Landkarten prägen das Bild, das wir uns von der Welt machen. Ob im Atlas, in der Schule oder in der Tagesschau. Auf der Weltkarte, die wir Europäer kennen, liegt Europa in der Mitte, links Amerika, rechts Russland und Asien, unten Afrika. Je nachdem, wo wir aufwachsen und wo diese Karten produziert werden, verändert sich der Mittelpunkt. Doch die Sicht auf die Welt ist nicht nur von unserem Standpunkt bestimmt, sondern vor allem auch verzerrt.
Die gängigste Darstellung der Weltkugel auf einer 2-dimensionalen Fläche ist die Mercator-Projektion, benannt nach Gerhard Mercator, der sie 1568 erfand. Das Prinzip dieser Projektion muss man sich so vorstellen: Man nimmt ein Blatt Papier, das man entlang des Äquators um den Globus rollt, so dass ein Zylinder entsteht. Die obere und die untere Halbkugel werden nun auf die Flächen projiziert. Dabei nehmen nach oben und nach unten die Verzerrungen immer mehr zu. Grönland zum Beispiel ist sechs Mal vergrößert, und an den Polen franst die Welt aus.
Der Architekt und Designer Richard Buckminster Fuller erkannte in den 30er-Jahren die Kluft, die sich zwischen dem Weltbild, das durch die Mercator-Projektion geprägt war, und der politischen Realität aufgetan hatte. Er wollte diese mentale Karte in den Köpfen der Menschen korrigieren und eine Karte für politische Geografie entwickeln. Seine Lösung: der Dymaxion-Globus. Natürlich bedeutet jede Projektion einer Kugel auf eine Fläche eine Verzerrung, doch in Fullers Weltkarte sind die Verzerrungen proportional und an keiner Stelle extrem. Seine Dymaxion-Karte besteht aus 14 Segmenten - sechs Quadraten und acht Dreiecken - deren Kanten einen gleich bleibenden Maßstab haben, die Verzerrung in jedem Segment nimmt zur Mitte hin zu.
Diese Karte hat den Vorteil, dass die 14 Segmente in unterschiedlichen Konstellationen zusammengefügt werden können und so geopolitische Weltinterpretationen veranschaulichen. In dem Katalog zur Wanderausstellung über Buckminster Fuller sind vier exemplarische Kartenkonstellationen der Dymaxion-Welt abgebildet: Die Mercator-Welt, das British Empire, Hitlers Herzland-Konzept und das Japanische Reich. Sie verdeutlichen, dass politische Strategien und Ambitionen geografische Zusammenhänge zur Folge haben.
Ein weiterer Vorteil der Karte: Sie lässt sich wieder zu einem 3-dimensionalen Körper zusammenfügen. Wie das aussieht? - Puzzeln, ausdrucken und basteln!
Das Buckymap-Puzzle wurde von Susanne Schuricht im Rahmen der Wanderausstellung "Your Private Sky" entwickelt. Der Katalog zur Ausstellung stellt die Arbeiten von Richard Buckminster Fuller auf über 500 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und zeitgenössischen Dokumenten umfassend dar. Zu Fullers Weltkarte gibt es darin unter anderem zwei Abdrucke aus dem "Life"-Magazin von 1943.
Der Katalog zur Wanderausstellung über R. Buckminster Fuller, dem wir auch die Abbildungen entnommen haben:
Joachim Krause und Claude Lichtenstein (Hg.)
Your Private Sky
R. Buckminster Fuller - Design als Kunst einer Wissenschaft, 2000
www.bfi.org
Mehr über R. Buckminster Fuller findet ihr auf der Website des Buckminster Fuller Instituts.
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