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Journalist/in: queere Schreibe

1.11.2003 | Silke Kettelhake | Artikel drucken

Manuela Kay (*1964) ist Buchautorin und freie Journalistin für "queere" Themen in Kultur und Sexualität. Kay wäre am liebsten Astronautin geworden - doch sie ist die Chefredakteurin von "L.mag", einem der wenigen deutschen Lesbenmagazine, und schwer damit beschäftigt, "eine lesbische Mafia" aufzubauen. Die Frau mit den kurzen Haaren und den großen Augen ist, wie sie sagt, bekennende Sexistin. Ein Gespräch über Zeitschriften, Leser/innen und die Frage, was auf das Cover eines Lesben-Magazins gehört.

Erfolgreich und lesbisch, ist das eher ungewöhnlich?

Ich bin Quereinsteigerin: ich habe mich schon immer in schwule Nester gesetzt. Aus einem schwulen Radioprogramm, dem Eldoradio, habe ich eine schwul-lesbische Sendung gemacht. Reine Frauenparties und -cafés, das finde ich vollkommen überholt. Mich bedrohen Männer nicht, die können ruhig mitfeiern.

War es schwer, sich durchzubeißen?

Du kommst nicht benachteiligt auf die Welt. Klar, es gibt Nachteile für Schwule und Lesben als Minderheit. Der Homosexuelle gilt als pervers, komisch, inakzeptabel.

Hat dein lesbisch Sein Vorteile?

Ich konnte mir viele Vorteile verschaffen. Ich bin in Berlin aufgewachsen und konnte mich frei entfalten. Außerdem bin ich mit einem ziemlich starken Durchsetzungswillen geboren.

Wie ist die Verteilung von Schwulen und Lesben bei "L.mag" oder der "Siegessäule"?


Der Verleger von "L.mag" ist schwul, es war seine Idee und sein Geld, bis endlich "L.mag" erscheinen konnte. Die "Siegessäule" ist zwar das einzig echte schwul-lesbische Stadtmagazin; aber ich war viele Jahre die einzige lesbische Redakteurin.

Das neue "L.mag" orientiert sich an den anderen neuen Pocketformaten: “Typische“ Frauenthemen wie Kochen, Psychoecke sind auch hier Thema. Sind Lesben da nicht kritischer?

Millionen von Leserinnen können nicht irren. Die Frau an sich ist gemeint, ob lesbisch oder nicht. Bei uns erscheint das eher mit einem Augenzwinkern, so zum Beispiel die Horoskopecke - Lesen soll Spaß machen! Wir sehen uns als Illustrierte für Lesben. Das Format kann frau sich einfach in die Jackentasche einstecken - nicht alle Lesben stehen ja auf Handtaschen.

Weg von der typischen Kurzhaarlesbe: unter der Rubrik Aussehen geht's bei euch um lange Haare. Ist das ein Abschied vom traditionellen Lesbenbild?

Mir geht es darum, Lesben zu zeigen, die sehr souverän sind. Vielfältigkeit ist uns wichtig! Oder die Lesbe in der Rubrik Beruf: Nicht alle Lesben sind Lastwagenfahrerin oder stehen im Overall auf der Tankstelle! Wir wollen zeigen, dass Lesbischsein etwas ganz Normales ist. Eben Frauen, die voll im Leben stehen.

Wer liest "L.mag"?

Altbacken, asexuell, öko - von wegen! 34% unserer Leserinnen sind Akademikerinnen und leben in einer monogamen Zweierbeziehung, wie wir in unserer Umfrage erfahren haben. Nur 54% sind am Arbeitsplatz offen homosexuell, in der Schule sind es nur 26%. Die Zielgruppe ist nicht einfach, Lesben fühlen sich schnell schlecht repräsentiert - oft typisch für Minderheiten.

Wie alt sind eure Leserinnen?

Sie werden immer jünger, zwischen 20 und 39 Jahren. Frauen aus älteren Generationen brauchten länger, um sich zu outen, da wurde erstmal geheiratet, Kinder in die Welt gesetzt - bis sie merkten, ach, ich stehe ja doch auf Frauen.

Ist "L.mag" auch in der Ästhetik queer?


Wir zeigen auf den Covern von "L.mag" zwei Frauen, denn eine Frau ist ja immer auf der Titelseite, sex sells, egal ob bei einer Fernsehzeitschrift oder beim Spiegel. Die beiden Frauen beziehen sich aufeinander, das können nur Lesben sein.

Fühlst du deine Interessen als Lesbe in der Tagespresse vertreten?

Überhaupt nicht, hier wird über Homosexualität gesprochen, gemeint werden aber Schwule. Allgemein wird immer noch geglaubt, Homosexualität meine schwul. Homosexuell heißt aber gleichgeschlechtlich veranlagt!

Sind die Definitionen noch wichtig?


Ich benutze lieber den Queer-Begriff, das ist die weitere Fassung von schwul-lesbisch, transsexuell und so weiter fällt auch darunter.

Hast du Vorbilder?

In den USA, ganz klar. In den 20er-Jahren gab es in Deutschland aber schon "Die Freundin". Hut ab vor der Courage.

Silke Kettelhake ist fluter-Redakteurin.

Foto: Manuela Kay






Zahlreiche Zeitungen und Rundfunkanstalten bieten Volontariate an. Die Ausbildung zum Zeitungs- oder Radio/TV-Redakteur dauert meist 18 bis 24 Monate. Daneben gibt es eine Anzahl von Journalistenschulen, an denen man sich zum Journalist ausbilden kann. Die wichtigsten Adressen mit Informationen zur Ausbildung und den Bewerbungsfristen:

www.journalistenschule.de
18-monatige Journalistenausbildung, berühmte Abgänger, seit 1979

www.berliner-journalisten-schule.de
Einrichtung des Deutschen Journalistenverbandes, Weiterbildungsangebote

www.djs-online.de
Kaderschmiede in München, Nähe zur Süddeutschen Zeitung

www.rtl-journalistenschule.de
RTL Journalistenschule für TV Multimedia, seit 2001

www.journalistenschule-ruhr.de
Weiterbildung für Volontäre und Redakteure

www.koelnerjournalistenschule.de
Ausbildung von Fachjournalisten für Wirtschaft und Politik, seit 1968

www.evangelische-medienakademie.de
Älteste Institution für journalistische Aus- und Fortbildung

www.asv.de
Axel Springer Journalistenschule