Der Nilbarsch im Victoriasee hat alle anderen Fischarten verdrängt. Er vermehrte sich sogar so stark, dass eine Fischindustrie entstanden ist, die täglich 600 Tonnen Nilbarsch verarbeitet und vor allem nach Europa transportiert.
Viele Menschen leben rund um den Nilbarsch. Neureiche Fabrikbesitzer, russische Piloten, die den Barsch nach Europa und im Gegenzug Waffen nach Afrika bringen, Wissenschaftler, die ökologische Katastrophen vorhersagen. Aber auch Straßenkinder, die sich aus den Fischverpackungen Klebstoff zum Schnüffeln kochen, einfache Fabrikarbeiter, Leute die auf den Müllhalden aus den Fischresten Nahrung für die Einheimischen machen, Prostituierte, die sich für wenige Dollar an die Piloten verkaufen, Nachtwächter, die sich den Krieg wünschen, weil es dann endlich genug Arbeitsplätze in der Armee gäbe. Jahrelang spürte Hupert Sauper ihnen mit seiner Kamera nach.
Globale Fischpfanne
Ohne direkte Schuldzuweisungen kontrastiert er verschiedenen Lebenswelten. Da ist der reiche Fabrikbesitzer, der stolz erzählt, wie modern seine Anlage ist, mit der er täglich 500 Tonnen Fisch fertig zum Export machen kann. Auf die Frage, wie viel Menschen in Afrika man damit ernähren könne, zuckt er nur die Schultern. Auf der anderen Seite barfüßige Frauen, die auf der Müllhalde Fischskelette einsammeln. Maden kriechen zu Tausenden umher, aber daran stört sich niemand. Die Skelette werden getrocknet, die Fischköpfe frittiert und dann an die Einheimischen verkauft.
Auf der einen Seite ein Gesandter der EU, der sich über dieses herausragende Beispiel für gute Handelsbeziehungen und das Wachstumspotenzial Afrikas freut. Auf der anderen Seite ein Pfarrer, der erzählt, dass in seiner kleinen Gemeinde Monat für Monat 45 – 50 Fischer an AIDS sterben – größtenteils infiziert von Frauen, die der AIDS-Tod ihrer Männer in die Prostitution trieb.
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