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Sonja Eismann (Hg.): Hot Topic

Direkt ins Stammhirn

1.2.2008 | Judith Taudien | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Chris Köver ist eine bekannte Journalistin und eine Feministin. Und sie liebt amerikanische Serien. Mehr noch aber mag sie US-Actionfilme. Wenn "Autos in die Luft gesprengt werden und schwitzende, gestählte Männerkörper in Zeitlupe mit großen Schusswaffen um sich ballern", sitzt sie breitbeinig auf ihrem Sofa und lacht dreckig. So was gehe schließlich "direkt ins Stammhirn". Oder Barbara Schulz. Mit 20 lernte sie endlich Schlagzeug spielen. Das war die bessere Entscheidung. Denn zuerst hatte sie geplant, sich aus Liebeskummer umzubringen. Und die Musikerin Julie Miess: Sie verehrt den Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister und hat natürlich dessen Biografie studiert. Sie hofft so sehr, dass er sich eines Tages ihre Songs anhören wird.

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Sonja Eismann

Was aber ist eine Feministin? Wie sehen sie aus, die Frauen der neuen Generation, der sogenannten "Third Wave"? Wer sind ihre Vorbilder? Welche Musik hören sie und welche Kleidung tragen sie? Dürfen sich Feministinnen nun die Beine rasieren oder nicht? Und vor allem: Dürfen Frauen Fußball-Fans sein?

Vielfalt des Third-Wave-Feminismus

Sonja Eismann, Feministin, 34 Jahre alt und vielbeschäftigte ehemalige Intro-Redakteurin, versucht, in dem von ihr herausgegebenen Buch "Hot Topic. Popfeminismus heute" diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Auf knapp 300 Seiten schreiben Musikerinnen, Wissenschaftlerinnen und Journalistinnen über ihre eigenen Erfahrungen mit dem Feminismus.

Aber keine Angst: "Hot Topic" ist dabei keine trockene Lektüre geworden, die mit missionarischem Eifer alle ihre Leser/innen am Ende zu überzeugten Feministen/innen bekehren soll. Viel eher wollen die Autorinnen der insgesamt 28 Essays mit Humor, Mut und dem nötigen Ernst den Facettenreichtum des modernen Feminismus zeigen. Und natürlich auch deren Schattenseiten. Sich ständig für die eigene Überzeugung rechtfertigen zu müssen, allein erziehende Mutter und Musikerin zu sein, unter Magersucht zu leiden oder um einen Platz in einem von Männern dominierten Bereich zu kämpfen zum Beispiel.

Typische popkulturelle Fallstricke

Manche Texte kommen allerdings provozierend eindimensional daher – zum Beispiel, wenn es um das vieldiskutierte Thema des Schwangerschaftsabbruches geht. So nimmt eine Autorin lieber mehrere Abtreibungen in Kauf, als mit der Pille zu verhüten. Denn die sei ein Mittel, um "die Sexualität der Frau zu kontrollieren". Tja: Auch die Popkultur steckt voller Klischees.

Insgesamt aber ist "Hot Topic" ein abwechslungsreiches und lustiges Buch geworden. Zum Beispiel, wenn Mrs. Pepstein von ihren spannenden Radio-Interviews erzählt, Birgit Binder in die Welt der Drag Kings eintaucht oder die Britta-Sängerin Christiane Rösinger in ihrem ganz eigenen Humor über das Leben der Lo-Fi-Bohème schreibt: Während die anderen Leute schwer beschäftigt sind und von einem Projekt zum nächsten jagen, hat sie die Zeit, um im Park spazieren zu gehen oder im Café zu sitzen – Geld verdient ja sowieso keine/r.

Feminismus, so jedenfalls behauptet es der Duden, ist "eine Richtung der Frauenbewegung, die, von den Bedürfnissen der Frau ausgehend, eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Normen (z.B. der traditionellen Rollenverteilung) u. der patriarchalischen Kultur anstrebt". Warum aber ist Feminismus heute Pop? Vielleicht, weil er einfach um einiges vielfältiger ist als noch vor 30 Jahren.

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Sonja Eismann (Hg.): Hot Topic. Popfeminismus heute (Ventil Verlag 2007, 14.90 €)
Wir verlosen 2 Exemplare des Buches - und zwar hier.



Judith Taudien, 26, studiert in Potsdam und lebt in Berlin – zurzeit aber im schwedischen Lund.

Foto: ©Ventil Verlag



www.plastikmaedchen.net
Sonja Eismanns Popfeminismus-Seite Plastikmädchen.net

www.feministing.org
Feministing.org ist einer der bekanntesten popfeministischen Blogs weltweit (englisch).

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