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Adé Bantu: Listen Attentively

Unregierbarer Stadtstaat

27.10.2007 | Patricia Dudeck | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Wenn die Millionenstadt den Einzelnen nicht verschlucken soll, dann muss er auffallen. Und daher gibt es immer Menschen, die gegen den Strom schwimmen. Die nigerianische Megastadt Lagos hat sogar einen eigenen Musikstil hervorgebracht: den Afrobeat mit Adé Bantu als einem ihrer populärsten Protagonisten. Als Frontmann des afrikanisch-deutschen Musikerkollektivs Bantu tourt er durch Afrika und Europa. Und mit der Gruppe Brothers Keepers singt er gegen Rassismus in Deutschland an. Als Mitbegründer des Dachverbandes National Democratic Coalition, einer Vereinigung oppositioneller Bewegungen in Nigeria, engagiert Bantu sich außerdem für die Menschenrechte in Nigeria.

Afrobeat – damals ein Klanggewebe aus Funk, afrikanischer Perkussion und Gesang – wurde in den 1960er-Jahren von dem Lagosianer Fela Kuti geprägt. Bantu, die Brotherhood Alliance Navigating Towards Unity, lässt mit ihrer elfköpfigen Afrobeat Academy Band heute HipHop, Fuji-Musik, Reggae und Dancehall in den Klangteppich einfließen. Ihre Texte sind in Pidgin verfasst, einem vereinfachten Englisch, das in vielen ehemaligen britischen Kolonien gesprochen wird.

Verarmt, verslumt, korrumpiert

Bantus Song "Listen Attentively" bleibt dem klassischen Afrobeat mit politischer Botschaft treu: "It's time to reprogramme your mind [...] Connect your thoughts with your sight." Adé Bantu erklärt dazu: "Die Menschen sollen die Augen aufmachen und darüber nachdenken, was sie sehen." Korruption und die Kluft zwischen reich und arm sind in Lagos unübersehbar: "Einen Luxus-Jeep, der vor kurzem noch auf der 'Internationalen Automobilausstellung' stand, siehst du an einem verkrüppelten Menschen vorbeifahren, der gerade im Müll nach etwas Essbarem fischt", erzählt Bantu. Die Lebensumstände im 20-Millionen-Einwohner-Stadtstaat seien symptomatisch für die "Unregierbarkeit" des Staates Nigeria, dessen Regierungssitz Lagos bis 1991 war.

Bantu singt für die Selbstbestimmung seiner Landsleute – sie sollen sich gemeinsam für ihre Menschenrechte einsetzen und das korrupte System bloßstellen. ("Say the truth go rise and show [...] embarrassi and expose / all dem undergroundi flow") Die fundamentalen Rechte etwa auf Wasser, Arbeit und Sicherheit werden in Nigeria missachtet, sagt Bantu: "In Lagos müssen mehr als 50 Prozent der Bewohner ohne Strom auskommen." Die Infrastruktur wächst nicht schnell genug mit der Stadt – ein bekanntes Problem von Megastädten. Allein aus Westafrika ziehen jedes Jahr 600.000 Menschen nach Lagos.

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Die große Armut steht im Widerspruch zum Ölreichtum Nigerias. Bantu: "Wir haben Milliarden, eigentlich müsste es jedem hier gut gehen." Stattdessen haben mehr als 90 Prozent der Nigerianer/innen weniger als zwei Dollar am Tag zum Leben. Wer nichts hat, ist leichter käuflich: "No settlement witi dough / Carry your Euro and go / I no be for sale o") Der Euro, momentan besser im Kurs als der Dollar, ist die harte Währung der Schweige- und Schmiergelder – im Pidgin-Englisch bedeutet "settlement" Schweigegeld. Adé Bantu: "Bei Wahlen stellen sie den armen Leuten einen Sack Reis hin für ihre Stimme. Journalisten bringen sie mit einem Auto voll Geld zum Schweigen."

Auch ihn sprach in Nigeria schon mal jemand an: "Junger Mann, wir geben dir 100.000 Euro, wenn du das Land verlässt und schweigst." Doch Bantu lässt sich nicht einschüchtern. Alle drei Monate fliegt er von Köln nach Lagos, wo er aufwuchs. Hier kämpft er mit Afrobeat und seinen zahlreichen Fans gegen das Militärregime, gegen Korruption und das Unrecht in einer verrückten Millionenstadt an.

Adé Bantu: Listen Attentively
(Fuji Satisfaction 2005, Piranha)

Intro:
Haba
my brother life e sweet o
make dem no fool you
eye wey dey cry still dey see road
brothers and sisters ladies and gentlemen we would like to invite you to another Afrobeat Academy session
who say Afrobeat die dem must hear
who say Abami Eda no dey among us nah lie dem dey talk

It's time to reprogramme your mind
right must win over might
connect your thoughts with your sight
nah serious war nah mental fight
time to take a stand, decide
are you principled or blind?
my brother make you shine your light
clock dey tick you no fit hide
unify and not divide
stay alert reclaim your right
study history and find
the missing link as your guide
hold your head up and stride
with all your glory and your pride.

Listen Attentively

Dey no fit block our road o
no matter what dem do dem know
say the truth go rise and show
shame them welli o
embarrassi and expose
all dem undergroundi flow
as dem dey go dey do am low
we dey watchi dem so
alarm must ring alarm must blow
fowl go scream and crow
make you getti ready o
no settlement witi dough
carry your Euro and go
I no be for sale o

Listen Attentively

If you no get ear you no know
if you no get eye you no care
if you no get mouth you no talk
if you no get head you no think
if you get ear you go hear
if you get eye you go see
if you get mouth you go talk
if you get head you go think

If you no get ear you no know (oh yes)
if you no get eye you no care (nah true)
if you no get mouth you no talk (oh yes)
if you no get head you no think (nah true)
if you get ear you go hear (oh yes)
if you get eye you go see (nah true)
if you get mouth you go talk (oh yes)
if you get head you go think (nah true)

Listen Attentively

Patricia Dudeck ist bpb-Volontärin, lebt in Bonn und ist damit eine der gut drei Milliarden Stadtmenschen auf der Welt.

Fotos: ©Jay Ruthledge, Outhere Records


www.bantucrew.com
Die Seite des Musikerkollektivs Bantu (deutsch, englisch)

www.afrofunkforum.blogspot.com
Afrobeat-Blog (englisch)

www.bbc.co.uk
Auf der BBC-Seite kannst du dir Sendungen zu Afrobeat anhören (englisch).




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