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Wenn die Millionenstadt den Einzelnen nicht verschlucken soll, dann muss er auffallen. Und daher gibt es immer Menschen, die gegen den Strom schwimmen. Die nigerianische Megastadt Lagos hat sogar einen eigenen Musikstil hervorgebracht: den Afrobeat mit Adé Bantu als einem ihrer populärsten Protagonisten. Als Frontmann des afrikanisch-deutschen Musikerkollektivs Bantu tourt er durch Afrika und Europa. Und mit der Gruppe Brothers Keepers singt er gegen Rassismus in Deutschland an. Als Mitbegründer des Dachverbandes National Democratic Coalition, einer Vereinigung oppositioneller Bewegungen in Nigeria, engagiert Bantu sich außerdem für die Menschenrechte in Nigeria.
Afrobeat – damals ein Klanggewebe aus Funk, afrikanischer Perkussion und Gesang – wurde in den 1960er-Jahren von dem Lagosianer Fela Kuti geprägt. Bantu, die Brotherhood Alliance Navigating Towards Unity, lässt mit ihrer elfköpfigen Afrobeat Academy Band heute HipHop, Fuji-Musik, Reggae und Dancehall in den Klangteppich einfließen. Ihre Texte sind in Pidgin verfasst, einem vereinfachten Englisch, das in vielen ehemaligen britischen Kolonien gesprochen wird.
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Die große Armut steht im Widerspruch zum Ölreichtum Nigerias. Bantu: "Wir haben Milliarden, eigentlich müsste es jedem hier gut gehen." Stattdessen haben mehr als 90 Prozent der Nigerianer/innen weniger als zwei Dollar am Tag zum Leben. Wer nichts hat, ist leichter käuflich: "No settlement witi dough / Carry your Euro and go / I no be for sale o") Der Euro, momentan besser im Kurs als der Dollar, ist die harte Währung der Schweige- und Schmiergelder – im Pidgin-Englisch bedeutet "settlement" Schweigegeld. Adé Bantu: "Bei Wahlen stellen sie den armen Leuten einen Sack Reis hin für ihre Stimme. Journalisten bringen sie mit einem Auto voll Geld zum Schweigen."
Auch ihn sprach in Nigeria schon mal jemand an: "Junger Mann, wir geben dir 100.000 Euro, wenn du das Land verlässt und schweigst." Doch Bantu lässt sich nicht einschüchtern. Alle drei Monate fliegt er von Köln nach Lagos, wo er aufwuchs. Hier kämpft er mit Afrobeat und seinen zahlreichen Fans gegen das Militärregime, gegen Korruption und das Unrecht in einer verrückten Millionenstadt an.
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