Wir sind Helden

Martin Suter / Heinz Strunk

22.6.2007 | Peter Disch | Kommentar schreiben
Pilze ausprobieren mit Hippies im Wald oder Frühschoppen mit Blasorchester: Ordentlich Lesestoff empfehlen Jean-Michel und Mark von "Wir sind Helden".
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Mark Tavassol: Ich empfehle Martin Suter, einen zeitgenössischen Schriftsteller aus der Schweiz, dessen Geschichten alle in seiner Heimat spielen. Seine Hauptthemen sind Identitätsfragen, in einem Buch taucht Alzheimer auf, in einem anderen Amnesie. "Die dunkle Seite des Mondes" handelt von den psychedelischen Erfahrungen eines Anwalts, der sich von seiner Frau trennt. Seine neue Freundin nimmt ihn mit auf einen Ausflug in den Wald, wo er mit Hippies Pilze ausprobiert, darauf hängen bleibt und die Hölle durchmacht. Ein spannendes Buch! Keine Hommage an Drogen, macht vielleicht sogar ein bisschen Angst davor. Aber es ist sehr schön zu lesen, wie sich dieser Mann im Laufe des Buchs entwickelt.

Jean-Michel Tourette: "Fleisch ist mein Gemüse" von Heinz Strunk schildert auf sehr amüsante Art das manchmal eher unschöne Leben des Tanzmusikers. Dieser Kelch ging in der Vergangenheit auch nicht ganz an mir vorbei. Ich habe schon bei solchen Anlässen gespielt, zum Beispiel bei Schützenfesten zum Frühschoppen. Die Leute waren eigentlich gar nicht im Bett gewesen. Die Blasorchester aus dem ganzen Umkreis spielen ihre zünftigen Weisen, alle 20 Minuten kriegt man ein Zeichen – "So, jetzt rauf!" –, spielt halbwegs motiviert einen Song, der nach der Hälfte abgewürgt wird, weil das nächste Blasorchester reingewunken wird. Ich habe das nicht lange gemacht, aber beim Lesen teils herzhaft gelacht, teils durchfuhr mich der Schmerz der Erinnerung – und natürlich auch Erleichterung darüber, dass es heute vorbei ist.

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Martin Suter: Die dunkle Seite des Mondes (Diogenes 2001, 9.90 €)





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Heinz Strunk: Fleisch ist mein Gemüse. Eine Landjugend mit Musik. (Rowohlt 2004, 8.90 €)




Im Herbst 2003 ebneten Wir sind Helden der Renaissance der deutschsprachigen Popmusik gleich mit ihrer ersten Single "Guten Tag (Die Reklamation)" den Weg. Direkte Texte, eingängige Melodien und eine Nase für Themen, die in der Luft liegen, machten das Berliner Quartett zu einer der erfolgreichsten deutschen Bands. Nachdem Sängerin Judith Holofernes und Schlagzeuger Pola Roy vergangenes Jahr heirateten und ihr erstes Kind, Sohn Friedrich, zur Welt kam, ist gerade das dritte Helden-Album "Soundso" erschienen.

Foto: ©Sven Sindt, www.wirsindhelden.com

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