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Marsch, Marsch

Bei der Bundeswehr wird auch Musik gespielt

8.2.2011 | Patrick von Krienke | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Tag der offenen Tür im Bundeskanzleramt. Die Menschen flanieren durch das große, weiß getünchte Gebäude im Berliner Regierungsviertel. Später am Tag wird auch die Bundeskanzlerin noch ein Bad in der Menge nehmen. Dazu spielt die Kapelle im Ehrenhof "Berliner Luft". Nur an den kleinen Schulterstücken auf den kurzen blauen Hemden ist zu erkennen, dass die Musiker Soldaten sind. Es sind Mitglieder des Stabsmusikkorps der Bundeswehr aus Berlin. Es ist eines von insgesamt 18 Musikkorps der Bundeswehr und hat so genannte Protokollaufgaben. Sie spielen bei Staatsbesuchen oder anderen öffentlichen Veranstaltungen, wie eben dem Tag der offenen Tür.

Militärmusik – was ist das eigentlich?

Militärmusik versteht sich heute in einem viel weiteren Spektrum, als nur Truppenverbände beim Marschieren zu begleiten. "Als Militärmusik verstehen wir heute jede Musik, die von Soldaten in Uniform gespielt wird", erläutert Oberst Dr. Michael Schramm, der Leiter des Militärmusikdienstes der Bundeswehr. Er betont vor allem die geschichtlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Verbindungen der heutigen Militärmusik. "Wir müssen uns aufgehoben fühlen in unserem Land und in unserer Kultur. Das spielt eine vitale Rolle, die wir mit Musik verkörpern und unterstützen", findet Schramm.

Einheiten der ersten Stunde

In der Bundeswehr waren die Musikeinheiten die Soldaten der ersten Stunde. "Die erste vollständig aufgestellte Einheit der Bundeswehr war ein Musikkorps", sagt Schramm. Vor allem auf Betreiben des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer sei die Aufstellung der klingenden Abteilungen vorangetrieben worden. Der erste deutsche Kanzler strebte nach einer raschen Wiedergewinnung der Souveränität Deutschlands. Dafür brauchte er auch Orchester, die bei Staatsbesuchen aufspielen konnten. Innenpolitisch aber war die Wiederbewaffnung umstritten. So erhoffte sich Adenauer durch die Militärorchester positive Effekte auf die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber der neuen Bundeswehr.

1.100 Musik-Soldaten in 18 Einheiten

Früher hatte die Bundeswehr einmal 22 Musikkorps, heute sind es noch 18, von denen 14 sich gleichmäßig auf das Heer, die Marine, die Luftwaffe und die Streitkräftebasis aufteilen. Vier weitere haben besondere Aufgaben. Während das Stabsmusikkorps in Berlin den Protokolldienst versieht, also beispielsweise hohe Staatsgäste mit der Nationalhymne begrüßt, ist das Musikkorps der Bundeswehr für internationale Konzertauftritte zuständig. Die Big Band der Bundeswehr spielt vor allem Unterhaltungsmusik. Schließlich gibt es noch das Ausbildungsmusikkorps. Den Einheiten vorgesetzt ist ein so genanntes Zentrum Militärmusik. Es hat seinen Sitz in Bonn.

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Die meisten der gut 1.100 deutschen Militärmusiker sind Musikfeldwebel, die sich für mindestens zwölf Jahre für einen Dienst bei der Bundeswehr verpflichtet haben. Als Voraussetzung müssen sie bereits bei der Bewerbung ein Orchesterinstrument gut spielen können. Während der vierjährigen Ausbildung zum Musiker in einem symphonischen Blasorchester durchlaufen die Musiker auch vier Semester an der Musikhochschule Düsseldorf und legen schließlich die Feldwebelprüfung der Bundeswehr ab.

Identität und Kommunikation als Einsatzmittel

Trotz der modernen Einsatzrealität, wie zum Beispiel in Afghanistan, fühlen sich die Militärmusiker nicht antiquiert. Der oberste deutsche Militärmusiker sieht vor allem die identitätsstiftende Komponente der Musik. "Wenn Soldaten in ein Land gehen und dort einen Einsatz erfolgreich bestehen wollen, müssen sie Werte mitbringen", sagt Schramm. Daher erfülle die Militärmusik nicht nur bei Konzerten während der Einsätze, sondern bereits bei der Prägung und Identitätsstiftung im Inland einen wichtigen Zweck für die Bundeswehr. Einsätze wie in früheren Kriegen, bei denen Musikkorps auch hinter den Schützengräben oder als Direktunterstützung eines Sturmangriffes spielten, sind heute aber nicht mehr denkbar.

Militärmusiker sind nicht nur zu Konzertreisen im Auslandseinsatz. Zurzeit befinden sich drei Militärmusiker der Bundeswehr in Kabul und bilden dort das zentrale Stabsmusikkorps der Afghanischen Armee aus. Der Einsatz sei bisher sehr positiv aufgenommen worden, berichtet Schramm. Die Afghanen sähen sich dadurch nicht nur als Sicherheitsobjekte, sondern auch in ihrer Kultur wahrgenommen. "Schließlich zeigen wir denen nicht unbedingt, wie man 'Preußens Gloria' spielt, sondern vor allem, wie sie ihre lokale und nationale Musik mit klassischen Instrumenten entwickeln." Gleichzeitig werden drei afghanische Militärmusikoffiziere zurzeit in Hilden bei der Bundeswehr ausgebildet.

Zukunftsperspektive

Wie aber wird die eigene Zukunft aussehen? Zwar argumentiert die Führung des Militärmusikdienstes, dass die Bundeswehr die Musik als Mittel der Konfliktlösung und Konfliktverhütung nicht aus der Hand geben solle. Andererseits stellt Schramm aber auch fest, man werde "die Zahl der Militärmusiksoldaten der neuen Gesamtstärke der Bundeswehr anpassen" müssen. Die Bundeswehr wird kleiner, also wird es auch weniger Militärmusiker geben.

Patrick von Krienke ist 25 und lebt als freier Journalist in Berlin und Hamburg.

Fotos: ©Table / photocase.com, ©Shutterstock



www.militaermusik.bundeswehr.de
Mit den Musikkorps und der Big Band der Bundeswehr musikalisch am Puls der Zeit, finden zumindest die Seiten der Bundeswehr.

Dschinderassabumm: Auf Youtube gibt es Videos der Bundeswehrmusikkorps im lauten Einsatz.





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