Seit das “Tagebuch der Anne Frank“ 1947 veröffentlicht wurde, ist es fast ausschließlich im Kontext des Nationalsozialismus wahrgenommen worden. Aus dem Mädchen Anne, das sich während des Zweiten Weltkriegs vor den Nazis versteckte, ein Tagebuch führte und 1945 in einem Konzentrationslager ums Leben kam, wurde die Symbolfigur für das Grauen des nationalsozialistischen Völkermords.
In diesem Jahr wäre Anne Frank 75 Jahre alt geworden. Zahlreiche Publikationen, Ausstellungen und Aktionen nehmen ihren Geburtstag zum Anlass, sich dem Mythos zu nähern. Jenseits dieser Maschinerie gibt es aber auch andere Ansätze, Anne Frank in das öffentliche Bewusstsein zurückzuholen. So ist zum Beispiel das Buch “Ich heiße Anne, sagte sie, Anne Frank“ von Jacqueline van Maarsen veröffentlicht worden, die Photoausstellung “Anne Frank und ihre Familie“ wird in Amsterdam, New York und Berlin gezeigt - und es wurde der Kreativwettbewerb “Ein Buch für Anne Frank“ ausgerufen. Statt Anne Frank wie einen Markenartikel zu behandeln, werden hier neue Perspektiven auf ihr Leben und Schaffen eröffnet.
Die beste, liebste, schwierigste Freundin
Im “Tagebuch der Anne Frank“ taucht Jacqueline van Maarsen unter dem Namen Jopie auf. Sie war Annes beste Freundin, bevor diese untertauchen musste. So überrascht es nicht, dass van Maarsen es schafft, aus dem Mythos Anne Frank wieder ein Mädchen aus Fleisch und Blut werden zu lassen. Dies gelingt ihr vor allem dadurch, dass sie Anne einfach so beschreibt, wie sie sie kennen gelernt hat. Sie hebt Anne nicht auf ein Podest – betont aber, was für eine intensive Freundschaft die beiden ungleichen Mädchen für ein kurzes Jahr verband und welch großen Eindruck die quirlige, charmante Anne auf sie gemacht hat. So eröffnet das Buch eine neue Perspektive: weil es sich nicht scheut, den Menschen Anne Frank in den Mittelpunkt zu rücken: Anne ist ein Mädchen wie viele, aber sie hatte schon als Teenager einen beeindruckenden Charakter.
Jaqueline van Maarsen: Ich heiße Anne, sagte sie, Anne Frank (Fischer Verlag 2004, 17.90 €)
Miep Gies: Meine Zeit mit Anne Frank (Bechtermünz Verlag 1999, vergriffen, gebraucht bei www.amazon.de oder www.zvab.de)
Anne Frank: Tagebuch (Fischer Verlag 2001, 7.90 €)
Anne Frank Tagebuch - Erläuterungen und Dokumente (Reclam Verlag 2003, 3.80 €)
Anne Frank – Das fehlende Kapitel (VHS, Polyband 2000, 15.99 €)
Fotos: © Anne Frank Stichting, Amsterdam & Anne Frank-Fonds, Basel
Kommentare
Dein Kommentar