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Skizzen & Schnitte: Mode-Designer/in
Alva Gehrmann | 1.9.2004
Auf diesen Moment hat sie lange gewartet. Mehrere Wochen arbeitete Conny Kowalk an ihren Modellen, zeichnete Skizzen, wählte den Stoff aus, schneiderte an einer Puppe die Kleidungsstücke. Doch so richtig lebendig werden ihre Modelle erst, wenn sie getragen werden. Heute ist es soweit: Auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei in Berlin-Prenzlauer Berg ist in einer leer stehenden Halle ein Laufsteg aufgebaut worden. Rund 300 Zuschauer sitzen am Rand, warten gespannt auf die Modenschau.
Fotostrecke:
Präsentiert werden an diesem Abend, im Rahmen einer Berliner Modemesse, die aktuellen Arbeiten der Studentinnen und Studenten von der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Conny Kowalk studiert dort im zweiten Jahr Mode-Design. Die junge Frau ist aufgeregt, für sie ist es die erste Modenschau, die sie mitgestaltet. Sie steht mit den anderen angehenden Mode-Designern hinter der Bühne. Zittert. Wie das Publikum wohl reagiert?
Die Models laufen derweil lässig über den Catwalk - zeigen tragbare, aber auch abgedrehte Mode. Und dann kommt das Model, das einen Mantel von Conny Kowalk präsentiert. Sie schlendert den Laufsteg entlang, dreht sich, dann geht sie von der Bühne ab. Der Applaus folgt sofort.
Erst die Skizzen, dann die Schnitte
Nach einer Stunde ist der erste Teil vorbei. Zeit für eine kurze Pause, bevor die Show weitergeht. Conny Kowalk steht auf dem Hof. Sie ist erleichtert, alles ist gut gelaufen. Kowalk ist leger gekleidet: ein schlichtes schwarzes Top mit kleinen weißen Blümchen darauf, eine Jeans, dazu trägt sie braune Ledersandalen. Auffallen will sie nicht, nur ihre Mode soll das.
Das Thema für die aktuellen Arbeiten war vorgegeben: Typografieschnittform. Dazu hat sie verschiedene Modelle entworfen, gezeigt wird an diesem Abend nur der Mantel. Sie selbst würde ihren Mantel auch gerne anziehen, doch leider passt er ihr nicht. Conny Kowalk ist durchaus schlank, aber eben nicht ganz so groß und dünn wie die Models auf dem Laufsteg. Geschneidert werden müssen die Arbeiten aber auf Modelmaße.
"Es ist schön, wenn jemand den eigenen Entwurf trägt", sagt sie. Beim Thema "Typografieschnittformen" hat sie sich erst einmal Hintergrundwissen angeeignet, sich über Schriftbilder informiert, um etwas Greifbares zu finden. Erst dann entstehen die ersten Skizzen; zeichnerisches Talent ist eine Fähigkeit, die Mode-Designer unbedingt besitzen müssen.
Neue Konzepte, eigener Stil
"Wichtig ist auch ein Gefühl für Stoffe und den Körper", sagt Kowalk. "Und man muss natürlich Ideen haben." Ist der Stoff gefunden und das Design entworfen, wird das Modell geschneidert - zunächst passt die Mode-Designerin es an eine Puppe an. "An der Puppe wirkt so ein Mantel schon wieder ganz anders als auf der Skizze", sagt sie.
Conny Kowalk will tragbare Modelle kreieren. "Die Mode von heute ist mir zu ausgeschmückt, hat nichts mehr mit dem Menschen zu tun." Das Studium an der Kunsthochschule nutzt sie, um neue Konzepte zu finden. Hier kann sie sich in Ruhe ausprobieren, ihren eigenen Stil finden. Die angehende Mode-Designerin weiß, dass sie im Studium eine ganz andere Situation hat als im Berufsalltag. "So viel Zeit werden wir da nie haben, einen Entwurf oder ein Modell zu gestalten."
Vor dem Studium hat die 27-Jährige schon eine Schneiderlehre absolviert, die ist an der Kunsthochschule Weißensee zwar keine Aufnahmebedingung, trotzdem helfen Conny Kowalk die Erfahrungen immer wieder. In einer Theater-Schneiderwerkstatt erlernte sie ihr Handwerk. Eigentlich wollte sie als Kostümbildnerin arbeiten, doch im Alltag merkte sie schnell, dass ihr die Arbeit am Theater zu eingeschränkt ist. "Und dass ich Mode machen will." Also bewarb sie sich an der Kunsthochschule.
Die Konkurrenz ist groß
Ihre Kommilitonen sind überwiegend Frauen. In der internationalen Modebranche aber haben vor allem Männer die Oberhand: Designer wie Giorgio Armani, Wolfgang Joop oder Karl Lagerfeld. "Sie haben ein anderes Durchsetzungsvermögen", sagt Kowalk. Es gibt aber auch berühmte Mode-Designerinnen: etwa die schillernde Vivienne Westwood, die Amerikanerin Donna Karan und natürlich die legendäre Gabrielle "Coco" Chanel.
Und wo sieht sich Conny Kowalk in Zukunft? Ihr Traum wäre es, eine eigene Kollektion zu designen. Sie weiß noch nicht, ob sie bei einem bekannten Designer anfangen oder doch lieber ihr eigenes Label gründen will. "Ich bin da ganz offen." Schließlich ist die Konkurrenz auf dem Modemarkt groß. Auch deshalb will sich Kowalk noch nicht festlegen, denn dann wäre sie nur enttäuscht, wenn es nicht klappt. Jederzeit könnte sie wieder als Kostümbildnerin anfangen; es gibt auch Designer, die als Produktmanager oder Modejournalisten arbeiten. "Der Bereich Mode ist ziemlich offen: Da kann man in alle Richtungen gehen."
Wie vielfältig Mode sein kann, sieht man auch auf der Modenschau der Kunsthochschule Weißensee. Etwa hundert Modelle werden an diesem Abend vorgeführt. Einige der dünnen Models tragen schlichte Kleider in Erdfarben gemixt mit Türkis, es laufen aber auch Männer mit riesigen Fellmützen über den Laufsteg. Und Mode-Design-Studenten aus dem vierten Studienjahr zeigen unter dem Titel "Klassikirritation" die etwas andere Herrenmode: Ihre Models präsentieren sich in einer Art Schlafanzug, dazu tragen sie auf dem Kopf lustige, grün gepunktete Käppis.
Alva Gehrmann arbeitet als freie Journalistin in Berlin. Sie schreibt vor allem für Zeitungen sowie Zeitschriften.
Fotos: Heike Overberg, Kunsthochschule Weißensee, Berlin
Ausbildung:
Mode-Design kann an Universitäten, Kunsthochschulen und Akademien studiert werden. Die Institutionen haben unterschiedliche Ausbildungsschwerpunkte - einige Hochschulen konzentrieren sich auf die industrielle Verarbeitung, andere auf die künstlerisch-kreative Ausbildung.
Wer sich für den Studiengang Mode-Design bewerben will, braucht die Hochschulreife, auch berufspraktische Kenntnisse sind wichtig. Die kann man in einem Praktikum oder in einer Schneiderlehre erwerben. Die meisten Ausbildungsstätten führen zusätzlich einen mehrstufigen Eignungstest durch. Wer den bestanden hat, studiert dann - je nach Hochschule - zwischen drei und vier Jahren Mode-Design.
Links:
www.kh-berlin.de
Kunsthochschule Weißensee
www.modedesign.de
Infos und Links rund ums Thema
www.fashion-base.de
Liste aller Ausbildungsstätten in der Mode- und Textilbranche sowie Portal für Fashion, Mode, Bekleidung und Textilien mit Shopping-Tipps, Jobbörse
www.breadandbutter.com
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