Wenn es nach Glühwein riecht
und die Beleuchtung in den Einkaufsstraßen weihnachtliche
Stimmung verbreiten soll, sind sie pausenlos unterwegs: die
Spendensammler/innen. Im Namen der guten Tat bitten sie in U-Bahnstationen,
Fußgängerzonen, Werbespots und Briefen um unsere Hilfe.
Weihnachtszeit ist Spendenzeit.

140.jpg
Jeder dritte Deutsche spendet
mindestens einmal im Jahr Geld für wohltätige Zwecke.
"November und Dezember sind mit Abstand die spendenstärksten
Monate", sagt Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für
soziale Fragen (DZI). Das DZI ist eine Art Spenden-TÜV. Es
beobachtet den Spendenmarkt und vergibt an die Organisationen und
Vereine, die es prüft und für vorbildlich befindet, ein
offizielles Prüfsiegel.
Kommt das Geld auch an?
Etwa 600.000 gemeinnützige
Vereine und 15.000 gemeinnützige Stiftungen sind in Deutschland
tätig. Doch nur wenige davon buhlen aktiv um Spendengelder.
Wilke schätzt, dass 2.000 bis 3.000 Organisationen systematisch um
Spenden werben. Eine genaue Zahl lasse sich nicht nennen, weil der
Begriff Spendenorganisation in Deutschland nicht eindeutig definiert
sei. "Pro Jahr werden drei bis fünf Milliarden Euro für
gemeinnützige Zwecke gespendet", so der
DZI-Geschäftsführer. Laut einer GfK-Studie aus dem Jahr
2005 geht der Löwenanteil von rund 82 Prozent an soziale
Projekte. Umwelt- und Tierschutz erhalten jeweils gut drei Prozent,
doppelt so viel kommt der Kultur- und Denkmalpflege zugute.
Undurchsichtige Geldtransfers und Meldungen über Missmanagement und Korruption sorgen dafür, dass das Vertrauen der Deutschen in die Spendenorganisationen sinkt. Immer mehr Spender/innen fragen sich, ob und wie viel von ihrem Geld auch wirklich dort ankommt, wo es gebraucht wird. Die Folge dieser Unsicherheit: Ein Großteil der Spender/innen geht auf Nummer sicher und überweist Geld nur noch an große und bekannte Organisationen wie Caritas, Unicef oder Deutsches Rotes Kreuz. Daniela Felser vom Deutschen Spendenrat, dem Interessenverband der spendensammelnden Organisationen, ist das Problem bekannt.
Zwar würde die überwiegende Zahl der Organisationen einwandfrei und effektiv arbeiten, einige sollten sich jedoch um mehr Transparenz bemühen, fordert die Geschäftsführerin des Spendenrates. Zum Beispiel müsse der Geschäftsbericht auf den Internetseiten für alle potentiellen Spender/innen abrufbar sein, so Felser.
Spender/innen können vor allem eines tun: sich informieren. Bevor das Überweisungsformular oder der Geldschein gezückt wird, sollte man sich über die Organisation und das Projekt schlau machen. "Spenden Sie überlegt, nicht impulsiv", lautet der Ratschlag im Spendenalmanach des DZI. Internet, Broschüren und Tätigkeitsberichte der Organisation helfen bei der Recherche. Ganz wichtig: Als Spender/in sollte man sich nicht unter Druck setzen lassen – weder an der Haustür oder in der Fußgängerzone noch durch gedruckte Spendenprospekte. "Spendenwerbung sollte überzeugen und nicht überrumpeln. Man kann Menschen nicht zum Spenden zwingen", sagt Burkhard Wilke. Seriöse Organisationen würden auf schockierende Fotos verzichten und stattdessen die Information in den Vordergrund stellen, so Wilke.
Die Flut nach dem Tsunami
Das Gießkannenprinzip ist keine kluge Spendentaktik: "Wer seine Spende stückelt und viele kleine Beträge überweist, verursacht mehr Verwaltungskosten", gibt Daniela Felser vom Deutschen Spendenrat zu Bedenken. Außerdem empfiehlt sie, sich bei Spendenaktionen auf der Straße immer den Spendenwerberausweis zeigen zu lassen. Denn gerade kurz vor Weihnachten würden sich immer wieder schwarze Schafe unter die wohltätigen Spendensammler/innen mischen.
Am tiefsten greifen die Deutschen nach Katastrophen in den Geldbeutel. Die Solidarität mit den Opfern der Tsunamikatastrophe spülte 670 Millionen Euro Spendergelder in die Kassen, nach dem Elbehochwasser 2002 kamen 300 Millionen Euro zusammen – so viel wie nie zuvor bei Spendenaktionen in Deutschland. Dieses beeindruckende Maß an Hilfsbereitschaft hat auch seine Schattenseiten. Es führt dazu, dass der Anteil der Entwicklungshilfe gegenüber der Katastrophenhilfe stark abgenommen hat und langfristige Projekte mit weniger Geld auskommen müssen. Langfristig arbeitende Organisationen wie Brot für die Welt, Misereor oder die Deutsche Welthungerhilfe fürchten, an den Rand gedrängt zu werden, berichtet DIZ-Geschäftsführer Wilke. Dabei gibt es viele "unterfinanzierte" Krisen: etwa das Bürgerkriegsgebiet in Sri Lanka, die Hungersnot im Niger oder die Aids-Katastrophe in Südafrika.
Andreas Braun ist Volontär der Bundeszentrale für politische Bildung.
Foto: ©sxc.hu
Die
Spendenberater im Netz:
www.dzi.de und
www.spendenrat.de
Kommentare
Dein Kommentar