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Oh, mein Paderborn

Leben in der ostwestfälischen Provinz

4.4.2005 | Oliver Gehrs | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Wenn man Mitleid in seinem Freundeskreis erregen will, muss man nur erzählen, dass man aus Ostwestfalen kommt. Manche kichern, andere schauen einen bedauernd an - selbst dann, wenn sie selbst aus dem Sauerland kommen oder aus Unterfranken. Ostwestfalen steht als Synonym für das provinzielle Nirgendwo, das man nicht mal weiter beschreiben muss. Lohnt sich nicht, zu uninteressant.

Lacherfolge erzielt auch der Name Paderborn. Paderborn steht für piefigste Provinz, schwarz wie die Nacht, erzkatholisch. Meist kommt der Spruch: "Gott sprach: Es werde Licht, nur an zwei Orten blieb es finster, das waren Paderborn und Münster." Während Münster aber als so eine Art Freiburg im Nordwesten gilt (Fahrräder! Öko-Bier!! Frauen!!!) riecht Paderborn förmlich nach Priesterseminar und langweiligen Informatikstudenten. Ich bin übrigens aus Paderborn.

Bescheidene Menschen

Als ich nach Berlin gezogen bin, habe ich das niemandem gesagt. Aus der Nähe von München, war meine Antwort, wenn mich jemand gefragt hat, woher ich komme, (und in Berlin wird man ständig überall gefragt, wo man EIGENTLICH herkommt) Starnberg, die Ecke. Selbst meiner ersten Freundin in Berlin habe ich nicht die Wahrheit gesagt. Bis wir Trivial Pursuit spielten und mir die Frage gestellt wurde, wie der Münchener Karlsplatz im Volksmund heißt. Ich musste passen.

Obwohl mir Paderborn peinlich war, bin ich erst mal jedes Wochenende zurückgefahren. Natürlich in einem alten Mercedes mit Berliner Nummernschild, mit dem ich durchs Kneipenviertel gecruist bin (ja, es gibt dort Kneipen!). Ich habe auch ab und zu "icke" gesagt. Einmal hat mich der Tankwart meines Vaters gefragt, ob das stimme, dass ich nun in Berlin sei. Und als ich stolz bejahte, hat er mich gefragt, ob das immer noch so schlimm sei mit der Christiane F.

Das beschreibt die ostwestfälische Mentalität ganz gut. Man schaut staunend auf die Welt, muss sie aber nicht selbst kennen lernen. Ostwestfalen reicht. Es gibt keine bescheideneren Menschen als Ostwestfalen. In Paderborn reicht zum Beispiel ein einziges Volksfest, um die Menschen bei Laune zu halten. Es heißt Libori und dazu werden die Gebeine eines Heiligen durch die Stadt getragen und anschließend ein Riesenrad aufgebaut. Dann ist eine Woche Kirmes und danach freuen sich schon wieder alle auf das nächste Jahr.

Mystische Orte

Mittlerweile stehe ich zu Ostwestfalen. Es klingt nun in meinen Ohren fast exotisch, vor allem in Zeiten, in denen alle ständig durch die Welt jetten. Nach Paris, nach Kho Samui, nach Kuba und sonst wohin. Ich gehe nun offensiv damit um. Wenn jemand fragt, wo Paderborn liegt, schüttle ich den Kopf in einer Mischung aus Amüsement und Unverständnis. Ich schwärme dann kurz von mystischen Orten wie dem Teutoburger Wald, dem Hermannsdenkmal oder den Extersteinen und gehe.

Neulich war ich mit meiner Freundin in Ostwestfalen. Sie wollte unbedingt sehen, woher ich komme. Bevor wir nach Paderborn fuhren, hat mir meine Mutter genau gesagt, über welche Wege wir uns der Stadt nähern sollen - damit sie besonders schön wirkt. Es war nicht leicht, so einen Weg zu finden. Aber ich habe es versucht.

Oliver Gehrs schreibt als Autor für verschiedene Zeitungen - und lebt immer noch in Berlin.

Foto: Ole Brömme



www.paderborn.de
Die Homepage der Stadt Paderborn mit Informationen zu Ostwestfalen, der Stadt und ihren Menschen

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Ostwestfalen - "alles rund um Land und Leute"




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