Der Iran macht derzeit in zweierlei Hinsicht von sich reden. Zum einen erzielt der Präsident Ahmadinedschad mit seinen antiisraelischen und radikalfundamentalistischen Parolen ein weltweites Medienecho, zum anderen erreichen uns mehr und mehr oppositionelle Stimmen aus dem Iran. Diese Stimmen machen deutlich, dass die Kluft zwischen dem Regime der Mullahs und der breiten Bevölkerung kaum noch zu überbrücken ist. Was der Hardliner im Präsidentenamt von sich gibt, ist nicht die Meinung des iranischen Volkes. Dafür spricht nicht nur der Friedensnobelpreis für die Menschenrechtsaktivistin Shirin Ebadi. Sondern vor allem die Stimmen im inzwischen wichtigsten Forum der iranischen Öffentlichkeit, dem Internet.
Ein aktuelles Meinungsbild
Die ehemalige Managerin Nasrin Alavi hat jetzt ein Buch veröffentlicht, in dem die Meinungen der Iraner/innen der letzten Jahre aus den unzähligen Weblogs übersetzt und präsentiert werden. Diese Blogs werden in der persischen Sprache ”Farsi” geschrieben, der inzwischen vierthäufigsten Sprache der Bloggerszene. Alavis Auswahl aus allen Lebensbereichen meist junger Iraner/innen – 70 Prozent sind unter dreißig, meistens gut ausgebildet und informiert – ist kombiniert mit einem Begleittext der Autorin, der über Geschichte, politische und kulturelle Verhältnisse, internationale Ausrichtungen und die "Iranische Revolution" berichtet. Mit dieser Revolution ist nicht Chomeinis Islamische Revolution von 1979 gemeint, sondern ein über 100-jähriger demokratischer Prozess, der zwar Rückschläge erlitten hat, aber immer noch weiter gärt.
Nasrin Alavi: Wir sind der Iran. Aufstand gegen die Mullahs - die junge persische Weblog-Szene (Kiepenheuer & Witsch Verlag 2005, 9.90 €)
Martin Zähringer lebt in Berlin und arbeitet als freier Literaturjournalist, Übersetzer und Kritiker.
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