Elf nackte Männerärsche. Ruppige Witze. Schäbige Kacheln. Wasser, Schaum und Bier. Ich bin 17 und spiele in einem ganz normalen Fußballverein. Frank schäumt sich gerade den Bauch ein. Dann schlägt er mir - damit Freude aufkommt - urplötzlich mit Höllenwucht auf den Rücken und dann brüllt er mir - damit noch mehr Freude aufkommt - mitten ins Ohr: "Geeeiiiles Tor!" Mein rechter Arm umschlingt seinen Hals, ich halte seinen Kopf unter eiskaltes Wasser. Frank rudert mit den Armen. Ich lasse los, nehme meine Bierflasche vom Boden und proste gegen seine, die er auf dem Shampoo-Halter abgestellt hat. Frank lacht. "Voll die Schwuchtel, dein Gegenspieler", gröhlt er. Ich sage: "Weißt du gar nicht." Frank: "Ich habe die Nase. Ich rieche das. Ich rieche jeden Homo auf zehn Meter." Auf ziemlich genau 3,76 Zentimeter Entfernung, nackt unter der Dusche, versagte seine Nase aber immer und immer wieder.
Was mit einem Typen?
Klingul, klangul, Telephon.
Frank: Hallo. Was geht in der großen Stadt?
Tobias: Ich spiele wieder Fußball.
Frank: Stark. Ich bin immer noch bei der alten Truppe. Haben Sonntag Lamspringe 5:2 gekillt.
Tobias: Ich spiele jetzt in einer Schwulenmannschaft.
Frank: Was? Ist das schick bei euch? Was willst du in so einer Mannschaft?
Tobias: Na ja. Ich lerne da spielend Typen kennen, denen ich in der Disco erst
mal zwei Kölsch spendieren müsste.
Frank: Nö, du bist doch keine Tunte.
Tobias: Ich bin schwul.
Frank: Und was heißt das jetzt? Trägst du rosa Seidenslips? Fasst du dir jetzt beim Tanzen immer an den Sack? Isst du den Döner jetzt ohne die scharfe rote Soße, Zwiebeln und Peperoni?
Frank spuckt die Worte "rosa Seidenslips" schnell aus, als ekelte es ihn, sie länger im Mund zu behalten. Er sagt "Döner essen", nicht wie meist "Döner kippen" oder "Döner fressen".
Tobias: Nein, Frank, ich ...
Frank: Aber du hast es mit Typen?
Tobias: Ja, Frank, ich ...
Frank: Mach dir keine Sorgen, Tobias. Ich erzähle es keinem. Du bist krank. Werde wieder gesund. Ruf mich an, wenn du wieder gesund bist. Ehrlich, ruf mich an. Ich warte darauf.
Sanfte Ballverführung
Das Trikot klebt an mir, weil es ununterbrochen regnet. Der Ball klebt an meinem Fuß. Drei Meter vor mir stehen zwei Gegner frei. Wir spielen in Unterzahl. (Jörg ist nach fünf Minuten vom Platz geflogen, weil er den Schiri mit "Du dumme Kuh" beschimpft hat.) Die Sieben rennt jetzt frontal auf mich zu. Christoph brüllt: "Spiel den Typen aus, der hat doch nicht mal eine Frisörlehre!" Ich führe den Ball mit dem rechten Fuß, verlagere ihn aber im letzten Moment - mit einer sanften Streicheleinheit - auf den linken und passe nach vorn, wo sich Daniel vom Verteidiger gelöst hat. Das Schützenfest ist eröffnet und der gegnerische Torwart muss wieder und wieder hinter sich greifen. Nach dem 4:0 zuckt Christian mit den Schultern, während er in unsere Hälfte zurückkehrt. Er sagt: "Ich hätte den Torwart nicht tunneln sollen. Der sieht so süß aus und jetzt guckt er mich immer böse an." Der hat Probleme. Die andere Mannschaft hat Probleme, als viele merken, mit wem sie es zu tun haben. "Das darf meine Freundin nie erfahren, wie uns diese Typen hier die Ärsche versohlt haben", sagt Herbert, kahlrasiert, Boxernase, auf dem Weg in die Kabine. Ein anderer, normale Nase: "Das ist weniger so eine Sache mit unseren Ärschen, mehr so mit dem Selbstvertrauen."
Sweet honey!
Tante: Sag mal, Tobias, duscht ihr da etwa hinterher alle zusammen?
Tobias: Ja. Und vorher. In der Halbzeit. Bei Standardsituationen. Zum Aufwärmen. Immer wenn das Publikum jubelt. Und wenn der Platz nicht bespielbar ist. Außerdem jedes Mal, wenn David Beckham mit seinem Privatjet über unserem Vereinsheim abstürzt, durch das Flachdach in den Duschraum einbricht und sich mit einer lasziven Handbewegung Putz und Brösel aus den Haaren wischt. Beckham flüstert dann: "Leihst du mir ein Handtuch?" Ich antworte dann immer: "Es ist wunderschön, dass du wieder da bist, sweet honey."
Tante: Wer ist denn dieser Beckham?
Tobias Peter ist 24 Jahre alt, spielt seit 16 Jahren Fußball und studiert seit vier Jahren Journalistik in Dortmund.
www.freitag.deHarte Jungs: ein lesenswerter Artikel über die Vorurteile, denen Schwule gerade im Fußball begegnen
www.vorspiel-fussball.deDie schwule Fußballmannschaft des Schwul-Lesbischen Sportvereins Berlin existiert seit über 17 Jahren. Sie wurde damals von einigen Enthusiasten als Gegenbeweis für die These, Schwule könnten nicht Fußball spielen, gegründet und war damit einer der Vorreiter in Europa
www.dradio.deDer Beau am Ball: ein Gespräch über David Beckham
www.indirekter-freistoss.deDie Homepage des Fußballmagazins Indirekter Freistoß mit unter anderem einem Gespräch eines schwulen Fußballers mit einem nichtschwulen Kollegen
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