf die Bühne?
Wir vier, unsere Instrumente, Malos Spongebob, meist noch einiges Zeugs für ringsherum und ein großer Sack Stimmung und gute Laune.
Wer sind eure musikalischen Vorbilder?
Richtige Vorbilder haben wir eigentlich nicht, weil Vorbilder immer mit sich bringen, wie jemand anderes sein zu wollen oder demjenigen hinterherzueifern. Das wollen wir aber nicht. Inspiration hingegen holen wir uns aus ganz unterschiedlicher Musik. Wir hören total verschiedene Sachen: Knesi steht total auf heftigen Metal, Kalle hört viel Grunge und amerikanischen Rock, Ake mag vor allem Finnenrock und auch mal poppigere Musik und Malo hört hingegen von Metal über Klassik bis hin zu Reggae auch ganz viel verschiedenes. Das macht das Musizieren zusammen auch so interessant!
Diesen Satz über uns können wir nicht mehr hören:
"Ich kann den Gesang nicht noch lauter machen! Kann euer Drummer nicht leiser spielen?" - "Nein! Kann er nicht! Das ist Rockmusik, das muss laut sein!"
Was kann man am Musikunterricht in der Schule verbessern?
Oh, das ist eine gute Frage! Unseren Erfahrungen nach sollte der Unterricht näher an den Schülern/innen verlaufen. Was interessiert es einen Achtklässler zum Beispiel, zu wissen, was ein Dominantseptakkord ist? Wenn ich ihm oder ihr als Lehrer/in aber zeige, wie er auf einem Instrument sein Lieblingslied spielen kann, habe ich doch viel mehr gewonnen! Denn dann kann ich die Schüler für Musik begeistern und ihm oder ihr vielleicht eine ganz neue Welt eröffnen. Musik sollte in der Schule als das vermittelt werden, was sie ist: eine ganze Welt von Erfahrungen, Gefühlen, Geschichten und, und, und!
Für ausschweifende theoretische Werkanalysen ist da kein Platz. Ein kleiner Grundstock von Theorie ist zwar auch ganz sinnvoll, aber selbst Musik in der Schule zu machen und zu erleben finden wir wichtiger! Ohne solche Projekte wäre unsere Band zum Beispiel auch nie zustande gekommen, da sich Ake, Kalle und Knesi über Schülerbands an ihren ehemaligen Schulen kennen gelernt haben. So etwas müsste es noch viel öfter geben!
Dankeschön!
Silke Kettelhake
Fotos: privat
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