t

Ilja Trojanow: Zu den heiligen Quellen des Islam

Die erste Hadsch

16.1.2005 | Christoph Braun | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Jede Religion kennt die Pilgerfahrt. Buddha hinterließ vier Orte der Wallfahrtschaft, der Hinduismus schuf ebenso viele Pilgerziele besonderer Bedeutung. Juden und Christen pilgern nach Jerusalem. Geburts- und Todesstätten von Religionsstifter/innen und Heiligen ebenso wie Orte wundersamer Erscheinungen bilden weitere Pilgerziele: Lourdes, Kevelaer und Fatima zum Beispiel. Auch der Islam kennt eine Vielzahl von Wallfahrtsorten. Vor allem aber eine spezielle Pilgerfahrt, wie es sie in keiner anderen Religion gibt: die "Hadsch", die streng reglementierte Reise nach Mekka als Geburtsort des Propheten Mohammed und nach Medina, wo er begraben liegt.

Kosmopolitischer Schriftsteller

Der Autor Ilja Trojanow, 1965 in Bulgarien geboren, flüchtete im Kindesalter mit seiner Familie in den Westen und erhielt politisches Asyl in Deutschland. Hier verfasste er - unter anderem - einen Science-Fiction-Roman und gab "Döner in Walhalla" heraus, eine der ersten Anthologien zur Literatur von Migrant/innen. Später lebte Trojanow in Bombay, wo er zum Islam konvertierte. Inzwischen ist er nach Kapstadt gezogen - davor entstand 2003 sein Buch "Zu den heiligen Quellen des Islam": der Pilgerbericht also eines westlich geprägten, vor nicht allzu langer Zeit konvertierten Deutsch-Bulgaren, der zum ersten Mal auf der Hadsch ist - eine seltene Konstellation.

Allah heißt einfach Gott

Von Beginn an erweist sich Trojanow als geschult in den Feinheiten, die einen Unterschied ausmachen: "Die Verwendung von Allah in einem deutschen Text steigert nur die Befremdung und legt einen islamischen Gottesbegriff nahe, der sich von dem geläufigen christlichen wesentlich unterscheidet", heißt es in der Einführung. Gott, den sich Pilger/innen in besonderer Weise zu vergegenwärtigen suchen, ist für Gläubige ja gerade namenlos, und Judentum, Christentum und Islam glauben ja nur in unterschiedlich geregelter Weise an diesen Gott: "Allah" ist bloß das Wort für Gott in einer anderen Sprache.

Die Hadsch selbst schildert Trojanow aus der Sicht eines in den komplexen Ritualen seiner Religion noch Ungeübten, durch die Pilgerschaft jedoch innig Gläubigen: die Schönheit der Kaaba, die Erschöpfung und die Panik inmitten der enormen Menschenansammlungen in der Wüste Saudi-Arabiens. Und was ihm nicht gefällt, das kritisiert er deutlich - etwa das egoistische Benehmen vieler Pilgernder, das alljährlich zu Todesfällen während der Hadsch führt. Aus diesen Widersprüchlichkeiten, aus seiner persönlichen, kritischen Aneignung der islamischen Religion und dem Zugehörigkeitsgefühl zur “Umma“ - der Gemeinschaft aller Gläubigen - entspringt Trojanows dichter Sprachfluss.

Schließlich wird jenes Glücksgefühl beim Lesen begreiflich, das sich am Ende der Pilgerreise einstellen muss, nach den vielen neuen Erfahrungen und den Entbehrungen, die am Ende belohnt werden. Eine der besten Erfahrungen einer Pilgerreise ist, findet Trojanow, eine "Verdichtung des Glaubens", die der oder die Pilgernde mitnimmt. Hier im säkularen Westen kann das auch übersetzt werden als eine Fürsprache für Rituale des "Außer-sich-Gehens". Kann ja auch exzessives Feiern bedeuten.

Ilja Trojanow: Zu den heiligen Quellen des Islam. Als Pilger nach Mekka und Medina (Malik Verlag 2004, 16.90 €)




Christoph Braun ist nicht gläubig, hat aber mal zehn Tage lang gefastet und wird das wieder tun.

Foto: "Ka`bah in Mekka" / Islamonline.net



http://de.wikipedia.org
Pilgerfahrten der verschiedenen Religionen auf wikipedia.org

www.feste-der-religionen.de
Informationen zur Hadsch

www.perlentaucher.de
Mehr über Ilja Trojanow

Kommentare

Dein Kommentar