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"Kriegerin": Alina Levshin und der Starrummel

Dem Blitzlichtgewitter trotzen

22.2.2012 | | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Alina Levshin als Marisa in 'Kriegerin'

Alina Levshin als Marisa in 'Kriegerin'

Die 27-jährige in Odessa geborene Ukrainerin Alina Levshin kam mit sechs Jahren nach Berlin und trat von 1991 bis 2000 im Kinderensemble des Friedrichstadtpalastes auf. Deutsch spricht sie als erste Muttersprache, Russisch als die zweite. Nach dem Abitur wusste sie sofort, was sie werden wollte: Schauspielerin. Bekannt wurde sie als Besetzung in radikalen Rollen. 2010 erhielt sie für die Verkörperung der ukrainischen Zwangsprostituierten Elena in der Fernsehserie "Im Angesicht des Verbrechens" (Regie führte Dominik Graf) den Deutschen Fernsehpreis. In "Kriegerin" von David Wnendt spielt sie eine junge Neonazi-Frau, die aus der Szene aussteigen will. Für ihre Rolle der wilden Marisa erhielt sie den Förderpreis Deutscher Film, die Jury war begeistert von ihrer "atemberaubenden Wandelbarkeit im Gesicht, in der Sprache und in der Körperlichkeit".

Nach dem Kinostart am 19. Januar 2012 musste sie viele Interviews geben – und wird wohl bald ein Star sein. Eine Tatsache, der Alina Levshin gelassen entgegen sieht. Sie kann scheinbar nichts aus der Ruhe bringen. Gerade ist sie Mutter geworden und für das Star-Sein so vielleicht ganz besonders mental gut gerüstet.

Nana A.T. Rebhan: Wenn du eine Rolle wie die der Marisa in "Die Kriegerin" verkörperst, fühlst du dich den Zuschauerinnen gegenüber verantwortlich und wenn ja, inwiefern?

Alina Levshin: Wenn ich an einer Rolle interessiert bin, muss mir auch das Gesamtpaket gefallen. Das Drehbuch muss stimmen und die Menschen, mit denen man daran arbeitet. Wenn ich hinter diesen Sachen stehe übernehme ich automatisch eine gewisse Verantwortung. Angesichts der gegenwärtigen Ereignisse ist die Rolle der Marisa in „Die Kriegerin“ sehr aktuell, wobei man nicht vergessen darf, dass "Kriegerin" kein Dokumentarfilm ist und somit nicht die ganze Neonazi-Szene beleuchten kann.

Wie ergeht es dir mit dem Frauenbild der rechten Szene, hast du mit diesen Frauen gesprochen?

David hatte zuvor viele Gespräche geführt. Das Material habe ich mir angesehen. Ich hatte also jemanden vor mir, ich hatte sie vor Augen. Doch es waren ganz verschiedene Frauen, eine alleinerziehende Mutter etwa, die sich für den Bund der Mädchen engagiert, die Gemeinschaft will, singen mit den Kindern. Das fand sie toll. Andere waren politischer. Wenn man in Berlin wohnt, kann man das nicht so einschätzen. Ich war überrascht, wie unterschiedlich die Frauen sind und wie sie ihre Meinung vertreten und mit Argumenten untermauern.

Wann und warum wolltest du Schauspielerin werden?

Alina Levshin: Meine Leidenschaft für das Schauspiel habe ich schon früh entdeckt. Als ich im Kinderensemble des Friedrichstadtpalasts getanzt habe, hat es mir großen Spaß gemacht auf der Bühne zu stehen. So wusste ich schon im Alter von acht Jahren, dass ich später etwas mit Schauspiel machen würde.

Hattest du damals schon Vorbilder?

Ich habe viele Filme geschaut und mir haben ab und an bestimmte Schauspieler gut gefallen. Aber ich hatte kein konkretes Vorbild.

Wie ging es dann los mit deiner Karriere?

Mit 16 Jahren habe ich diverse deutschsprachige Schauspielschulen recherchiert, nahm Schauspielunterricht und Gesangsstunden und bereitete Rollen vor.

Wo hast du dich beworben?

Ich habe mich abgesehen von der HFF, der Hochschule für Film und Fernsehen in Berlin-Babelsberg, an der Universität der Künste und der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" beworben.

Endlich ankommen?

Was war es für ein Gefühl, endlich angenommen worden zu sein?

Eine Erleichterung, nachdem man sich etlichen Prüfungen und Kritiken unterzogen hat. Es war eine Bestätigung für mich. Meine Mutter hatte mich immer ermutigt und mir erklärt, dass man alles erreichen kann, wenn man es will und daran arbeitet.

Wie war die Zeit dort?

Es war eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte. Wir waren eine kleine Klasse. Es war nicht immer alles zuckersüß. Aber wir haben viel voneinander gelernt und nach dem Studium sind wir alle Freunde geblieben. Ich habe in den viereinhalb Jahren viel gelernt – und somit auch viel über mich selbst.

Was hast du von dort mitgenommen?

Ich habe gelernt, dass man nicht nur aus guten Erfahrungen lernen kann und dass man sich selbst darum bemühen muss etwas zu lernen. Man bekommt Schauspielhandwerk vermittelt und setzt sich mit verschiedenen Methoden auseinander. Später habe ich festgestellt, dass man sich davon auch lösen kann, um seine eigene Spielart zu finden.

Welche Rollen würdest du gerne spielen?

Ich hatte keine konkreten Rollen vor Augen, aber ich wünsche mir, anspruchsvolle und interessante Figuren spielen zu können.

Was interessiert dich mehr: Film oder Theater?

Theater und Film kann man als unterschiedliche Kommunikationsträger einer Geschichte betrachten. Man muss sich unterschiedlicher Mittel bedienen, um damit als Schauspieler entsprechend umzugehen. Beide haben ihre Vorzüge. Ich war am Anfang meines Studiums dem Theater eher zugeneigt und habe im Anschluss die Arbeitsweise im Bereich Film kennen gelernt. Da ist das eine nicht besser als das andere. Ich fühle mich auf der Bühne und vor der Kamera wohl.

Gibt es eine Schauspielerin, die für dich ein Idol ist?

Ich habe in dem Sinne keine Vorbilder. Aber es sind wohl Menschen, die den Anspruch haben, künstlerisch wertvolle Arbeit zu leisten.

Alina Levshin als Marisa in 'Kriegerin'

Alina Levshin als Marisa in 'Kriegerin'

Feindbild Nazi-Braut

Durch die Rolle einer Zwangsprostituierten und einer Rechtsradikalen bist du bekannt geworden. Liebst du es, so radikale Rollen zu spielen?

Jeder Schauspieler würde wohl dankbar sein für extreme Rollen. Eine Rolle ist für mich interessant, wenn sie mir nicht ähnelt. Ich muss entsprechend dem Profil handeln und verhalte mich untypisch zu meinem eigenen Wesen. Das ist für mich das Reizvolle. Aber eine gute Mischung ist auch entscheidend. Ich würde es gerne mal ausprobieren, eine komödiantische Figur zu verkörpern.

Hast du manchmal Angst, auf so radikale Rollen festgelegt zu werden?

Ich habe nicht vorgehabt auf etwas Bestimmtes festgelegt zu werden. Ich versuche lediglich in jeder Rolle eine Herausforderung zu suchen. Es müsste etwas sein, das mich derzeit reizt es zu spielen.

Was würdest du gerne mal spielen?

Es gibt so viele Geschichten und Rollen, die es wert sind gespielt zu werden. Eine konkrete Vorstellung habe ich nicht. Wenn ich ein Drehbuch lese, lasse ich mich überraschen. Wenn mich die Geschichte und die Figur interessiert und ich Lust habe es zu spielen, gehe ich zum Casting.

Du hast den deutschen Fernsehpreis und den Förderpreis Deutscher Film verliehen bekommen. Wie fühlt sich das an?

Die Preise sind eine tolle Ehrung. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass man auf Grund dessen bekannt wird.

Wirst du schon auf der Straße angesprochen?

Das passiert selten.

Viele Medien berichten gerade ziemlich viel über dich. Stört dich das?

Mein Privatleben hat sich eigentlich nicht sonderlich geändert, außer dass sich Freunde für mich freuen und wissen wollen, wann sie wieder einen Film mit meiner Mitwirkung zu sehen bekommen.

Was für ein Gefühl ist es, im Blitzlichtgewitter der Fotografen auf dem roten Teppich zu stehen?

Bis jetzt hat sich das noch in Grenzen gehalten. So ein Blitzlichtgewitter hat eben seine Regeln. Entweder man spielt mit oder lässt es sein. Mal schauen, so ein richtiges Gewitter ist noch nicht über mich gekommen.

Kannst du dir vorstellen, mal ein richtiger Star zu sein?

Ich bin mir nicht sicher, wie so ein richtiger Star sich zu verhalten hätte, aber ich kann mir vorstellen, bekannter zu sein als im Moment und dennoch ich selbst zu bleiben.

Bodenständig und strebsam

Was, glaubst du, ist gut daran, ein Star zu sein?

Wahrscheinlich glauben die meisten Leute zum einen, dass man als Star von vielen Menschen erkannt und bewundert wird, zum anderen, dass man sehr wohlhabend ist und sich viel Luxus leisten kann. Mein Anspruch und meine Vorstellungen decken sich nicht damit.

Glaubst du, deine Privatsphäre wird respektiert?

Wenn man in der Öffentlichkeit steht, ist man sicherlich leicht angreifbar und muss damit rechnen, dass man es nicht jedem Recht machen kann. Das kann vielleicht anstrengend sein.

Wo willst du in fünf Jahren sein?

Das weiß ich nicht genau. Ich stelle mir keinen Fünf-Jahres-Plan auf. Allerdings erhoffe ich mir Gesundheit für mich und meine Familie als auch Zufriedenheit im Beruf. Wie sich das weiterentwickeln wird, weiß ich nicht. Ich spekuliere ungerne.

Willst du irgendwann einmal hinter der Kamera stehen?

Das wird sich zeigen. Ausschließen kann ich es nicht.

Was wirst du als nächstes spielen?

Das kann ich im Augenblick noch nicht beantworten, da ich gerade Drehbücher lese, die mich alle interessieren und alle Frauenfiguren beinhalten, die mich reizen und die ich noch nicht gespielt habe.

Vielen Dank!

Das Interview führte Nana A. T. Rebhan, die ihren letzten Dokumentarfilm in Kambodscha abschloss.

Foto, oben: "Kriegerin", Alina Levshin; © Ascot Elite Filmverleih / Jonas Schmager

Foto, unten: "Kriegerin", Alina Levshin; © Ascot Elite Filmverleih / Alexander Janetzko



Hier geht es zur unserer "Kriegerin"-Filmvorstellung auf fluter.de




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