Seit Ende Januar 2006
gibt es "li-lak", eine deutsch-arabische Jugendwebsite, die von den Goethe-Instituten im Nahen Osten und Nordafrika betreut wird. Wer mag, kann hier Texte, Fotos oder seine/ihre
Lieblingslieder veröffentlichen. Li-lak ist arabisch und bedeutet "für mich - für
dich". Daher sind auch alle Beiträge auf Deutsch und Arabisch zu lesen.
fluter.de veröffentlicht einen li-lak-Beitrag zum Thema Religion von Issam aus
Kairo.
"Bezeugt, dass Gott, der Barmherzige und Gütige, Buße
empfängt und die Schulden aller vergibt. Wer verleiht dem Unterdrückten den
Sieg und erwidert die Gebete? Er mäßigt eure Einsamkeit und erfüllt eure verlassenen
Herzen mit seiner Liebe. Mit seiner Liebe liebt er euch und vergibt euch.
Betet!"

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Damals war ich noch jung, voller Glauben und Ehrfurcht vor
Gott. Jeden Freitag ging ich zur Predigt. Nach jedem Gebet saß ich mit dem
Scheich der Moschee zusammen, der mit mir den Koran einstudierte. Wie sehr
liebte ich es, der Rezitation des Korans zu lauschen, während ich darin las.
Ich mochte meinen Scheich sehr. Seine Stimme war so eindrucksvoll, dass sie mir
vor lauter Rührung die Tränen in die Augen treiben konnte. Oft hatte ich das
Gefühl, ich sei im Paradies, aus dem mich nichts und niemand hätte vertreiben
können.
Wer bin ich?
"Hey, Issam! Wie geht's dir? Was machst du so?", fragte mich
Hibba, eine meiner Mitschülerinnen im Deutschunterricht. Ich hatte sie längere
Zeit nicht gesehen, aber sie hatte sich nicht groß verändert. Es waren meine
ersten Tage an der Universität. Seltsam, dass sie sich immer noch an mich
erinnerte, obwohl ich selbst sie nie angesprochen habe. Zu dieser Zeit aber
wollte ich keine Mädchen ansprechen. Daran erinnerte ich mich und betrachtete
verlegen ihre Hand, die sie mir zur Begrüßung hinhielt. Ich hatte keine Ahnung,
wie ich mich verhalten sollte. "Tut mir leid, ich bin nicht Issam." Verwundert
blickte sie mich an. Ihr erstaunter Gesichtsausdruck ist mir immer noch
gegenwärtig. Vielleicht fragte sie sich, weshalb ich sie auf diese Weise
zurückwies.
Zu dieser Zeit war ich sehr zurückhaltend. Ich weiß nicht
genau, woran es lag. Hasste ich meine Mitmenschen oder konnte ich einfach nicht
mit ihnen zusammensein? Vielleicht lässt sich mein Hang zur Religion ja damit
erklären. Aber wer bin ich jetzt? Ein gläubiger Mensch, der regelmäßig betet,
in die Moschee geht und stets eine kleine Ausgabe des Koran bei sich trägt.
Darin lese ich, wo und wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet. Den Gruß
der Leute erwidere ich nur, um vor ihnen gut dazustehen. Aber ist das der
Mensch, der ich sein wollte? Will ich mich meinen Mitmenschen gegenüber
gleichgültig oder gar unfreundlich verhalten, und bin ich überhaupt mit mir im
Einklang? Was habe ich bloß mit mir angestellt? Ich wählte die Religion als
Zuflucht vor meinen Problemen und den Menschen.
Ein neuer Issam
In jenem Moment begriff ich, dass ich eine Veränderung
brauchte. Ich traf eine Entscheidung. Wer, wollte ich wissen, möchte ich in Zukunft
sein? Wie sollte mein Leben aussehen? Das ist meine neue Religion. Wie sehr
habe ich früher Musik geliebt. Worauf also noch warten? Den alten Issam gibt es
nicht mehr. Der neue Issam ist ein ganz anderer. Ich spiele Oud und nehme dreimal
in der Woche Musikunterricht. Ich hätte früher nie gedacht, dass Kunst mich so
packen könnte.
Oft denke ich darüber nach, wie es wäre, wenn ich schon als Kind mit der
Musik begonnen hätte. Wäre ich heute glücklich? Natürlich wäre mein Spiel viel
besser gewesen. Trotz meiner bescheidenen Performance ist das für mich Glück,
mit meinen Freunden zusammenzusitzen und Musik zu spielen. Ich kann mich noch
daran erinnern, dass das erste Stück, was ich ihnen vorspielte, ein altes Lied
war. "Was ist das für eine Musik, Issam?", fragten sie. "Das ist 'Du quälst
mein Herz' von Um Kulthoum." "Ah!", lachten sie. "Und warum fällst du uns mit
ihr auf die Nerven?"
Issam Muhammad
Hassan ist 23 Jahre alt und kommt aus Kairo. Zurzeit studiert er Mechatronik
in Paderborn.
Foto: Privat
www.goethe.de/li-lak
Die deutsch-arabische Jugendwebsite li-lak
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Umm Kulthum (ihr Name existiert in verschiedenen
Schreibweisen) war die wohl berühmteste ägyptische Sängerin.
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