
Santos Yalayarzab (29) steht zwischen Bananenstauden auf der Bananenplantage Guyacán in Costa Rica. In einer Hand hält er einen Stab mit einem U-förmigen Eisenaufsatz, um die Dicke der Bananen zu prüfen; In der anderen hat er eine Machete, die er fest in den Stamm der Staude hackt. Die Pflanze knickt. Schnell steckt ein anderer Erntearbeiter Ledertafeln zwischen die so genannten Bananenhände, um die Früchte vor Druckstellen zu schützen. Anschließend schneidet Yalayarzab die Staude vom Stamm und die Früchte landen auf dem Rücken des Erntearbeiters, der sie dann an eine Seilbahn hängt und sie zur Packstation zieht. Alles muss schnell gehen – schließlich werden die Plantagenarbeiter nach geernteten Stauden bezahlt.
Trotz der enormen Hitze arbeitet Santos Yalayarzab gerne auf der Plantage. "Die Arbeitsbedingungen sind gut hier", sagt er. Dabei huscht ihm ein Lächeln übers Gesicht. Sein Chef steht hinter ihm und lauscht. Wie die Arbeit auf den Plantagen der Konkurrenz ist, wisse der Erntearbeiter nicht. Mit seinem Gehalt könne er seine beiden Kinder ernähren und sie später auch zur Schule schicken, erzählt er. Doch nun muss Santos Yalayarzab weiter. Verlorene Zeit ist auf der Plantage verlorenes Geld.
Imagewandel der Bananenmultis
Vor 15 Jahren sah die Arbeit auf den Plantagen des Unternehmens Chiquita noch anders aus: "Das Bild der Plantagen war geprägt von Müll. Die Plastiktüten, die die Früchte vor den Spritzmitteln schützen, wurden nach dem Abschlagen der Staude einfach fallen gelassen", erzählt Michaela Schneider, Marketingleiterin von Chiquita Deutschland. "Heute werden alle Plastiksäcke und sämtlicher anfallender Plastikmüll wiederverwertet. Außerdem sind wir sehr stolz darauf, die Menge an Spritzmitteln auf ein Drittel reduziert zu haben."
Dieser Wandel hat das Unternehmen bis heute rund 20 Millionen US-Dollar gekostet – und dass, obwohl
Chiquita in den 1980er-Jahren hoch verschuldet war und der Schuldenberg bis heute noch nicht ganz verschwunden ist. Doch der Wandel lohnte sich, nicht nur ideell, sondern auch finanziell, wie Schneider bestätigt: "Chemikalien sind teuer und außerdem werden die Arbeiter heute seltener krank." Doch nicht nur den Umweltschutz nimmt das Unternehmen heute ernster: "Jetzt dienen Hecken als natürlicher Schutzwall zwischen den Plantagenabschnitten und Mitarbeiter haben Möglichkeit zur Rast und zum Duschen auf der Plantage." Auch beteilige sich das Unternehmen finanziell an weiteren Projekten, die das Leben der Einheimischen erleichtern und die Umwelt schützen sollen. Allerdings sind diese Projekte bislang nur auf einzelnen Plantagen zu finden.
Ob der gute Wille von
Chiquita auch Früchte trägt, wird regelmäßig von der
Rainforest Alliance, einer unabhängigen und gemeinnützigen Umweltorganisation, überprüft und zertifiziert. Alle Bananen, die nach Europa verschifft werden, tragen bereits das Siegel der
Rainforest Alliance – erkennbar am Rotaugenbaumfrosch auf dem Bananenaufkleber. Auf der Plantage Guyacán in Costa Rica sieht es tatsächlich vorbildlich aus. Nur die abgeschnitten Bananenblätter – die als Schutz vor Insekten und als natürliches Düngemittel dienen sollen – verrotten am Boden. Der Arbeiter, der die Plastiksäcke über die Stauden zieht, trägt Hut, Jacke, eine lange Hose, einen Mundschutz und Handschuhe. Auch die Frauen an der Packstation, die die Bananen aus dem reinigenden Chlorwasser ziehen, tragen Schutzhandschuhe und lächeln bei der Arbeit – auch ohne Vorgesetztem im Rücken.
Gewerkschaften bemängeln Arbeitskonditionen und Umweltschutz
Rund 50 Kilometer weiter im Südwesten Costa Ricas, in der Hauptstadt San José, sitzt Nela Perle im Büro von ASEPROLA – einer Vereinigung, die in Zentralamerika mit Gewerkschaften arbeitet. Unter anderem auch in der Bananenindustrie. "
Chiquita ist besser geworden, weil sie sich um ein besseres Image bemühen und die Vorwürfe der Gewerkschaften nicht vollständig ignorieren", erklärt die gebürtige Österreicherin. Die Kontrollen der
Rainforest Alliance, die von
Chiquita bezahlt werden und angekündigt sind, beurteilt sie jedoch als unzureichend. "Diese Standards sind weder Biostandards noch Standards des Fairen Handels, sondern liegen deutlich darunter. Die Standards sind die eine Seite, was die Lebensmittelkonzerne und Supermarktketten dann in ihrer Werbung daraus machen, häufig eine andere Sache", äußert sich Jürgen Knirsch von der unabhängigen Umweltorganisation
Greenpeace zum Arbeiten der Organisation.
Ein weiterer Grundsatz, dem sich
Chiquita verschrieben hat, ist eine gute Behandlung und Bezahlung der Mitarbeiter/innen. Das Unternehmen zahlte nach eigenen Angaben den Arbeiter/innen im zweiten Quartal 2006 durchschnittlich etwa 350 US-Dollar im Monat. Das liegt knapp 120 US-Dollar über dem gesetzlichen Mindestlohn in Costa Rica. "Um eine durchschnittliche Familie mit vier Kindern ernähren zu können – Wohnen, Essen, Schule und Gesundheit inklusive – braucht man in Costa Rica aber minimal 460 US-Dollar", klagt Nela Perle. So lange die Ein- und Verkaufsabteilungen des Lebensmitteleinzelhandels nicht entsprechend reagieren würden – also faire Preise für die Produzenten/innen anbieten – nutze die engagierteste Arbeit für soziale Verantwortung nichts. Immerhin könnten heute die Forderungen der Arbeiter/innen gehört werden: Die Firmenchefs unterbinden nicht mehr wie früher das Entstehen von Gewerkschaften und Betriebsräten.
Kein Umdenken der DiscounterGabriele Bastian beschäftigt sich mit dem weltweiten Handel von Früchten. Die Chefredakteurin der Fachzeitschrift
Fruchthandel Magazin findet, dass der deutsche Lebensmitteleinzelhandel die Anstrengungen der großen Fruchtkonzerne in Bezug auf Umweltschutz und soziales Engagement leider noch zu wenig beachte. "Der Lebensmitteleinzelhandel steht unter enormem Preisdruck, der vor allem von Seiten der Discounter – wie Aldi und Lidl – weiter forciert wird. Es zählt jeder Cent beim Ankauf der Bananen", so Bastian. Für die großen Lebensmittelketten zählten die Bemühungen ihrer Lieferanten um sichere Qualitätsprodukte zu wenig, denn dies bedeutet: Bananen werden an der Obsttheke deutlich teurer. Am Ende entscheiden die Käufer/innen in den USA und Europa, ob die Plantagen sauberer werden. Sie müssen bereit sein, für Bananen einfach mehr zu bezahlen.
Felix Scheidl ist 19 Jahre alt und wohnt in Weilheim in Oberbayern. Wenn er nicht gerade die Schulbank drückt, schreibt er als freier Journalist für diverse Lokalteile des Münchner Merkurs. Anfang April war Felix auf Recherchereise in Costa Rica.
Fotos: ©Felix Scheidl
www.chiquita.deAuf der Homepage des Unternehmens werden alle Informationen zum Umweltschutz und zum sozialen Umgang mit Mitarbeitern offen gelegt.
www.ra.orgDie Rainforest Alliance zertifiziert bereits alle Chiquitaplantagen, die Bananen nach Europa liefern. Auch der Konkurrent Dole ist dabei seine Plantagen zertifizieren zu lassen.
www.bananafair.de/Auf der Seite von Bananafair finden sich kritische Stimmen zu Umweltschutz und dem sozialen Wirtschaften der Bananenproduzenten.