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Gefangener der Mullahs

Der Fall Akbar Ganji

2.3.2006 | Thomas Kutschbach & Felix Korsch | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Seit einigen Monaten ist der Iran in den Fokus der Weltpolitik gerückt. Präsident Ahmadinedschad glaubte, nach seiner Rede vor der UN-Vollversammlung im September 2005 von einem Heiligenschein umgeben gewesen zu sein, er drohte Israel wiederholt mit der Vernichtung und hält den Holocaust für eine Erfindung, vor allem aber ringt der Westen um eine Einigung im Streit um das iranische Atomprogramm.

Der Iran im Jahre 2006 ist weiterhin eine klerikale Diktatur. Präsident Ahmadinedschad hat endgültig die Hoffnungen auf Reformen und eine Demokratisierung des Landes enttäuscht. Davon betroffen sind zuallererst die Iraner/innen selbst. Die iranische Opposition wird überwacht und verfolgt. Als einer der wichtigsten Dissidenten des Gottesstaates gilt der Journalist und Schriftsteller Akbar Ganji. Er ist seit nunmehr über fünf Jahren als politischer Gefangener in Haft.

Leibwächter Ayatollah Chomeinis

Ein Blick zurück ins Jahr 1979. Der Schiitenführer Chomeini übernimmt die Macht und ruft die "Islamische Republik Iran" aus. Eine streng religiöse und antiwestliche Linie bestimmt nun das Land. Immer an der Seite des Ayatollah sein Leibwächter: Akbar Ganji. "Er war früher ein glühender Anhänger der Revolution", berichtet der Islamwissenschaftler Ahmad Taheri von der Universität Frankfurt.

Nach den ersten Revolutionsjahren aber widmet sich Ganji dem Studium abendländischer Schriften – und entwickelt sich mehr und mehr zum Kritiker des politischen Islam und Verfechter freiheitlicher Prinzipien. "Akbar Ganji gehört einer ganzen Generation an, die erst Revolutionsanhänger waren und später den Missbrauch des Islams als Instrument der Macht erkannten", führt der Exil-Iraner Taheri weiter aus. Ganji distanziert sich vom schiitischen Gottesstaat und fordert mehr Demokratie in einem säkularisierten Iran.

Ganji schreibt in verschiedenen regimekritischen Zeitungen, die allesamt nacheinander verboten wurden. Der Höhepunkt seines publizistischen Aufbegehrens ist das 1998 veröffentlichte Buch "Eminenz in Purpur", in welchem er die Verwicklung des damaligen Präsidenten Rafsandschani in Mordserien an iranischen Intellektuellen und Journalisten aufdeckt. Das Buch wird – wie alle Veröffentlichung Ganjis – zum Bestseller.

Nach der Rückkehr von einer Reise nach Deutschland wird Ganji im Jahr 2000 mit weiteren Regimekritikern verhaftet und in einem Geheimprozess wegen "Verschwörung gegen die islamische Republik" und "Propaganda gegen den Gottesstaat und Beleidigung der Staatsführung" zu zehn Jahren Haft verurteilt. Später wird die Strafe auf sechs Jahre reduziert. Auch im Gefängnis rückt Ganji nicht von seinen Forderungen ab, er tritt in Hungerstreik, um bessere Haftbedingungen zu erwirken.

Nicht mehr als eine Hoffnung

Einen großen Teil seiner Haftstrafe verbringt Ganji in Einzelhaft. Seiner Anwältin, der iranischen Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi, wird seit Mai vergangenen Jahres der Kontakt zu ihm untersagt. Seine Frau berichtete, dass Ganji während seines Hungerstreiks im Krankenhaus mehrfach von Geheimdienstbeamten zusammengeschlagen wurde. Trotzdem ließ Ganji Journalisten ausrichten: "Im Gefängnis bin ich nur noch radikaler geworden."

Ganji gilt als Symbol der iranischen Oppositionsbewegung. Mit seinen Aktionen wie Hungerstreiks versucht er Aufmerksamkeit zu gewinnen, denn die einfachen Menschen auf der Straße kennen zwar seinen Namen, doch sehr viel mehr von ihm wüssten sie nicht, weiß Ahmad Taheri. "Neuigkeiten zu Akbar Ganji gibt es fast ausschließlich im Internet." Und das ist im Iran noch nicht so weit verbreitet wie in westlichen Industriestaaten. Viele Intellektuelle, vor allem im Exil, seien daher bestens informiert über Akbar Ganji.

Seine Gefängnisstrafe endet dieses Jahr. Ob der abgemagerte und kranke Ganji jedoch tatsächlich freikommt, ist nicht sicher. "Das ist eine politische Entscheidung. Wenn die ausländische Öffentlichkeit Ganji nicht vergessen hat, kommt er frei", hofft Taheri. Doch das undemokratische Mullah-Regime, gegen das Ganji kämpft, ist mächtig, ein demokratischer Iran nicht mehr als eine Hoffnung, und die radikalen Töne des Präsidenten Ahmadinedschad geben wenig Grund zu Optimismus.

Thomas Kutschbach & Felix Korsch sind Studenten der Journalistik sowie der Politikwissenschaft an der Universität Leipzig.

Foto: "Akbar Ganji" / © ISNA


www.auswaertiges-amt.de
Informationen des Auswärtigen Amts zum Iran

http://de.wikipedia.org und www.bpb.de
Der Iran bei Wikipedia und der Bundeszentrale für politische Bildung

www.amnesty.de und www.reporter-ohne-grenzen.de
Amnesty International und Reporter ohne Grenzen zum Fall Akbar Ganji

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