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Joann Sfar: Die Katze des Rabbiners

Jüdisch for fun

5.7.2004 | Marc Degens | Kommentar schreiben | Artikel drucken

"Zlabya, meine Tochter, ein Wunder ist geschehen: Die Katze spricht!"
"Oh, Papa, das ist wunderbar!"
"Ja, aber es ist auch ein großes Unglück."
"Was denn?"
"Sie erzählt nur Lügen."


Die Katze des Rabbiners und seiner schönen Tochter Zlabya ist widerspenstig, respektlos und unverschämt. Seit sie den Papagei des Religionslehrers gefressen hat, kann sie sprechen - sehr zum Leidwesen ihres Besitzers. Denn die Katze stellt viele unerhörte Fragen und verwickelt den Gelehrten, der für eine jüdische Gemeinde in Nordafrika arbeitet, in endlose Streitgespräche. Dabei geht es vor allen Dingen um Glaubensfragen und religiöse Grundsätze. Diese Aussprachen sind sehr lustig und äußerst lehrreich. Fast unmerklich erhalten die Leser/innen auf diese Weise tief reichende Einblicke in das Wesen des Judentums. Im ersten Band der französischen Comicserie "Die Katze des Rabbiners" geht es etwa um die Bar-Mizwa: die feierliche Einführung in die jüdische Glaubensgemeinschaft. Sie ist mit der katholischen Firmung oder der evangelischen Konfirmation vergleichbar. Die Katze des Rabbiners glaubt zwar nicht an Gott, trotzdem will sie in die jüdische Glaubensgemeinschaft aufgenommen werden - mit allen Handlungen und Zeremonien, die dazugehören. Kein Wunder, dass der Rabbiner und die anderen Gläubigen etwas gegen diesen Entschluss haben ...

Die hässlichste Katze der Comicgeschichte

Die ersten beiden Bände dieser ungewöhnlichen Comicserie, die nun endlich auf Deutsch erscheint, spielen in einer kleinen algerischen Küstenstadt. Es ist eine zauber- und märchenhafte Welt. Trotz ihrer vielen Einzelheiten lassen die Zeichnungen dem Leser Platz für die eigene Fantasie. Beeindruckend ist auch die einfallsreiche Farbgebung von Brigitte Findakly. Ein meerblauer Mond in türkisklarer Nacht ... Die in warme, dunkle Töne gehüllten Gassen und Plätze der Altstadt ... Das verspielte, goldglänzende Kleid der Tochter. Und der Zeichner beweist Mut. Im Gegensatz zu der reizenden, nach einem algerischen Honigkuchengebäck benannten Tochter ist die Katze des Rabbiners ein unförmiges, abstoßendes Wesen - ja, wahrscheinlich ist sie sogar die hässlichste Katze der Comicgeschichte. Und trotzdem hat man sie als Leser/in gern.

Geschrieben und gezeichnet wird die kluge und witzige Comicserie von dem 33-jährigen Joann Sfar, der seine Karrierre als Kinderbuchautor begann. Inzwischen zählt er zu den fleißigsten Comicmachern der Gegenwart - er arbeitet gerade gleichzeitig an sechs verschiedenen Comicserien und in den letzten Jahren erschienen rund sechzig von ihm geschriebene, meist auch gezeichnete Comicalben. Auf dem diesjährigen "11. Internationalen Comic-Salon" in Erlangen, dem alle zwei Jahre stattfindenden bedeutendsten Comicereignis Deutschlands, wurde Joan Sfar mit dem Max-und-Moritz-Preis als bester ausländischer Comicautor ausgezeichnet. "Die Katze des Rabbiners" beweist eindrucksvoll, dass Joann Sfar diese hohe Auszeichnung zu Recht erhalten hat.

Marc Degens ist 32 Jahre alt und lebt als Autor in Berlin.

Joannn Sfar: Die Katze des Rabbiners (Band 1: Die Bar-Mizwa / Band 2: Malka, der Herr der Löwen, Avant-Verlag 2004, 14.95 €)


In Frankreich gibt es bereits einen dritten Band und der vierte Band der Serie ist in Vorbereitung.



www.pastis.org/joann
Die Homepage von Joann Sfar (französisch, es gibt auch einen englischen Teil)

http://de.wikipedia.org/wiki/Bar-mizwa
Informationen zu der Bar Mizwa

http://de.wikipedia.org/wiki/Rabbiner
Was ist ein Rabbiner? Mehr dazu auf Wikipedia

www.avant-verlag.de/frameset.html
Avant-Verlag

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