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Die bloggende Muslima

Malika Mouhdi schreibt im Netz über Gesellschaft, Religion und Politik

18.10.2011 | Anja Krieger | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Malika Mouhdi

Malika Mouhdi

Malika Mouhdi ist 24 Jahre alt und in Hoogezand im Norden der Niederlande aufgewachsen. Sie studiert internationales Facility-Management in Groningen und schreibt für das kollektive muslimische Blog "Wij Bleijven Hier", übersetzt "Wir bleiben hier". Ihr Motto: Andere so behandeln, wie sie selbst behandelt werden möchte.

Du bist eine der Bloggerinnen bei “Wij bleijven Hier”. Mit was für Themen setzt ihr euch da auseinander?

Das ist sehr divers. Unsere Themen reichen vom Bann rituellen Schlachtens bis zu sehr persönlichen, ernsten oder lustigen Erlebnissen. Für Muslime ist es nicht leicht, eine Plattform zu finden, wo sie ihre Meinungen sagen können. Deshalb, denke ich, ist "Wij Bleijven Hier" so wichtig, für Muslime wie Nicht-Muslime. Das Blog gewährt einen Einblick in die muslimische Vielfalt.

Wie kam es dazu, dass du bei “Wij Bleijven Hier” mitmachst?

Ich traf Faisal Mirza, der das Blog initiert hat. Er fragte, ob ich Lust hätte, einen Artikel für WBH zu schreiben. Kurz darauf fing ich an mitzubloggen. Ich würde sagen, ich hatte immer eine Meinung zu bestimmten Themen. Aber es gab kein Medium, wo ich sie ausdrücken konnte. Dafür, dass ich auf dem Blog die Gelegenheit dazu bekomme, bin ich dankbar. Es war genau das, wonach ich gesucht habe, unterbewusst.

Über welche Themen schreibst du?

Einerseits sind das persönliche Erfahrungen, andererseits aktuelle Ereignisse. Kürzlich las ich zum Beispiel einen Artikel über den Gouverneur von Jakarta. Es hatte einen Vorfall in einem Minibus gegeben. Der Gouverneur empfahl Frauen daraufhin, keine Miniröcke mehr zu tragen. Später hat er sich dafür entschuldigt. Das habe ich thematisiert. Ich glaube an die Freiheit, sich so anzuziehen, wie man es möchte. Das ist nichts, wozu man andere zwingen kann, egal ob es darum geht, einen Minirock oder einen Gesichtsschleier zu tragen.

In einem anderen Blogpost schreibe ich einen Brief an König Mohammed VI. Es geht dabei um die geplanten Reformen. Ich habe einen überaus positiven und netten Brief an ihn geschrieben, und zwar aus zwei Gründen: Ich finde es unfair, Marokko und den König mit Lybien und Ghaddafi zu vergleichen. Überall las ich nur negative Nachrichten. Deshalb habe ich ein wenig übertrieben. Ich sage meine Meinung, nämlich dass Marokko – und ich glaube, das gilt auch für alle anderen arabischen und muslimischen Länder – einen Mentalitätswandel braucht. An der Korruption ist nicht nur der König Schuld. Nur wenn sich die richtige Einstellung verbreitet, kann es weitergehen. Den König zu stürzen, würde nichts ändern, weil dann möglicherweise noch korruptere Führer an seine Stelle treten.

Was für Reaktionen bekommst du auf deine Artikel?

Meistens reagieren dieselben Leute, von Muslimen bis Islamophoben. Das kann sehr positiv sein. Aber eine kleine Anzahl von Kommentatoren reagiert immer negativ, egal was du schreibst. Also ist mir das, ehrlich gesagt, egal. Manchmal schreibe ich, um eine Diskussion anzufachen, weil ich denke, dass es notwendig ist, dass die Leute sich damit auseinander setzen.

Würdest du sagen, dass die digitale Welt die Kommunikation zwischen Menschen verschiedenen kulturellen, politischen und religiösen Hintergrunds verändert hat?

Ich glaube, es hat unheimlich viel verändert. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, es ist für Muslime schwer zu zeigen, dass die meisten von uns nicht so sind wie das Bild, das von uns in den Nachrichten oder im Fernsehen gezeichnet wird. Das Netz gibt jedem die Möglichkeit, seine Sicht darzustellen.

Interview: Anja Krieger

Foto: ©privat



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