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Das Leben ist Bushism

Amerikas größter Kritiker

18.11.2003 | Dirk M. Oberländer & Samir Omar | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Irgendwie möchte die gediegene Atmosphäre des Westin Grand Hotels nahe der Berliner Friedrichstraße nicht so recht zur Veranstaltung passen. Künstlicher Stuck schmückt die zu niedrige Decke, Kronleuchter mit Kerzenbirnen beleuchten den Saal mit seiner goldverzierten Wandverkleidung. Zahlreiche Medienvertreter warten auf Michael Moore, 49, Filmregisseur und Erfolgsautor, der mit seinem neuen Buch "Volle Deckung Mr. Bush" auf Lesereise durch die Republik tourt. Mit der einem Prominenten angemessenen Verspätung betritt Moore den Saal, in typischem Outfit: Verwaschene Jeans, weites Hemd und die obligatorische Baseballkappe über dem breit grinsenden Gesicht. Entspannt nimmt er zur Kenntnis, wie sich die zahlreichen Fotografen um die besten Plätze prügeln, um anschließend genüsslich die vielen Journalistenfragen zu beantworten.

Sie sind jetzt durch halb Europa getourt. Konnten Sie unterschiedliche Meinungen Ihrer Zuschauer zum Irakkrieg bemerken?

Moore: Ich war in Schottland, England, ach in halb Europa und überall gab es ähnliche Reaktionen. Die Menschen haben nichts gegen Amerikaner als Individuen. Aber die Menschen sind erbost über die Außenpolitik eines Präsidenten, der nicht mal richtig gewählt worden ist.

Was raten Sie den Deutschen?

Moore: Ich habe gehört, dass hier der Besuch von Schulen und Universitäten umsonst ist. Das sollten sie erhalten. Sie sollten sich gegen Sozialabbau wehren. Weniger Sozialleistungen bedeuten mehr Armut und das erzeugt Kriminalität und führt automatisch zu Gewalt und Problemen mit Waffen.

Haben Sie Präsident Bush eigentlich einmal persönlich getroffen?

Moore: Ja, während seines Wahlkampfes 2000. Er sagte, hallo Michael, such dir mal einen richtigen Beruf. Und ich entgegnete, bitte ruf meinen Vater an und frage ihn, ob er mir nicht eine Ölfirma kauft oder eine Baseballmannschaft zum Geburtstag schenkt.

Was haben Sie eigentlich damals bei der Oscarverleihung noch sagen wollen, als Ihnen das Mikrofon abgeschaltet wurde?

Moore: Ich wollte ursprünglich noch einen Appell an Mr. Bush loswerden: "George, wenn du den Papst, die Dixie Chicks und mich gegen dich hast, bist du eindeutig auf dem falschen Weg".

Sie haben Ihr Studium nie beendet, warum?

Moore: Ich musste immer mit dem Auto zum College fahren und habe nie einen Parkplatz gefunden. Eines Tages habe ich eine Stunde lang gesucht und dann habe ich mir gesagt: "Fuck Off". Aber ich kann das nicht empfehlen, denn es dauerte über 17 Jahre bis ich mal mehr als 15.000 $ im Jahr verdient habe. Also beendet eure Ausbildung und denkt daran, drei Mal am Tag die Zähne zu putzen.

Wenn Sie drei Wünsche für das kommende Jahr frei hätten...

Moore: Ich würde gerne 40 Pfund abnehmen. Oder meinen Sie globale Ziele? Das wissen wir doch alle, das George W. Bush nicht noch eine weitere Legislaturperiode weiter regiert.

Was würden Sie tun, wenn Sie für einen Tag Präsident wären?

Moore: 1. Ich würde den "Patriot Act" sofort aufheben, 2. alle Truppen aus dem Irak abziehen und 3. freies Kabelfernsehen für alle. Wissen Sie, es gibt nur einen guten Sender in den USA und den kann man nur kostenpflichtig über Kabel (HBO) empfangen.

Ihnen wird oft vorgeworfen immer nur zu kritisieren aber keine Lösungen vorzuschlagen.

Moore: Oh doch, ich schlage in meinem Büchern Lösungen vor. Im Übrigen werfen Sie das einem Arzt, der bei Ihnen Krebs diagnostiziert, ja auch nicht vor, keine Lösung zu haben. Es geht doch darum, die Ursachen aufzuzeigen.

Wie genau sind Ihre Bücher recherchiert?

Ich recherchiere genau und beschäftige ein Team von Leuten, das die Fakten "gegencheckt". Außerdem beschäftige ich vier Anwälte, die alles gegenlesen, bevor ein Buch in Druck geht. Und man muss genau zwischen Fakten und meiner Meinung unterscheiden. Wenn ich schreibe, es gibt soundso viele Waffen in den USA, stimmt das auch. Wenn ich aber schreibe ich bin der Meinung, das sind zu viele, kann jeder versuchen mich vom Gegenteil zu überzeugen.

Was sind ihre nächsten Projekte?

Moore: Ich arbeite gerade an einem neuen Filmprojekt. Es heißt Fahrenheit 9/11, die Temperatur bei der die Wahrheit anfängt zu brennen.

Dirk M. Oberländer und Samir Omar schreiben für www.monomag.de

Foto: ©
Dog Eat Dog Films


www.michaelmoore.com
Die Homepage von Michael Moore

www.michael-moore-kommt.de
Die Tourdaten der Lesereise von Michael Moore. Hier kann man auch Karten bestellen

www.piper.de
Hier gibt es mehr zum neuen Buch von Michale Moore. Hast du das Buch vielleicht schon gelesen? Lohnt es sich zu kaufen - oder nicht? Schreib doch eine kurze Kritik bei uns im Forum Deine Buchkritik.

www.dogeatdogfilms.com
"Dog eat dog" ist Michael Moores Produktionsfirma




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