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Junger Frieden

Wie Jugendliche in Burundi eine bessere Ausbildung bekommen

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Philipp Ziser | 28.5.2007

Liliane Manirambona ist 22 Jahre alt. Die selbstbewusste junge Frau absolviert eine Ausbildung zur Krankenschwester in Bujumbura, der Hauptstadt der ostafrikanischen Republik Burundi. Wenn sie die Ausbildung abgeschlossen hat, will sie ihr Abitur nachholen, studieren und Ärztin werden, sagt sie. Ihr Ziel: anderen helfen, denen die Möglichkeiten verwehrt bleiben, die sich ihr bieten.

Liliane ist Ruandesin und kam nach einer Odyssee nach Burundi, die sie durch die Wirren der Bürgerkriege zwischen den verfeindeten Ethnien der Hutu und Tutsi in den beiden Nachbarstaaten führte. In Burundi zerstörte der über zehn Jahre andauernde Konflikt das gesamte Land. Familienstrukturen wurden zerrissen, die Wirtschaft ist am Boden, das Bildungssystem auf einem sehr niedrigen Niveau. Schulen sind selten, viele Kinder – vor allem Mädchen –, die am Straßenrand zu sehen sind, tragen Hacken statt Schulhefte.

Waisen auf der Straße


Oft können sich Familien die Schulbildung ihrer Kinder nicht leisten. Wird einer der Sprösslinge zur Schule geschickt, sind es meist die Jungen. Nicht selten jedoch kann kein einziges Kind einer Familie den Unterricht besuchen. Die Entfernungen sind zu weit, die Kosten unbezahlbar. Mit der neu eingeführten Schulgeldfreiheit für die ersten Klassen hat sich die Situation in Burundi zwar verbessert. Das Bildungsniveau und die Zahl der Jugendlichen, die weiterführende Klassen besuchen oder gar studieren können, sind dennoch schwindend gering.

"Zehn Prozent der Kinder, die die ersten Klassen besuchen, gehen auf weiterführende Schulen. Und wiederum zehn Prozent davon schaffen den Weg auf die Universität", weiß Verena Stamm, eine Deutsche, die seit 1972 in Burundi lebt. 1999 gründete sie mitten in den Kampfhandlungen ihre eigene kleine Hilfsorganisation, die Fondation Stamm. Das zunehmende Elend habe sie veranlasst, Initiative zu ergreifen. Mehr und mehr Kinder lebten auf der Straße, die Zahl der Waisen durch Malaria, Aids und Krieg stieg rasant an. "Was der Krieg aus Burundi machte, ist unfassbar", bedauert sie. Auch Liliane ist ein Schützling der Fondation Stamm und kann deshalb ihre Ausbildung wahrnehmen.

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Heute betreibt die Fondation Projekte im ganzen Land – hauptsächlich für Kinder und Jugendliche. In Bujumbura unterhält sie Heime für Waisenkinder, Straßenkinder sowie Mädchen und junge Mütter mit ihren Babys. Sie engagiert sich in Flüchtlingslagern, baut kleine Häuschen für diejenigen, die sich in den Bergen um Bujumbura herum seit Ausbruch des Kriegs angesiedelt haben. Aufholklassen werden angeboten für Jugendliche, die während der Auseinandersetzungen nicht in die Schule gehen konnten. Nicht wenige sind daher bereits 18 Jahre alt und auf dem schulischen Niveau von Fünftklässlern/innen.

Im Landesinnern bietet Stamm Ausbildungen zum Schreiner, Schneider, Schweißer, Landwirt, Viehzüchter, Koch oder Drucker – zumeist für ehemalige Kindersoldaten, die vor allem im Norden des Landes auf Straßen herumlungern, seit sie entwaffnet wurden. "Die Kriminalitätsrate ist dadurch sehr hoch", weiß Stamm. "Bei der kleinsten Krise sind diese Jungen wieder an den Waffen. Das ist eine Gefahr für den jungen Frieden." Viele Jungen seien entführt worden, als sie zehn Jahre alt waren, und wurden zum Kämpfen gezwungen. Nach beinahe 13 Jahren Krieg sind aus den Kindern junge Erwachsene geworden, ohne jegliche Bildung oder berufliche Kenntnisse. Das Einzige, das sie jemals gelernt haben, ist Kämpfen.

Nach der Hilfe mit Gütern wie Kleidung und Nahrungsmitteln sowie Zufluchtsmöglichkeiten für Kinder ist Langfristigkeit das Ziel der Organisation. Größtes Projekt ist der Bau einer Schule in einem ärmeren Viertel Bujumburas. Unterstützt wird sie dabei neben der Deutschen Botschaft auch von ihrem Partner in Deutschland, burundikids e. V. aus Köln. Deren Vorstand, Martina Wziontek, sammelt nicht nur Spenden für die Projekte vor Ort, sondern engagiert sich auch mit Fachwissen: Als freie Architektin plante Wziontek das Schulzentrum und begleitet den Bau bei seiner Durchführung.

Dein Tag für Afrika


Den Bau der Schule finanzieren auch Human Help Network und Aktion Tagwerk e. V. aus Mainz, das schon 150.000 Euro spendete. Die Hilfe kommt dabei von deutschen Schülern/innen selbst, die sich an einem Tag im Jahr vom Unterricht verabschieden und sich in einem Betrieb oder bei Engagements in ihren Schulen Geld verdienen, das Gleichaltrigen in Entwicklungsländern zugute kommt. Die nächste Gelegenheit ist am 19. Juni bei der nächsten Aktion Tagwerk – "Dein Tag für Afrika", dieses Jahr zum ersten Mal bundesweit und in Kooperation mit UNICEF.

250 Schüler/innen können den Unterricht der "Ecole Polyvalente Carolus Magnus" der Fondation Stamm im ersten Gebäude schon besuchen. Nach Fertigstellung werden insgesamt 960 Kinder und Jugendliche unterrichtet werden können. Das zweite Gebäude soll im oberen Teil Internatsplätze für 150 Kinder bieten – hauptsächlich Straßenkinder. Im Erdgeschoss entsteht eine medizinische Station. "Wir erreichen durch diesen Bau mehrere Ziele", erklärt Stamm. "Zum einen wird die medizinische Station die Internats- und Schulkinder versorgen können. Zum anderen erreichen wir auch die ärmere Bevölkerung aus dem umliegenden Viertel, wo medizinische Versorgung unzureichend gegeben ist." Sie hofft darauf, dass das Zentrum bald eröffnet wird. Menschen wie Liliane Manirambona haben schon zu viel Zeit in ihrem Leben verloren.

Philipp Ziser lebt gerade in Bujumbura und unterstützt die Foundation Stamm.

Fotos: ©Aktion Tagwerk

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www.burundikids.org
Seiten von burundikids e. V. Köln

www.fondation-stamm.org
Seiten der Fondation Stamm Burundi – im Umbau!

www.pziser.wordpress.com
Tagebuch mit Eindrücken und Erlebnissen aus Burundi

www.hhn.org
Seiten von Human Help Network Mainz

www.aktion-tagwerk.de
Seiten von Aktion Tagwerk e. V. Mainz

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