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Wirkcamps: Endlich mal was tun

Ideen umsetzen, in Gruppen arbeiten

5.6.2010 | Patrick Rein | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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"Eigentlich sollte ich etwas dagegen tun", denken wahrscheinlich viele Jugendliche, wenn sie wieder einmal von den aktuellen Problemen der Menscheit hören. "Bloß wann und wo?", geht der Gedanke vielleicht bei vielen weiter. Moderne Ausbildungen und Studiengänge lassen wenig Zeit für zusätzliches Engagement. Gleichzeitig wirken manche etablierten Initiativen so groß und abstrakt, dass man kaum das Gefühl hat, dort etwas bewegen zu können. Für alle, denen es so geht, gibt es nun eine Lösung: ein "Wirkcamp".

Unter dem Motto "Weltretten am Wochenende" kann man auf einem Wirkcamp all sein aufgestautes Engagement in nur drei Tagen loswerden. Das grundlegende Konzept ist einfach. Junge Menschen aus ganz Deutschland treffen sich für ein Wochenende, um intensiv in einer Gruppe gemeinsam zu arbeiten – zu synergieren. Sie bringen dabei alle ihre eigenen Ideen und Fähigkeiten mit ein und schaffen etwas, das sie alleine nicht vollbracht hätten.

Auf dem vergangenen Wirkcamp im Mai in Leipzig gab es sieben solcher Projekte. Zum Beispiel ein vegetarischer Aktionstag in der Mensa oder der Bau eines Beachvolleyballfeldes auf einer Brache in der Stadt. Ina Weisser, die das Camp mitorganisierte, findet, dass es genau auf diese Ergebnisse ankommt: "Wenn wir alle dann nach einem Wochenende konzentrierter Arbeit und regem Austausch vor den Ergebnissen stehen und staunen – dieses Gefühl des 'Wir haben etwas geschafft' ist es, worum es uns geht."

Typisch für unsere Zeit?
 
Die Projekte sollen, so sind die Bedingungen, ein konkretes Ergebnis ansteuern, zeitlich klar abgesteckt sein und dabei eine bunte Mischung von Menschen zusammenbringen. Das Wirkcamp stellt dafür aber nur den Rahmen. Jede Arbeitsgruppe entscheidet selbst, wie viel sie tun möchte. Wer selbst eine Idee hat, kann natürlich auch eine eigene Gruppe aufmachen.

Alles in allem ist die Idee des Wirkcamps typisch für unsere Zeit: kompakt, pragmatisch und nachhaltig. Carl-Friedrich Schleussner, ein weiterer Hauptorganisator des letzten Camps, findet: "Das Wirkcamp ist meines Erachtens die Aktionsform unserer Zeit. [...] Wir glauben aber, dass dennoch ein großes Verlangen nach Einmischung gerade unter jungen Leuten da ist. Deshalb musste etwas Neues her, eine Art Open-Source-Ansatz im Real Life – deshalb gibt es das Wirkcamp."

Veranstaltet wurde das Camp von der Gruppe "Synagieren - Initiative für gemeinsames Handeln". Die "Synagenten", wie sie sich selbst nennen, hatten bereits 2009 in Würzburg ein Wirkcamp veranstaltet. Momentan versuchen sie das Konzept auch auf andere Städte auszuweiten.

Arbeiten, Denken, Feiern

Auch die persönliche und menschliche Entwicklung der Teilnehmer/innen ist ein Ziel des Wirkcamps. Nach getaner Arbeit bekommt man durch Vorträge weitere Anregungen. So gab es in Leipzig unter anderem eine Podiumsdiskussion über den "Grünen Kapitalismus" und einen Vortrag über Biodiversität. Und damit der Spaß nicht zu kurz kommt, gehören auch Partys zum Abendprogramm.

Aber was kann man in drei Tagen überhaupt erreichen? Die Antwort ist: Mehr, als man denkt. Dank des Wirkcamps in Leipzig gibt es nun zum Beispiel ein Beachvolleyballfeld in der Stadt mehr und eine Brache weniger. Die konsumkritische Stadtführung Leipzig hat bessere Werbemittel, und eine neue Kampagne informiert über den Stromverbrauch des Internets. Wie viel man selber zum Wirkcamp beigetragen hat, mag einem gering erscheinen – spätestens bei der Abschlusspräsentation ist man aber beeindruckt vom Umfang der erreichten Verbesserungen. Einige Aktionen gehen auch weit über das Wirkcamp hinaus: zum Beispiel die Aktion "xtinct", die seit dem Wirkcamp von 2009 mit ausgefallenen T-Shirtmotiven auf das Artensterben in der Tierwelt aufmerksam macht. Alles, was es damals für die Aktion gebraucht hat, waren drei Tage und einige junge Menschen, die etwas verändern wollten.

Patrick Rein (21) arbeitete fast ein Jahr lang für das Schwäbische Tagblatt in Tübingen und studiert mittlerweile IT-Systems-Engineering am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam.

Fotos: ©Patrick Rein


www.synagieren.de
Alles über das Konzept Wirkcamp und Synagieren

www.xtinct.info
Die Kampagne xtinct entstand auf dem Wirkcamp 2009.

www.littlebird-ma.de
littlebird - ein Social-Franchising-Unternehmen von Studenten/innen, das 2009 auf dem Wirkcamp entstand. Auf dem Wirkcamp von 2010 wurde ein Lehrbuch für neue Angestellte erstellt.




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