Schon immer war "bella Italia" ein Land der Sehnsucht. Alles, was es bei uns nicht gibt, soll südlich der Alpen angeblich zum Alltag gehören. Sonne, Wein und "dolce vita". Italien, du hast es besser ... Oder vielleicht doch schlechter? Die dunkle Seite des gängigen Italienbildes liegt auf der Hand: Korruption, Mafia und Chaos. Die Halbinsel ist beides: eine Projektionsfläche für Träume und für Alpträume, für schöne Illusionen und ihr Gegenteil. Aber die meisten Klischees über Italien und die Italiener sind überholt. Die Wirklichkeit sieht anders aus.
Sonne, Sand und Adria ...
An den breiten Sandstränden der Adria werden deutsche Touristen in der Mittagshitze auch in Zukunft schwitzen - trotz Schröders Urlaubsabsage. Sie werden sich auf die "wurstel con krauti" im Hotel freuen und Badeorte wie Rimini fest in ihrer Hand haben. Italien hat viele Strände und viel Meer. Aber die wenigsten Italiener leben am Meer. Die Halbinsel ist ein Land der Gegensätze: Sandstrände und Skigebiete, maritimes Flair und hohe Berge. Die olympischen Winterspiele 2006 finden in Turin statt.
Bestechung und Korruption ...
Ex-Minister sitzen im Gefängnis, der mafiöse Ex-Premier Bettino Craxi floh ins Exil, um der Haftstrafe zu entgehen, und ein Schmiergeldskandal jagt den nächsten. Zu Beginn der 90er-Jahre formierte sich effizienter Widerstand gegen das weit verzweigte Korruptionssystem. Mailänder
Staatsanwälte leiteten über 3200 Strafverfahren ein. Sie nannten ihre Kampagne "mani pulite" ("saubere Hände") und wurden als Volkshelden verehrt. Ein gewaltiges politisches Erdbeben war die Folge ihrer Recherchen: Führende Politiker und Unternehmer mussten auf die Anklagebank. Einige von ihnen sind heute noch im Gefängnis. Im Fadenkreuz der Schmiergeld-Ermittler steht immer wieder auch Silvio Berlusconi, Ministerpräsident und reichster Mann des Landes.
Pizza, Chianti und Spaghetti ...
Turin orientiert sich schon immer Richtung Frankreich. Palermo ist aufgrund seiner Geschichte arabisch geprägt, und die Südtiroler sprechen deutsch. Wenn Italien etwas auszeichnet, dann die kulturelle Vielfalt, die sich auch "a tavola" zeigt. Die typische italienische Küche liegt irgendwo zwischen Speckknödeln und pikantem Orangensalat, Tortellini und Ricottatorte, Gemsbraten und Büffelmozarella. Die Pizza kommt ursprünglich aus Neapel. Jede Region hat eigene Spezialitäten und ihren eigenen Wein: Den toskanischen Chianti, den sizilianischen Marsala oder den leichten Veltlinerweißwein aus den Bergtälern an der schweizerischen Grenze.
Die katholische Kirche und die "bambini" ...
Italien ist ein katholisches Land. Aber es gibt weniger katholische Feiertage als in Bayern. Die Kirchensteuer wird nicht vom Staat eingezogen, sondern auf freiwilliger Basis erhoben. Und in den Schulen wird oft Philosophie anstatt Religion unterrichtet. 83 Prozent aller Italiener sind katholisch. Trotzdem bleiben die "bambini" aus. Die Geburtenrate ist genauso niedrig wie in Deutschland und geheiratet wird sogar seltener als bei uns.
Der Latin Lover ...
Er weiß genau, was Frauen wünschen. Aber es gibt den Latin Lover nur für einen inszenierten Augenblick: auf einem Foto, in einer Werbekampagne oder in einem Fernsehspot. Im Ausland zieht seine Masche noch. In Italien selbst ist sein Image stark angekratzt. Denn der Latin Lover lebt gerne zu Hause bei der "mamma", auch wenn er schon älter ist. Er lässt sich verwöhnen und ist so eitel, dass niemand ihn ernst nehmen kann.
(zusammengestellt von Sandra Hofmeister)
www.auswaertiges-amt.de/laenderinfos/italien
Der Länderbericht Italien des deutschen Außenministeriums mit Daten, Zahlen, Fakten
www.ratgeber-italien.de
Der Ratgeber zu Italien mit zahlreichen interessanten Links
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