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In der Falle

Teures Öl, knappes Wasser

6.12.2005 | Sonja Ernst | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Vielleicht haben wird ja bald wieder autofreie Sonntage, wie im Winter 1973. Damals blieben die Autos - als Reaktion auf die Ölkrise - sonntags in der Garage. Seitdem aber haben wir uns nur noch mehr zur Öl-Zivilisation entwickelt. Nicht nur der Transport, sondern auch die Produktion von Kleidung, Kunststoffen und Medizin basiert zu großen Teilen auf Erdöl. In den vergangenen Jahren erreichte der Ölpreis einen neuen Rekord, und trotzdem stieg der Verbrauch. Täglich werden weltweit etwa 84 Millionen Barrel Erdöl (ein Barrel = 159 Litern) verbraucht, 1979 waren es 64 Millionen. Allein die USA schluckten 2004 rund 20 Millionen Barrel, das sind pro Einwohner/in etwa 26 Barrel. Zum Vergleich: In China waren es pro Kopf nur 1,7 Barrel. Doch auch dort stieg der Erdölverbrauch im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf 6 Millionen Barrel.

Kriege um Öl und Wasser?

Angesichts der steigenden Nachfrage sehen manche Fachleute schon den "Peak-Oil" gekommen, den Scheitelpunkt, an dem die maximale Fördermenge erreicht ist. Wann also wird der letzte Tropfen Erdöl fließen? In 40, 60 oder 100 Jahren? "Die entscheidende Frage ist nicht, wann die Ölquellen erschöpft ist, sondern wann die Nachfrage schon so groß ist, dass die Knappheit zu Ressourcenkonflikten führt," sagt Tilman Santarius. Der Soziologe arbeitet am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. "Je knapper die Ressourcen werden, desto häufiger wird es zu Konflikten kommen. Das gilt vor allem für das Öl als Schmierstoff der Wirtschaft." Neben dem Erdöl wird es aber auch Streit um andere Rohstoffe geben. Schon jetzt wird um Wasser gestritten, vor allem im Nahen Osten. Auch die Ressource Holz wird zunehmend knapp, was vor allem Ureinwohner in Lateinamerika und Asien spüren, deren Lebensraum abgeholzt wird.
Doch trotz dieser Entwicklungen wächst in den Industrieländern der Konsum: Ein Fünftel der Weltbevölkerung verbraucht heute vier Fünftel der Gesamtressourcen. In den USA und Europa werden 50 Prozent des Erdöls verbraucht. Im Jahr 2000 kamen in den USA und Australien auf 1000 Einwohner/innen etwa 4000 Flugpassagiere. Ein amerikanischer Haushalt verbraucht zwölfmal so viel Wasser wie ein Haushalt in Afrika. Die Erste Welt kann nur deshalb so ungehemmt konsumieren, weil es eine Dritte Welt gibt. Doch in Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien wächst die Wirtschaft rasant und die Menschen dort haben einen enormen "Konsumhunger". Was aber passiert, wenn alle Chinesen in den Urlaub fliegen, alle Inder Auto fahren? "Schon heute strapaziert der Überkonsum des Westens den Planeten", sagt Santarius. "Wir befinden uns schon jetzt in einer Phase, in der die Erde ausgeplündert wird."

In Zukunft drohen also knappe Rohstoffe, soziale Konflikte und Umweltkrisen. Schon den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstand deshalb die Idee einer nachhaltigen Entwicklung, die sozial gerecht, wirtschaftlich erfolgreich und ökologisch gesund wirtschaften will. Der schonende Umgang mit Ressourcen soll eine künftige Entwicklung sichern. Der Frage nach dem Morgen stellen sich auch Santarius und seine Kollegen/innen und liefern in dem Buch "Fair Future" Perspektiven. Künftig sei ein Dreischritt notwendig, meint Santarius. Das heißt, Ressourcen müssen besser genutzt werden, wie zum Beispiel durch den Einsatz des Drei-Liter-Autos oder auch die Wärmedämmung von Gebäuden. Zugleich müssen sich die Konsumenten/innen fragen: Wie viel Konsum ist genug? Und schließlich müssen neue Quellen erschlossen werden. Hier spielen erneuerbare Energien eine entscheidende Rolle, also die Entwicklung von Biotreibstoffen, Solar- und Wasserenergie.

Der maßvolle Umgang mit Rohstoffen bedeutet vor allem in den Industrieländern einen Wandel des Konsumverhaltens. Denn Überkonsum kann kein Vorbild für den Rest der Welt sein. "In China werden schon eine ganze Reihe von Umweltgesetzen erlassen," sagt Santarius, "China will nicht blind in die Ressourcenkatastrophe steuern." Als erstes Land habe China ein Gesetz verabschiedet, das den Durchschnittsverbrauch von Autos zukünftig begrenzen soll. Ein Hoffnungsschimmer - und eine Herausforderung auch für deutsche Automobilhersteller.

Sonja Ernst schreibt als freie Journalistin für verschiedene Magazine. Sie lebt in Köln.


www.wupperinst.org
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie

www.wupperinst.org/globalisierung
Projektteam Globalisierung und Nachhaltigkeit

www.destatis.de
Deutsches Statistisches Bundesamt: Deutschland im Vergleich 2005

www.europa.eu.int
EU-Grünbuch über Energieeffizienz - "Weniger kann mehr sein"

www.europa.eu.int
Plus Video zur Energieeffizienz

www.bpb.de/Weltentwicklungsbericht2005
Weltentwicklungsbericht 2005

www.bpb.de/Umwelt_und_Klimapolitik
Ein Heft zur Umwelt- und Klimapolitik




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